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Kreativstadt Frankfurt Teil 1

26. November 2009 - 17:12

Vor sieben Jahren (2002) war ich mal bei der Wirtschaftsförderung Frankfurt. Die sagten mir, ich solle mal ordentlich "networken", wozu sie mir Events an Orten wie dem 190 East (gibts das noch?) und dem King Kamehameha vorschlugen.

Ich hab das schnell aufgegeben, denn dort traf sich eine Szene, die lieber unter sich bleiben und mit Künstlern nichts zu tun haben wollte.

Wenn schon "networken", dann an Orten und Events, die mir genehm waren. Was ist daraus geworden?

Kürzlich besuchte ich Club Michel. So eine gemischte Tafelrunde sollte doch ein idealer Ort sein neue Leute kennen zu lernen. Leider ging es sehr steif und förmlich zu. Gegenüber von mir saß eine Gruppe Amerikaner, - aus nicht ersichtlichen Gründen dort hingeraten -, mit denen ich ein paar Floskeln austauschte. Neben mir einige Leute, die ich so ungefähr kannte, was immerhin Gelegenheit zu einem Gespräch bot. Mehr war nicht.

Gestern war ich bei Saasfee. One Hour Disco, eine Stunde Disko, das sollte nicht zu anstrengend sein. Leider ist das Setting im Saasfee Pavillon auch nicht gerade kommunikationsfördernd. Der Raum war so dunkel, daß ich Leute nur nahe von Lichtquellen erkennen konnte. Viele saßen am Boden. Sich herunterbeugen zu müssen erleichtert nicht die Kontaktaufnahme.

An der Bar herumzuhängen wäre prinzipiell möglich, die Damen dahinter waren aber allenfalls Personal, das mir schnippisch das Wechselgeld auf den Tresen knallte. Kommunikative Vermittlung konnte ich da auch nicht erwarten.

Vor dem Eingang traf ich auf einen der Betreiber, mir wohlbekannt, insofern war hier Austausch möglich. Die Frau neben ihm bedachte ich mit einem freundlichen Hallo. Die guckte mich entsetzt an und drehte sich weg. Mir kommt vor, das ist typisch für Frankfurt. Wenn Du Fremden Aufmerksamkeit schenkst, denken sie wahrscheinlich, Du wolltest sie ausrauben.

Vor Jahren gabs mal einen Laden, der anders war. Das GOTO. Da war es ganz einfach neue und fremde Leute kennen zu lernen. Ich glaub viel hing damit zusammen, daß die Betreiber konsequent hinter der Bar standen und sich bemühten alle ins Gespräch zu ziehen. Leider blieb dieses erfreuliche Lokal eine Episode.

Seitdem ists dunkel in Frankfurt. Ich bin nicht sonderlich schüchtern. Ist es nur mein Eindruck, daß Szenen und Gruppen am Liebsten unter sich bleiben?

Was sind Deine Erfahrungen?


* * * * *

Ältere Beiträge zum Thema:

- Herr Braan schrieb über das Networken: http://www.thing-net.de/cms/artikel100.html

- Tine Nowak schrieb über Dos und Donts des abendlichen Weggehens: http://www.thing-net.de/cms/artikel93.html

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4 Kommentare

Re: Kreativstadt Frankfurt Teil 1

27. November 2009 - 00:50

du hast recht, es ist etwas arm in der frankfurter szene. die stadt ist so klein, obwohl die etwas ganz besonders werden möchte. nicht jeder findet hier seine nische. frankfurt ist aber auch eine besondere stadt, in der alles so bequem und überschaubar ist. wenn du dich hier etwas auskennst, kannst du gut deine woche planen und irgendwann kriegst du eine chancee mit jmnd. netten ins gespräch zu kommen... und darum gehts letztendlich..
alles braucht etwas zeit.. ;)

Re: Kreativstadt Frankfurt Teil 1

27. November 2009 - 14:20

Danke für Deinen Kommentar. Ich wollte meine eigenen Erfahrungen nicht überbewerten.

Mir ging es nur darum anhand von ein paar Beispielen nachzufragen, welche kommunikativen Bedingungen kreative Menschen brauchen. Und ob sie in Frankfurt existieren.

Stefan

Re: Kreativstadt Frankfurt Teil 1

13. December 2009 - 14:58

Man und ebenso auch frau geht eben nicht alleine aus! Wer tut das schon? Aus meinem Bekanntenkreis kommt jedenfalls die Rückmeldung, dass es ungewöhnlich ist und die meisten Menschen sich das gar nicht erst antun, da es als sehr unangenehm empfunden wird. Ich gehe gern auch mal alleine aus, jedoch eigentlich nur, wenn etwas geboten wird, das ich auch alleine genießen kann, ohne in Kontakt treten zu müssen - das kann auch tanzen gehen sein. Manchmal ergibt sich dann spontan ein ungezwungenes Gespräch, aber Leute kennenlernen geht so eher nicht. Die anderen haben ja auch in der Regel ihre Leute dabei und man verabredet sich zum Ausgehen mit anderen um sich mit diesen zu unterhalten, etwas gemeinsam zu erleben und hat in diesem Moment tatsächlich kein Bedürfnis nach neuem Kontakt. Jede Kontaktaufnahme zu unbekannten Personen ist ja auch erstmal mit Anstrengung verbunden und man möchte sich abends in der Regel nicht auch noch anstrengen, wenn man einen anstrengenden Arbeitstag hinter sich hat, sondern man geht aus um seine Ruhe zu haben (?), aber mal nicht im eigenen Wohnzimmer...
Ich dachte ja auch erst, es wäre in Frankfurt besonders schwierig, neue Leute kennen zu lernen, inzischen glaube ich, dass es am Älterwerden und den eigenen Interessen liegt. Da wir alle nicht unbegrenzt Zeit und Energie haben für Austausch, beschränkt sich dieser eben auf die eigenen Interessen bis auf wenige spontane Ausnahmesituationen.

Re: Kreativstadt Frankfurt Teil 1

17. December 2009 - 14:55

Der vorherige Kommentar war mir sehr hilfreich. Mir gings allerdings nicht ums alleine Ausgehen per se. Ich würde nie ins Robert Johnson gehen und denken, da lerne ich jemanden kennen.

Ich habe mit Absicht zwei Orte genannt (saasfee und Club Michel), wo ich davon ausgehe, daß die BetreiberInnen mit den Bedürfnissen kreativer Menschen vertraut sind.

Der ultimative Lackmustest eines kreativen Ortes, einer kreativen Umgebung, scheint mir doch der zu sein, wie er mit Fremden, Alleinstehenden, Beziehungslosen im weitesten Sinne umgeht.

Wenn alle sich schon kennen und miteinander vertraut sind, gibts sowieso kein Problem.


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