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kleiner multitrudicolognischer versuch zu 'auf sich achten'

25. February 2007 - 19:58

gerade in der grossen stadt muss man auf sich achten. aber was heisst das ueberhaupt? sprachkonstruktionen mit 'auf sich achten' kann man im hinblick auf die beteiligten, wenn bestimmte allgemein zugestandene oder hinreichend offensichtliche bedingungen erfuellt sind, auf mindestens zwei bis drei prominente arten interpretieren. betrachten Sie dazu bitte das folgende beispiel.

Edi und Max achten auf sich

a) Edi und Max achten auf sich als (teil einer) gruppe [reflexiv]

a') Edi und Max achten jeweils auf sich [reflexiv' (distributiv)]

b) Edi und Max achten auf einander [reziprok]


die reziproke lesart b) ist in der naehe des transitiven 'auf jemanden/etwas achten', wobei transitives 'auf jemanden achten' im wesentlichen unterschied zum reflexiv/reziproken 'auf sich achten' in keiner weise selbstbezogenheit oder gegenseitigkeit ausdrueckt. In der reziproken lesart achtet Edi auf Max und Max auf Edi, und das schliesst wohl ein, dass sie einander auch irgendwie achten. auch reflexives 'auf sich achten' schliesst achtung ein. das geschlecht von Edi oder Max spielt dagegen ueberhaupt keine rolle, und auch nicht ihre sexuelle orientierung oder ihre vorlieben.

man achtet in der regel nur auf etwas, das eine gewisse eigenwilligkeit aufweist oder wenigstens unberechenbarkeit. das sind in der regel personen, aber auch tiere, natur ueberhaupt, bestimmte maschinen und institutionen. alles andere ist irgendwie zu langweilig und/oder ungefaehrlich, als dass man, mit etwas kultur und vernunft ausgestattet, darauf achten wuerde.

mit 'auf sich achten' ist keine schwule (selbst)anmache oder aengstliche aufeinanderaufpasserei gemeint. wenn man sich gedanken um die erscheinung oder die gesundheit macht, das faellt schon unter 'auf sich achten'.

neulich hat ein freund mit nun eingetretenem effekt zu mir gesagt, ich achte nicht gut auf mich. was 'gut auf sich achten' ueber 'auf sich achten' hinaus bedeuten koennte, steht hier allerdings nicht zur debatte. weitere fragen bleiben unbehandelt: was kann man dulden, wo kann und will man mitmischen, was wollen, welche muni? es stimmt wahrscheinlich, dass die achtung anderer mit der achtung fuer sich und dem achten auf sich an sich steigt.

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2 Kommentare

Re: kleiner multitrudicolognischer versuch zu 'auf sich achten'

stbeck - 26. February 2007 - 14:15

1. kleine aufmerksamkeit, noch nicht ganz eigen

Achtung ist ein Resultat von Aufmerksamkeit, von Beachtung. Geachtet wird die Übereinkunft mit dem Inhalt, der aufmerken ließ und der hierdurch zu einer Beziehung wurde. In der gegenseitigen Achtung wissen Menschen voneinander und beachten auch ihre Unterschiedlichkeiten und Verletzlichkeiten, respektiern wechselseitig ihre Selbstachtung, um für sich nicht beschädigt zu werden. Stolz ist das Gegenteil von Achtung, eine durch nichts begründete Einforderung, Achtung als Anerkennung für nichts zu bekommen. Im Unterschied zur Würde ist Achtung unmittelbar und geschichtlich, also der Begriff einer bestimmten Beziehung.

http://www.kulturkritik.net/begriffe/a.html

Re: kleiner multitrudicolognischer versuch zu 'auf sich achten'

08. October 2007 - 19:26

was die Pfizers zu `auf sich achten' schreiben (lassen) ist falsch. Man muss, was die angepassten monster unter schizophrenie abzutun versuchen, gerade ohne die familie mit sich und den anderen abmachen, vielleicht mit einer neuen familie


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