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Ethik = Ästhetik?

24. April 2003 - 22:05

Seppeltreffen mag jeder so organisieren, wie er/sie will. Mir ists im Grunde egal, was die Werbebranche an Ausstattung und Ambiente für ihre Stelldicheins braucht. Im Falle der „Bar Between“ sieht die Sache allerdings etwas anders aus, denn das ist keine ganz normale Werberparty. Insofern heißt es hier ein Stück genauer hinzuschauen:

Lesen wir ihre Eigendarstellung:
„Die BAR BETWEEN ist eine Networking-Plattform des Frankfurter Forum für Kommunikation (FFK). Initiiert und geleitet wird sie durch die Wirtschaftsförderung Frankfurt GmbH in Kooperation mit dem King Kamehameha Club. Hier treffen sich einmal monatlich die Kommunikativen aus FrankfurtRheinMain zum Networking. Durch zwanglose Konversation und Erfahrungsaustausch in entspannter Atmosphäre kommen einem nicht nur Ideen auf, sondern eröffnen sich auch durchaus Wege, diese zu realisieren.
Für eine lockere Bar-Atmosphäre sorgen zusätzlich zwei prominente Vertreter der Frankfurter Kommmunikationsszene, die für die Gäste Cocktails und Longdrinks mixen.“

Die Veranstaltung hat einen bestimmten Zweck, der sich daraus ergibt, daß die Frankfurter Wirtschaftförderung nicht einfach Geld an diesen oder jenen geben darf, auch nicht zur Förderung, sondern nur indirekt Anschübe leisten, die indirekt Rahmenbedingungen des Wirtschaftslebens verändern. Und da wir nun in einem Informationszeitalter leben, haben sich diese klugen Köpfe wohl gedacht, daß sie am indirektesten die Kommunikation fördern, was obendrein direkt nichts kostet. Wenigstens für die Getränke zahlen die „Kommunikativen“ selbst.

Damit ist einigermaßen klar, daß es sich hier um ein politisch motiviertes und von Politik durchdrungenes Treffen handelt. Das heißt auch, das alle Maßnahmen die diesem Treffen förderlich sein sollen, Mittel zum Zweck sind, also Wahl des Ortes, der Lokalität, des Ambientes, der Musik, sowie des Umgangs mit den Gästen und untereinander.
Aus dieser Perspektive heraus von einem „Seppeltheater“ zu sprechen ist wohl ziemlich vernichtend.
Zumindestens zeigt es auf, daß die Veranstaltung recht einseitig auf ein bestimmtes Klientel ausgerichtet ist, was wiederum Rückschlüsse auf die Art von Politik schließen lässt, die ein solches Treffen erzeugt, nämlich eine Politik des Konsenses, die im Bestehenden minimale Deutungszuschreibungen zulässt und schlimmstenfalls einigen Leithammeln die Führung über eine desorientierte Masse überlässt.

Mein Vorschlag daher: wenn die Wirtschaftsförderung nun unbedingt meint, das Fördern nur über solche Veranstaltungen ausdrücken zu können, so sollte sie wenigstens solche Art Soireen jeden Monat an anderen Orten und von anderen Leuten organisieren lassen.
Es gibt ja genug Menschen, die im Bereich der „Kommunikation“ tätig sind, aber nie zu so einer „Bar Between“ gehen würden, die aber einen eigenen und einbringenswerten Standpunkt besitzen. Die sollten auch mal zum Zuge kommen.


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