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Warum sollten Künstler in Frankfurt bleiben? 2

23. February 2006 - 15:38

Was sagen nun die Frankfurter Parteien auf meine Frage. Warum sollten Künstler in Frankfurt bleiben?

Zu diesem Zweck habe ich eine kurze Email an Parteien, geschrieben, die zur Kommunalwahl antreten:

Sehr geehrte Damen und Herrn,

ich schreibe Ihnen aus Anlaß der Kommunalwahl in Frankfurt.

Vor 15 Jahren bin ich als Bildender Künstler nach Frankfurt gekommen. Zu einer Zeit als der Kulturetat noch gigantisch war, und an allen Orten Aufbruchsstimmung herrschte.

Davon ist rein gar nichts mehr zu verspüren.

Mittlerweile wird im Kreise meiner Kollegen nicht mehr diskutiert, ob man nach Berlin gehen sollte, sondern nur noch wann.

Was soll ich den Kollegen sagen? Was ist Ihre Meinung dazu? Warum sollten Künstler in Frankfurt bleiben?

Über Ihre Ideen und Vorschläge würde ich mich sehr freuen. Vielleicht könnte ich mich dann entschließen Ihnen meine Stimme zu geben.

Mit freundlichen Grüßen

Stefan Beck
Im folgenden dokumentiere ich die bislang eingegangenen Antworten in Form von Kommentaren.

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9 Kommentare

Re: Warum sollten Künstler in Frankfurt bleiben? II

15. March 2006 - 10:39

Sehr geehrte(r) Grüne(r).

An dem von ihnen ungelenk Geschriebenen erkenne ich, dass sie kein Künstler sind.
Ich kann ihnen aber einen Buchtipp geben.
Lesen sie einmal das Buch "Kultur für alle von Hilmar Hoffmann".
Vielleicht geht ihnen dann ein Licht auf.

MFG
Gerhard Merz

Re: Warum sollten Künstler in Frankfurt bleiben? II

stbeck - 15. March 2006 - 15:29

Ich glaube nicht, daß unsere Kulturpolitiker selbst Künstler sein sollten.

Sie sollten aber verstehen, worum es Künstler geht. Und welche Rolle Kunst in dieser Stadt spielen könnte.

Schon vor einiger Zeit beklagte ein Artikel in der FAZ: "Keine Visionen weit und breit"

"An Vorstellungen, wie die Frankfurter Kultur in zehn oder zwanzig Jahren aussehen soll, mangelt es vollständig. Keine Ideen weit und breit. Und erst recht keine Visionen, wo es doch immer das kulturelle und auch kulturpolitische Vorrecht war, solche zu entwickeln. Man erfreut sich lieber an dem gewiß erquicklichen Ist-Zustand: Frankfurts Museen, Kunsthallen sowie der Kunstverein machen allesamt wegen ihrer erstklassigen Ausstellungen von sich reden. Die Künstler lebten in Berlin und stellten in Frankfurt aus, heißt es gelegentlich. "

Antwort WASG: Warum sollten Künstler in Frankfurt bleiben? II

WASG Kandidat - 11. February 2006 - 15:40

Sehr geehrter Herr Beck,
vielen Dank zunächst für ihr Schreiben an uns. In der Tat ist es auch für
mich bedrückend , welchen qualitativen Verlust das Frankfurter Kulturleben
in den letzten Jahren erlitten hat. Dabei geht es auch garnicht einmal nur
um einen sinkenden Kulturetat, sondern um eine unter einem
sozialdemokratischen Dezernenten betriebene völlige Kommerzialisierung der
Kultur auf Hochkultur und Eventkultur. Dabei bleiben freie Künstler und
freie Theaterschaffende auf der Strecke und müssen in ihren Ateliers oft
unter ärmlichen Verhältnissen leben und arbeiten ohne das sie irgendwelche
städtische Hilfe erwarten können. Klimatisch ist eine solche Entwicklung
auch an Symbolen zu sehen. Wer das TAT kaputtmacht und schliesst, neben
Berlin einen der wenigen Theater woavantgardistisches und damit
potwentiell gesellschaftsveränderndes Theater betrieben wurde, der zeigt,
wohim die Reise gehen soll..

Wir wollen eine ganz andere Politik und auch in der Kultur eine völlige
Veränderung der Mittelverteilung vom Zentrum in die Peripherie und zu den
vielen Initiativen. Aber wiegesagt, auch in der Kultur herrscht der
neoliberale Zeitgeist bis hin zur Sprache und diese hegemonie muss erstmal
durchbrochen werden.

