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Einzelausstellungen in Frankfurt

02. July 2012 - 17:35

Die folgende Diskussion trug sich im Juli 2011 auf der Facebookseite von Thing Frankfurt zu. Künstlerin H. zeigte sich zunehmend genervt von dem Angebot (und Anspruch) von Thing Frankfurt Kunst diskursiv und partizipatorisch zu entwickeln. Künstlerin A. schlägt ihr als "Alternative" Einzelausstellungen in Frankfurt vor.

H: Bin sehr frustriert von "Künstlergruppen" die nur quatschen wollen und reflektierte problembezogene Kunst ausschließen, die nicht aus diesen Gesprächs- und Verhandlungskreis "kollektiv" erwachsen ist. Der Künstler als solcher wird dabei demokratisierend aufgelöst. Dieses Phänomen gibt es schon ewig, schon vor den 68ern in den Klöstern.
22.07.2011 16:15

H: der Künstler als Gefahr, solange er keinen klaren Zweck verfolgt...
22.07.2011 16:16

F: Klingt doch nach typischen gruppendynamischen Prozessen, denen man auch bei tausend anderen Themen begegnet. Was verstehst du unter problembezogener Kunst? Aus persönlichen gründen kriege ich schon Pickel,wenn ich das Wort Gruppendynamk nur höre...
22.07.2011 16:18

H: Problembezogen eben, wenn es um ein Problem oder Thema gehen soll, was ein Künstler für sich schon bearbeitet hat und dann wirft die Gruppe das Thema auf und will es kollektiv behandeln, oder auch gerne problembezogen insofern der Künstler das Problem der Demokratisierung in einer Gruppe thematisiert - eigentlich meinte ich ersteres aber zweiteres ist interessanter. ich krieg auch Pickel bei sowas...
22.07.2011 16:20

F: ich versteh ehrlich gesagt zwar nicht, warum Demokratisierung in einer Gruppe ein Problem darstellen soll, ausser dass für mich derjenige, der das dann thematisiert für diese klugscheisserische Idee eine auf die 12 bekommen sollte! :-) als Soundtrack hierzu empfehle ich den Blue Yodel für Hernert Wehner von fsk! :-)
22.07.2011 17:20

F: http://youtu.be/CNDV9uMG7Sg
22.07.2011 17:21

H: mein Problem ist nur, daß so viele alternative Kunsträume, auf Gruppendynamik machen, ich kann meine Kunst nicht ausstellen, wenn sie fertig ist. Die wollen immer alles gemeinsam entwickelt haben. Das nervt! Zu dem Problem der Clickenpolitik kommt jetzt auch noch die Gruppenkunst. Wenn das so weitergeht kann ich gar nix mehr machen, dann sitz ich nur noch da und lass mich benutzen, wie im Puff! Ich wünsch dir viel Fantasie, aber neues Leben - neues Glück?
23.07.2011 11:12

A: Hallo H., ja leider leben wir in einer Zeit der absoluten Künstlerschwemme. Komm doch wieder nach Frankfurt. Hier kannst du auch alleine ausstellen. Wir sind einfach zu wenige, um Gruppen zu gründen, und die alternativen Kunsträume haben jede Menge Platz Einzelshows zu präsentieren und werden auserdem in solo geführt. Jetzt schafft auch noch Offenbach Platz! Soviel können wir paar Künstler hier gar nicht produzieren, dass das alles genutzt wird.
23.07.2011 12:20

F: Daneben gibt es weitere gute Gründe nach Frankfurt zurückzukehren. Ich hoffe, ich kann irgendwann auch wieder zurück...
23.07.2011 12:25

H: Gehn so viele weg von Offenbach und Ffm...? Ich find Gruppen ja ok, nur sollen die den Künstlern doch nicht wie in der Schule die Themen und die Herangehensweise vorschreiben, das ist total didaktisch! Ich bin doch schon erwachsen und such mir selber raus was mich interessiert und wenn noch jemand dazu kommt und das Ergebnis meiner Wühlereien diskutieren will, gut, aber ich kann keinen Gedanken entwickeln, wenn permanent jemand dazwischen quatscht. Dieser Trend ist aber soweit ich weiß auch in Ffm angekommen! Ich überlege gerade wie die Partizipation, und Demokratisierung und auch einwirken in die Politik durch Kunst irgendwie sinnvoller ablaufen kann. Tut mir echt leid, wenn sich Frankfurt totläuft... hätt ich jetzt gar nicht so gedacht!
23.07.2011 12:45

H: F., warum gehst du nicht zurück - du machst doch nen Computerjob, den findest du doch garantiert auch in Ffm! Ich hab nen ok Job bei O. in Berlin und hab auch zarte Bande geschlossen mit guten Kuratoren, so hoffe ich das im lauf der Zeit vertiefen zu können und hab keinen wirklichen Grund weg zu gehen...
23.07.2011 12:46

