Schirn oder Familie Montez?
Wir hatten kürzlich auf der Thing Mailingliste eine erfrischende Diskussion, die um die Idee kreiste, Defizite in der Finanzierung Frankfurter Kultur (namentlich Offspaces und freie Projekte) durch Sparen am Bau von Autobahnen auszugleichen.
Keinesfalls dürfe innerhalb des Kulturetats umgeschichtet werden.
Da fand mein Vorschlag, Schirn und Kunstverein Familie Montez wären in etwa gleich, weswegen sie auch gleich finanziert werden sollten, wenig Gehör.
Drastischer drückte sich noch ein Bekannter aus, der einen Ausgleich zwischen beiden Institutionen als "kompletten Blödsinn" bezeichnete.
Ich möchte daher mein Argument hier wiederholen.
Schirn und Familie Montez sind deswegen gleich, weil sie auf der gleichen Funktion beruhen.
Wenn ich ein Programm schriebe, das beide zum Ergebnis hätte, so müsste das wie folgt gehen:
Irgendwo da draußen (außerhalb der Institution) gibt es schon Kunst. Sie muß nur entdeckt, bewertet, eingeordnet und herbei geschafft, - in weiterer Folge präsentiert und vermittelt werden.
Genau das leisten sowohl Schirn, wie auch Familie Montez. Jede auf ihre Weise.
Sicherlich macht die Schirn bessere Ausstellungen. Besser im Sinne von besser durchdacht, genauer recherchiert, vielfältiger präsentiert, umfangreicher dokumentiert, weiter kontextualisiert und so fort.
Aber nichts im Bauplan der Schirn weist darauf hin, daß die Schirn mit Notwendigkeit bessere Ausstellungen machen müsste als Familie Montez.
Der Unterschied ist bloße Skalierung. Mit einem Jahresetat von über 3 Mio. Euro ist es nicht weiter schwer entsprechendes Personal zu beschäftigen, gediegene Räumlichkeiten auszuhalten und weitläufige Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben.
Wenig schlüssig ist auch das Argument, die Schirn würde durch ihre Größe erst auf Kunst aufmerksam machen und somit Kunst überhaupt garantieren, in deren Folge Projekte wie Familie Montez erst existieren könnten.
Das ist nicht das Verdienst der Schirn, denn sie borgt ihren Kunstbegriff nur aus oben beschriebener Funktion, wie es fast alle Institutionen des Kunstbetriebs machen, Galerien, Kunstvereine, ebenso wie On- oder Offspaces.
Mithin, die finanzielle Ausstattung der Schirn ist reine Konvention.
Es ließe sich noch vorbringen, eine Stadt wie Frankfurt bräuchte eine derartige Institution, wie sie auch nach einer Festhalle, Messe, Oper und einem Großflughafen verlangte.
Das spricht auch nicht für die Schirn. Denn die Funktion einer Zentralgalerie könnte auch jemand anders übernehmen. Meinetwegen eben Familie Montez.
Warum also nicht in der Finanzierung halbe halbe machen?
P.S.
Genau weil der Unterschied zwischen beiden Einrichtung rein konventioneller Natur ist, wäre Familie Montez gut beraten, sich von einem Kunstbegriff zu verabschieden, der besonders Großinstitutionen zugute kommt. Die Sommerateliers waren ein erster Schritt dazu.
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Im Web:
--> www.schirn-kunsthalle.de --> www.montez.de
Einige Beispiele aus der Mailingliste:
--> moblog.thing-net.de/post.php/5871
--> moblog.thing-net.de/post.php/5873
--> moblog.thing-net.de/post.php/5875