Ich kann Ihnen versichern, dass wir uns dafür einsetzen, das Künstler wie
Sie ihren Platz in Frankfurt haben und wieder bekommen, aber wie Sie
wissen, müssen wir dazu auch selber stark werden. Daran arbeiten wir.
Unabhängig davon wünsche ich Ihnen persönlich alles Gute und wir stehen
Ihnen zur Verfügung wenn Sie weitere Informationen möchten.

Mit freundlichen Grüssen
WASG Kandidat

Antwort Grüne: Warum sollten Künstler in Frankfurt bleiben? II

Grüne - 10. February 2006 - 15:44

Sehr geehrter Herr Beck,

von Olaf Cunitz als Parteisprecher und L.Sikorski als Fraktions-Sprecher habe ich Ihr mail bekommen zur Beantwortung.
Was ich auch gerne täte.
Wenn ich wüßte, was es ist, daß Ihnen das Gefühl gibt vor 15 Jahren war eine Aufbruchstimmung und jetzt ist Berlin die Alternative.
Abgesehen davon, dass viele Künstler aus Berlin zuziehen, woran liegt es bei Ihnen und Ihren Kollegen?
Kein Atelierraum? Keine Ausstellungsmöglichkeiten? Allgemeine Stimmung?
vielleicht können Sie mir genauer Punkte nennen und ich antworte Ihnen gerne, was die Position der Grünen ist.
Mit freundlichen grüßen
Grüne

Antwort Junge Union: Warum sollten Künstler in Frankfurt bleiben? II

Junge Union - 15. February 2006 - 15:49

Sehr geehrter Herr Beck,

vielen Dank für Ihre Mail. Bitte entschuldigen Sie, dass ich erst mit einigen
Tagen verspätung dazu komme Ihnen zu antworten, aber die Vorbereitungen für den
Wahlkampf sind gerade noch im vollen Gange. Jetzt aber erstmal in aller kürze,
da das Thema ja meiner Meinung nach doch etwas komplexer ist.
Ich könnte mir aber sehr gut vorstellen, dass wir uns mal zusammen telefonieren
oder Treffen und vielleicht auch noch eine kleine Veranstaltung zu dem Thema im
Rahmen des Wahlkampfes auf die Beine stellen!?

Meiner Meinung nach ist die Entwicklung der Kunstszene sowie der Kultur in einer
Stadt nicht abhängig vom Etat, der übrigens für die Größe Frankfurts immer noch
sehr, sehr groß ist.

Es geht glaube ich eher darum welche Perspektiven man den Kunstschaffenden
anbieten kann. Ich muß zugeben gegen den Hype den es momentan in Berlin gibt
werden wir hier in Frankfurt nicht wirklich anstinken können. Wenn aber alle in
Berlin sind wird es dort auch zunehmend schwer sich herauszuheben.
Klar, Berlin ist günstiger was Lebenshaltung und Mieten (auch für Ateliers etc.)
angeht und zieht deshalb viele Künstler an. Dadurch entsteht dann auch dieses
super interessante Umfeld.

Frankfurt ist da ganz anders aufgestellt und ist in dieser Hinsicht nicht
wirklich der ideale Boden für Künstler. Allerdings denke ich, dass Frankfurt
dafür eine Menge andere Qualitäten hat und viele Chancen bietet die in Berlin
vielleicht schon besetzt sind.

Das Atelier Frankfurt im alten Polizeipräsidium (), die jetzt hoffentlich komplett re-organisierte Art Frankfurt sind
nur zwei Initiativen, die mich aber hoffen lassen. Mit dem Städel und der HfG
auf der anderen Mainseite haben wir zwei wirklich interessante, renommierte
Schulen und es gibt ja auch immer wieder interessante Projekte der Studenten.

Ich würde mir wünschen, dass in leerstehenden Gebäuden mehr Räume wie die im
alten Polizeipräsidium zur Verfügung gestellt werden und möchte mich da wo es
Sinn macht dafür einsetzen. Ich denke aber vorallem Eigeninitiative ist gefragt
und wenn es die gibt, sollte die Stadt mit kleinen Mitteln diese auch
unterstützen wo es möglich und sinnvoll ist und wenn es nur in Form von
Einladungen drucken und versenden etc. ist.
Veranstaltungen, Ausstellungen etc. organisieren. An Räumen dafür sollte es
eigentlich nicht fehlen, dass es teilweise dennoch schwierig ist weiß ich, aber
daran würde ich gerne als Stadtverordneter (wenn es denn klappt) arbeiten. Ich
denke auch, dass die Frankfurter Unternehmen noch neugirieger gemacht werden
könnten und da durchaus interessante Kooperationen denkbar wären. Da haben wir
Berlin definitiv einiges voraus. Den wenn in einer Stadt Geld sitzt dann ist es
ja wohl Frankfurt. Aber auch was das angeht weiß ich, dass da einige Künstler so
Ihre Probleme damit hätten. Es geht aber definitiv nicht, dass man bei völlig
überlasteten Haushalten vom Bund, Land oder der Stadt Gelder zur Verfügung
gestellt haben möchte.