F: Ich arbeite im Weiterbildungsbereich und da sieht es ziemlich schlecht aus weil vieles von öffentlicher Förderung abhängig ist. Habe gerade erst nen neuen Job hier bekommen, nach über einem halben Jahr ohne jedwede Resonanz auf Bewerbungen. Auch muss ich erstmal wieder meine Finanzen einigermaßen in den grünen Bereich bekommen...und....und...und. Insofern wird das erstmal nichts. Aber ich hab mir vorgenommen wieder regelmäßig zu besuch nach Ffm zu fahren.
23.07.2011 13:50

H: Ich bin seit 5 Jahren in Berlin und war bestimmt seit 3,5 Jahren nicht mehr in Ffm... ist irgendwie gruselig sich eine Rückkehr vorzustellen, weil sich ja auch die Persönlichkeit entwickelt hat und alles ist ganz anders als früher- hm.
23.07.2011 14:51

V: @A, findest du es wirklich so leicht, in Rhein-Main Ausstellungsräume zu finden? Platz gibts vielleicht schon, aber doch immer auch jemanden, der/die am drücker ist, und bestimmt, was ausgestellt wird.

... ach, wahrscheinlich bin ich nur neidisch, weil ich nicht am drücker bin. bzw. mich nicht so fühle. ;)

DENNOCH würde ich mir wünschen, dass dieses SCHWARZE LOCH berlin bald mal seine Ansaugkraft verliert. Kulturschaffende braucht doch dort wirklich keine/r mehr ;)

@H: welche Künstlergruppen meinst du denn ;)

... also, ich für meinen Teil mach jetzt Zeichnungen. Und zwar ganz intuitiv. Aus dem Bauch heraus (*quelle affront!*). Und es ist mir egal, ob das jetzt Kunst ist. Oder illustration. Oder sonst was.

Denn: auch ich bin "schon erwachsen und such mir selber raus was mich interessiert". Und Dogmatismus und Papsttum mag ich gar nicht.
23.07.2011 18:11

A: Hier in Frankfurt kommt einfach jeder mal oder immer wieder dran zum Ausstellen. Das ist hier überhaupt kein Problem, wenn man ab und zu mal auf Vernissagen geht und etwas produziert. Ob das dann auch zu einer Karriere reicht, ist natürlich nicht darin enthalten.
23.07.2011 18:26

A: und bei H. versteh ich jetzt das ganze Gejammere auch nicht mehr, hört sich doch gut an. Glückwunsch und weitermachen!
23.07.2011 18:29

H: Ich erfahre eben, daß sich "Essays and Observation" in Berlin de-autorisiert verhält und deshalb nur kollektiv Arbeiten entwickelt und ausstellt. Ähnliche tendenzen tun sich bei Thing [Frankfurt] auf. Obwohl es interessant sein könnte, sich auszutauschen, besteht das Dogma, die fertigen eigenständigen Arbeiten stünden nicht zur Diskussion, und Ausstellungen derselben wären gegen den Kodex. Alles soll als Entwurf der Gruppe sich im ewigen Prozess und Austausch befinden. Das nervt mich, und ist vermehrt der Common Sense der alternativen Kunstszene! Ansonsten bin ich weit entfernt mein Nest gefunden zu haben, und Ausstellungsbeteiligungen sind immernoch rahr. Bin gerade dabei das alles zu durchdenken und meine position zu finden.
23.07.2011 18:35

S. @A., das ist ja kolossal! Ich hätte nie gedacht, daß Frankfurt mal für "Einzelshows" stehen könnte. Darf ich Dich diesbezüglich zitieren?
23.07.2011 18:47

* * * * * * * * * * * * * * * *

Die Diskussion stellt zweierlei heraus:

Eine bislang nicht gekannte Aversion gegen Gruppenprozesse in der Kunst, sowie als "Heilmittel" gegen solche, die gutbekannte Einzelausstellung, die angeblich noch in Frankfurt durch alternative Kunsträume gepflegt wird.

Einerseits: sind kolletive und diskursive Verfahren in der Kunst wirklich so allgegenwärtig, wie Künstlerin H. behauptet? Ich kann dergleichen nicht feststellen. Wo es sie geben sollte, stellen sie m. M. eher ein Randphänomen dar.

Anderseits: Frankfurt als Hort und gar Reservat von Einzelausstellungen. Einem wenigstens theoretisch überkommenem Modell der Kunstvermittlung. Das habe ich immer vermutet. Aber nie für möglich gehalten, daß sich eine Vertreterin der Szene mit langjähriger Erfahrung in der Praxis alternativer Kunsträume sich so dezidiert dafür ausspricht.

Verkehrte Welt. Während der Beitrag der Künstlerin H. immerhin anerkennt, daß es Alternativen zur klassischen Kunstausstellung gibt, formuliert Künstlerin A. die Ausstellung ihrerseits als (Retro)Alternative zu weitaus avancierteren Modellen.

Komm zurück nach Frankfurt. Hier kanst Du noch Künstler*in sein, wie vor 100 Jahren. Zieht diese Werbung?

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