Ich glaube, das hängt mit dem Status von Fotografie zusammen. Während Video und Musik (mp3) den Mainstream vollständig beherrschen, besitzt das Foto eine Existenz zweiten Ranges im öffentlichen Bewußtsein.
Bilder, Fotos sind überall, beherrschen den öffentlichen Raum als Werbung. Lassen sich auch durch kurze Beschreibungen evozieren. Wie Michael Schirner einmal in einer Kampagne demonstriert hat: "Ein NVA Soldat springt über frischen Stacheldraht in den Westen Berlins." "Der Polizeichef von Saigon erschiesst einen Vietcong."
Diese Bilder sind bekannt, gespeichert, ohne daß sie explizit vorhanden sein müssten in einer Galerie, einem Museum. Aber wir kennen ihre Urheber nicht. Fotografen sind uns als Künstler in der Regel nicht geläufig.
Video, als Abkömmling des Films, und Musik werden bei ihrem Erscheinen in den Massenmedien in aller Breite angekündigt, kommentiert und kritisiert. Musik hat seit Ewigkeiten Charts, Video MTV und Film die Oscars und entsprechenden Festivals. Ihre Protagonisten werden als Stars vermarktet und ebenso konsumiert.
Fotografie ist immer da, wird aber nie als solche explizit angekündigt. Besprechungen von Fotografie findet fast nur in Fachzeitschriften statt. Fotografie als Kunst ist trotz aller Aufwertung eine Nische für Kenner.
Es gibt eine Fotoindustrie, wie es eine Filmindustrie und eine Musikindustrie gibt. Aber sie ist mitten unter uns. Ist quasi Alltag. Jeder knipst.
Bliebe als Annahme zurück, der Wert eines Mediums ist durch die Erwartungen bestimmt, die sich aus seinem Gebrauch erwarten, erhoffen lassen. Mein Ruckelvideo auf YouTube, ich schliesse zu David Lynch und Quentin Tarantino auf. Mein Heimgesang auf myspace.com, ich bin die neue Kylie Minogue. Beides zusammen katapultiert mich auf MTV.
Das ist mit Fotografie nicht möglich. Oder noch nicht? Viele Freunde und Clicks sind auf flickr realistisch. Zum Star reicht es aber nicht.