Mit freundlichen Grüßen
Junge Union

Re: Warum sollten Künstler in Frankfurt bleiben? II

stbeck - 23. February 2006 - 15:56

Sehr geehrte Grüne,

vielen Dank für Ihre schnelle Antwort. Ich hätte eine Menge zu sagen, möchte mich aber auf einige markante Punkte beschränken.

Was mir vor allem fehlt, ist eine klare, dezidierte Strategie von Seiten der Stadt Frankfurt im Hinblick auf die Bildende Kunst im Allgemeinen und die Stellung der hiesigen Künstler im Besonderen.

Wozu überhaupt Kunst? Wozu Künstler hier vor Ort?

Vielleicht gibt es ja darauf eine Antwort. Nur, bei mir ist sie noch nicht angekommen.

Frankfurt leistet sich eine eigene Kunsthochschule. Ihre Absolventen, so mein Eindruck, versuchen ein, zwei Jahre hier Fuß zu fassen, dann kehren sie Frankfurt den Rücken.

Warum? Frankfurt ist eine relativ kleine Stadt. Die Lebenshaltungskosten sind hoch. Günstiger Atelierraum ist fast nicht zu bekommen (bei gleichzeitigem Leerstand an Büroflächen). Ausstellungsmöglichkeiten eher begrenzt.

Wer hier bleiben will, braucht gute Gründe. Wenn die Stadt Frankfurt überhaupt Künstler vor Ort haben möchte, so sollte sie vielleicht Argumentationshilfe leisten.

Mir ist z.b. unverständlich, daß die Stadt ein Projekt wie AtelierFrankfurt nicht unterstützt. Noch nicht einmal als Patin. Dabei leistet AtelierFrankfurt durch Bereitstellung von bezahlbarem Ateliers einen Beitrag zur Ansiedlung von Künstlern.

Derzeit ist dort auf eine anonyme Anzeige hin der Brandschutz zu Gange. Mit etwas Pech könnte das ganze Haus geschlossen werden. Die Betreiber stehen ohne Beistand da. Es könnten also wieder 30 Künstler auf der Straße stehen. Daß die dann weiter an Frankfurt festhielten, käme mir unwahrscheinlich vor.

Vielleicht geht es ja ohne Künstler. Man kann ja beinahe alles importieren. Derzeit erreichen mich immer wieder Nachrichten über die Vermarktung der sog. "Region Rhein-Main". Welche kulturelle Eigentümlichkeit da vermarktet werden soll, bleibt mir schleiherhaft. Ohne das speizifisch Eigene, was die lokale Kunst darstellt, kommt mir das vor als wollte man sagen, Bordeaux sei ein Gebiet, berühmt für californischen Wein.

Mit freundlichen Grüßen
Stefan Beck

P.S.

Mir ist bislang nicht aufgefallen, daß irgendwelche Künstler aus Berlin zuziehen. Da würden mich schon ihre Motive interessieren.

Re: Warum sollten Künstler in Frankfurt bleiben? II

Grüne - 23. February 2006 - 16:04

Hallo,


> Was mir vor allem fehlt, ist eine klare, dezidierte Strategie von Seiten
> der Stadt Frankfurt im Hinblick auf die Bildende Kunst im Allgemeinen
> und die Stellung der hiesigen Künstler im Besonderen.


Da haben Sie recht (siehe FAZ vom 14.2.) Die Grünen haben jedoch schon immer eine dezidierte Künstlerförderung auf ihren Fahnen: Einfach weil ohne Künstler keine Kunst.


> Frankfurt leistet sich eine eigene Kunsthochschule. Ihre Absolventen, so
> mein Eindruck, versuchen ein, zwei Jahre hier Fuß zu fassen, dann kehren
> sie Frankfurt den Rücken.


Genau da wollen wir ansetzen - mehr Atelierraum, mehr Möglichkeiten selbst auch was zu organisieren, mehr konkrete Hilfe (z.B. mit anderen städtischen Ämtern)


> Mir ist z.b. unverständlich, daß die Stadt ein Projekt wie
> AtelierFrankfurt nicht unterstützt. Noch nicht einmal als Patin. Dabei
> leistet AtelierFrankfurt durch Bereitstellung von bezahlbarem Ateliers
> einen Beitrag zur Ansiedlung von Künstlern.


