Im Antragsformular A1 der Stiftung Kunstfonds kommt der Begriff Homepage nicht vor. Ebenso wenig bei der Hessischen Kulturstiftung.
Gegeben, es handelt sich um bedauerliche Ausnahmen, die Probleme mit der Rezeption von Internet fangen erst an.
Technische Schwierigkeiten
Ist die Internetseite zur Zeit der Jury-Sitzung erreichbar? Funktioniert die verwendete Plattform, sind Browser und Auflösung kompatibel, werden spezielle Plug-Ins wie Flash oder Java benötigt?
Das ist nicht einfach, aber sicher lösbar.
Konzeptionelle Probleme
Ob bei Projektion oder Betrachtung am Bildschirm, ist eine Internetseite eigentlich für eine Gruppenbetrachtung tauglich? Ist Internet nicht ein eher intimes Medium, das dem Benutzer "face to face" gegen übertritt?
Ist Internet überhaupt zur bloßen Betrachtung geeignet, so wie man einem Bild an der Wand begegnet? Ich denke Nein.
Internet ist von jeher davon geprägt, dass es kein Display sondern ein Interface ist. Das von den Benutzern (Inter)Aktion verlangt. Und diese das schließlich auch erwarten.
Die Übergänge mögen fließend sein, aber die erfolgreichsten Seiten im Netz sind alle "actionorientiert", - sei es eBay, Amazon, oder die großen Communities wie MySpace oder FaceBook. Sie leben davon, dass ihre Benutzer in dem Medium involviert sind. Selbst, wo sie Betrachtung (Fotos) anbieten, dienen sie nur dazu Engagement zu stimulieren. (zB einen Kommentar schreiben).
Zu Teilen verweigern sich die Seiten auch der Betrachtung, wenn sie den Benutzer zwingen sich anzumelden, wenn er ein bestimmtes Profil sehen will. Etwa bei FaceBook.
Konsequenzen für die Jurierung von Kunst im Internet
Die Idee Internetseiten mit einer Ästhetik des interessenlosen Wohlgefallens zu begegnen, ist überholt.
Idealerweise müsste die Jury dem Engagement folgen, das eine Internetseite von ihr verlangt. Eine Jurysitzung als zeitlich punktuelles Ereignis wäre wahrscheinlich nicht mehr möglich.
Die Institutionen müssten in Zukunft eigene Basen im Netz bilden, die über die bloße Repräsentation einer Homepage hinausgingen. Etwas als FaceBook Group. Von ihnen aus wäre ihnen nahe gelegt, sich mit dem Bewerbern von Förderung in einen Austausch (Mutualität) zu begeben, in dessen Folge eine Entscheidung gebildet werden könnte.
Wie dieses Verfahren genau aussehen könnte, ist noch unbekannt.
Da Maximalforderungen in der Regel Zeit brauchen, bis sie verwirklicht werden können, wäre eine Art Roadmap zu entwickeln, die einen Weg von Zwischenstationen skizziert. Von der bloßen Betrachtung bis zur Ausbildung vollständiger Mutualität.
Euer Wort
Ich habe mich hier bewusst kurz gefasst.
Von Euch hätte ich gerne gewusst, ob und welche Erfahrung Ihr mit der Beurteilung Eurer Internetseiten habt.
Wie sollte Eurer Meinung nach in Zukunft Kunst im Internet begegnet werden?


