Sie trafen sich, die schönen und nicht reichen Menschen von der Meile des Misserfolgs: von der Hanauer direkt in den King Hutschikutschibutschi-Club; gehen Sie nicht über Los und ziehen Sie kein dreizehntes Monatsgehalt ein. Die Frankfurter Wirtschaftsförderung lud wie immer ein zum rumstehen, k*ksen, trinken, tratschen.
Die versammelte Werbewirtschaft der unteren Chargen wuselte emsig wie das Bienenvieh, die Drohnen und die Königinnen, nur die Imker blieben fern. Keine Werbungtreibenden oder echte Agenturchefs zu sehen, das mittlere Management [Manager sein beginnt auf der Visitenkarte früh] feiert sich und lässt sich feiern: der Nachwuchs, dunkel glockenberockt und mit den letzte Saison so modischen Fickmich-Stiefelchen [wieder mit schmalem, hohen Absatz, langer, leicht nach oben gebogener Spitze] ausstaffiert, bei den älteren teils verdeckt unter fransigen Jeans mit Schlag. Keine Pumps zu sehen, bis auf ein, zwei Ausnahmen, Turnschuhe auch nur an den Füssen der Texterlein und Kreativdirektoren: Zwerge mit struppigem Haar und Surfer-Klamotten, manche immer noch im Anzug mit aufgelegtem Hemdkragen, voll Siebziger.
Die Stimmung war verkrampft, zwei Drittel des Volks darf sich in Zeiten wie dieser nicht daneben benehmen, die wirtschaftliche Grosswetterlage drückt auf ihre Zöglinge. Doch waren sie wieder auf der Jagd, die Junior-Kontakterinnen, bis 25 mit Schlafzimmerblick, danach mit Kinderwagenblick, nur Profis konnten ihre Ehemänner zu Hause lassen und sich wirklich amüsieren.
Die Band spielte auf, eine Show-Band mit den Schlagern der letzten drei Jahrzehnte. Erstes Lied, Schluss, Pause, zehn, zwölf Leute klatschen vorsichtig, die Band machte weiter, machte Stimmung, die ersten Grüppchen liessen sich hinreissen, sich im Takt zu bewegen, es kam zu Tanzszenen, der südamerikanische Affentanz, den zur Zeit alle ach so toll finden, schien sich in den Bewegungen der Tänzerinnen finden zu wollen, man und frau kam sich vor wie in den Achtzigern als es allen noch so gut ging. Die Band sei jedes Mal die Gleiche, meinte mein Begleiter, ein Knipser, den Herr Beck auch kennt.
Herr Beck, und was machen Sie so? – ich musste mir das Gespräch vorstellen, dadurch wurde die Szenerie lustig. Wissen Sie; ich mache Kunst. Ach! Und schon erlahmt das Interesse; der nutzt mir nicht auf meinem Weg in die Chefetage [ein Traum, der für 99 Prozent der Anwesenden der immergleiche, stereotype Traum bleiben wird, der die Struktur, das Dromenon der Werbewirtschaft am Leben, Drehen hält], ein Künstler? Wie soll der den Schmuck bezahlen, den ich mich so wünsche ... ich? Nein, meine Mutter wünscht den Schmucke sich an mir, an sich, doch zu spät, die Wiederholung überbrückt die Kluft zwischen den Generationen: HIER findet keine Rebellion statt. Che Guevara als modisches Dessin auf Dior aus Bangkok. Nein, teure Uhren waren nicht zu sehen.
Verzeihen Sie, Miss Gunst, aber hier befinden wir uns im emanzipationsfreien Feld, ein Panoptikum der Subjektivation, die Erben der House-Generation der Neunziger, als das politische Moment aus Techno eliminiert und alles so schön bunt wurde. Homo-chique und schwarze Stiefel, alles ein Brei. Das Wiegen, jener zwangsheterosexuelle Seemannsgang der jungen Herrn, und das Traben der Dressurpferdchen mit den streng nach hinten gestriegelten glatten, blonden Zöpfen. Mach artig: Sitz! Und to, als sei’st ein Model in Kopie; der Habitus der Foto-Kopie ist das Bezeichnende der Szenerie. Die Werberszene ist eine Modellrechnung der Gesellschaft, schauen Sie sich das an. Es geht schnell; so viel gibt’s nicht zu entdecken. Ein Stündchen reicht.