Ich war die erste vor Ort, weil ich einige Künstler/Kuratoren kenne. Zunächst war ja das Problem mit dem Land. Da habe ich mit Corts mehrmals konferiert. Das hat ja dann auch soso geklappt. Dann war das interne Problem. Auch da habe ich Händchen gehalten. Jetzt gibt wieder Probleme mit dem Brandschutz und mehr - da versuche ich intern Druck auf Nordhoff aufzubauen, dass noch in diesem Jahr Geld fließt. Aber offiziell und parlmentarisch (was auch keiner mitkriegt meistens) ist das alles nicht zu machen.
Ich habe auch unterstützend bei der Schulstraße und dem Standort Allerheiligenstrasse geschafft. Auch beim Raumpool. Auch bei dem Neubau Portikus. Das Problem ist, dass natürlich die Leute das wissen, aber offiziell wird immer Herrn N. gedankt. Das finde ich gemein, aber so ist die Welt. Hinterher entschuldigt man sich dann auch brav.

Erinnern Sie sich an Forsythe? Für den haben wir uns eingesetzt, nicht nur des Tanzes wegen, sondern weil er auch ein Mittelpunkt einer ganzen künstlerischen Szene ist.

Das Problem liegt auch sicher daran, dass offizielle Stellen sich wenig um diese Themen kümmern. Aber Die Grünen schon. Seit 30 Jahren trinke ich regelmäßig mit Künstlern mein Bier - spannende Diskusssionen eingeschlossen. Eher deswegen, als wegen des Biers.

> Vielleicht geht es ja ohne Künstler.

Polemik!

> Man kann ja beinahe alles
> importieren. Derzeit erreichen mich immer wieder Nachrichten über die
> Vermarktung der sog. "Region Rhein-Main". Welche kulturelle
> Eigentümlichkeit da vermarktet werden soll, bleibt mir schleiherhaft.


Die Rhein-Main-Region ist deshalb wichtig, weil die jetzige Verfaßtheit (Stadtgrenzen) nicht mehr der Wirklichkeit entspricht. Und die Kernstadt Frankfurt fürs Umland mitbezahlt. Da muß was geändert werden. Dauert aber noch.

> Ohne das speizifisch Eigene, was die lokale Kunst darstellt, kommt mir
> das vor als wollte man sagen, Bordeaux sei ein Gebiet, berühmt für
> californischen Wein.


Und was wäre "spezifisch Eigene von "lokaler Kunst"? Wo gäbe es das?


> Mir ist bislang nicht aufgefallen, daß irgendwelche Künstler aus Berlin
> zuziehen. Da würden mich schon ihre Motive interessieren.

Das höre ich von anderen Künstlern, das Kollegen wieder zurückkämen.Berlin sei überlaufen und hat ja auch nicht mehr Sammler oder Atelierräume oder Ausstellungen für alle. Das Nachtleben ist sicherlich vielfältiger.

Herzliche Grüße

Re: Warum sollten Künstler in Frankfurt bleiben? III

26. February 2006 - 23:41

sie sind ein pendant.

Re: Warum sollten Künstler in Frankfurt bleiben? III

26. February 2006 - 22:41

Es gibt Spaßvögel, denen fällt nichts besseres ein, als einen Artikel mit zwei minimalen Änderungen zu kopieren. Da reichts, es als Kommentar zu posten. (stbeck)

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Was sagen nun die Frankfurter Parteien auf meine Frage. Warum sollten KünstlerInnen in Frankfurt bleiben?

Zu diesem Zweck habe ich eine kurze Email an Parteien geschrieben, die zur Kommunalwahl antreten:

Sehr geehrte Damen und Herrn,

ich schreibe Ihnen aus Anlass der Kommunalwahl in Frankfurt.

Vor 15 Jahren bin ich als Gender und New Media Artist nach Frankfurt gekommen. Zu einer Zeit als der Kulturetat noch gigantisch war, und an allen Orten Aufbruchsstimmung herrschte.

Davon ist rein gar nichts mehr zu verspüren.

Mittlerweile wird im Kreise meiner Kollegen nicht mehr diskutiert, ob man nach Berlin gehen sollte, sondern nur noch wann.

Was soll ich den Kollegen sagen? Was ist Ihre Meinung dazu? Warum sollten KünstlerInnen in Frankfurt bleiben?

Über Ihre Ideen und Vorschläge würde ich mich sehr freuen. Vielleicht könnte ich mich dann entschließen Ihnen meine Stimme zu geben.

Mit freundlichen Grüßen

Beate Zurwehme




Im folgenden dokumentiere ich die bislang eingegangenen Antworten in Form von Kommentaren.


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