Unser heutiges Objekt heisst: Hanauer Landstrasse
Anlaß ist eine ca. 50 Seiten starke Brochüre mit dem Titel "eastside". Darin werden neuste Immobilenprojekte auf der Hanauer Landstrasse beworben. Wie immer in einem netten Mix aus Kunst, Kultur und oberherzlichen Einkaufstips. Neu ist das nicht.
Anlass dieses Thema überhaupt nochmal aufzugreifen, ist daher ein kleiner Geschichtsabriss über die Entwicklung der Gegend. Zu lesen ist da im Abschnitt "1980 - 1990":
"Die Künstler kommen. Anfang der achtziger Jahre entdecken sie die leer stehenden, vom Verfall bedrohten Lagerhäuser und Fabriken an der Hanauer. Die Kreativen, Werbeleute und PR-Spezialisten, folgen ein paar Jahre später. Ein neuer Aufschwung beginnt."
Gentrification pur. Und wo sind die Künstler jetzt? Davon ist in den folgenden Seiten nicht ein Wort mehr zu lesen. Wenn "Kunst", dann nur noch in Bezug auf Galerien (dettererneffadlertolksdorfusw).
Im Juli 1995 hatte Annette Gloser ihre "Galerie Fruchtig" parallel zu den Gleisen des Güterbahnhofs (Südliche Zufuhrstrasse 127) eröffnet. 1996 folgte Hans Romanov mit seinem "Ostklub". Damals war die Hanauer noch eine dreckige, staubige, nichtssagende Ausfallstrasse.
Wäre es von Seiten der Investoren vielleicht einmal möglich, diesen Pionieren für ihre Leistungen zu danken? Herr Goldman ist ja schon verdächtig nah an einem Verdienstorden, dafür, daß er Studenten der HfG Offenbach Flächen überlässt, die er sonst nicht vermieten kann.
Mir läge daran, wenn sie wirklich zusammen mit den Künstler ihre Projekte entwickelten, statt planlos hinter ihnen herzuziehen. Aber ein Denkmal für Annette Gloser würde mich auch schon zufrieden stellen. Am Besten mitten auf dem Unionsgelände.
P.S.
Die Verlagerung eines Schwerpunktes auf "Kreative, Werbeleute und PR-Spezialisten" hat nicht nur auf der Hanauer stattgefunden. Auch mitten in der Frankfurter Innenstadt. Ihre "Agenturen" heissen "MMK", "Schirn" oder "Kunstverein".

