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Die Zeit des Internets

08. April 2006 - 16:54

Die Zeit des Internets gleicht eher einem räumlichen Kontinuum. Einem Sowohl-als-auch als einem Hintereinander.

Für Kunst im Internet ergeben sich daraus andere Konsequenzen als für alternative Kunsträume.

Während das Fernsehen von einer linearen Abfolge bestimmt ist, die jede Minute Vergänglichkeit produziert, besteht im Internet selten die Möglichkeit etwas zu verpassen.

Das Fernsehen erfordert bestimmte Maßnahmen, um es anzuhalten (also z.B. Videorekorder), das Internet solche, um es voranzubringen, in Bewegung zu setzen. In Tagesräumen gemessen fordert das Internet kaum die Notwendigkeit einen fixen Zeitpunkt einzuhalten. Man stelle sich vor, man könnte seine Mail nur jeweils zur vollen Stunde abrufen.

Über grössere Zeiträume hingegen findet sich auch im Internet Vergänglichkeit. Innerhalb von zwei Jahren ist etwa die Hälfte aller Internetseiten nicht mehr zugänglich, haben Forscher herausgefunden.

Was die Kunst angeht, so ist die Zeit im Internet dennoch eine andere. Museen und Galerien können es sich durchaus leisten, eine Ausstellung ein, zwei oder drei Monate zu zeigen. Im Internet wäre das kaum möglich. Wahrscheinlich muß eine gute Internetseite wenigstens täglich aktualisiert werden, um auf Dauer attraktiv zu bleiben.

Die Zeit im Internet ist zwar gekerbt (um einen Ausdruck von Deleuze/Guattari zu verwenden), aber kaum fixiert (zwar jeden Tag, aber nicht notwendigerweise genau um 16:00 Uhr). Die Zeit traditioneller Kunst ist hingegen glatt, aber punktuell. Vernissagen haben ihre bestimmten Zeiten, wie auch die Türen, die Einlass gewähren oder verweigern.

Die Kunstförderung trägt dem nur selten Rechnung. In meinen zurückliegenden Politikerbefragungen erfuhr ich u.A. die Künstler sollten zeitlich befristete Projekte beanstragen, statt nach institutioneller Förderung zu streben. Die Projektförderung unterstützt aber den Zeitgedanken einer punktuellen Kunst. Ganz viel auf ein Mal. Das Internet verlangt aber nach stetiger und andauernder Unterstützung.

Nach meiner Erfahrung entwickelt eine Arbeit im Internet erst über Jahre eine gewisse Wirkung. Die Vorstellung eines Projektes, als eines zeitlich abgegrenzten Vorhabens steht dem entgegen.

Instanzen der Vermittlung wie Festivals (Ars Electronica) kommen daher der spezifischen Wirkungsweise des Internets wenig entgegen. In ihrem punktuellen Character zwingen sie dem Medium einen Aha Effekt ab, erwarten Schock Wirkung. Das ist aber eher Fernsehen/Video eigen, als dem Internet.

Das Internet ist einem Blutkreislauf vergleichbar, der seine Funktion verlöre, wenn sein Antrieb nur kurze, heftige Stösse von sich gäbe. Ruhig und stetig muss er vor sich gehen.

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1 Kommentar

Re: Die Zeit des Internets

09. April 2006 - 01:27

bla bla


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