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Die Freiheit, die Herr K. meint

16. September 2005 - 08:58

Ebenfalls aus gegebenem Anlass (und wenn man so will, passend zur auf der TT-Liste geführten Liberalismus-Debatte) noch ein kleiner Sinnspruch für den Tag (die nächsten Tage und - mit ein bisschen Pech - auch noch die nächsten Jahre)...

Eine im wahrsten Sinne des Wortes Denkhorizonte eröffnende Bemerkung zum Thema "Freiheit" stammt nämlich aus einem Interview, welches Herr. K., a.k.a. "Der Professor aus Heidelberg" (Herr S., den derzeit allgemein mal wieder sehr beliebten Anti-Intellektualismus wie so oft toppend, aber offensichtlich in Unkenntnis darüber, dass der vermeintliche Gegner mindestens in diesem Punkt voll und ganz seiner Meinung ist) der ZEIT [1] gegeben hat.[2]


Wo ziehen wir die Trennlinie zwischen Statusgleichheit aller Menschen und Freiheit? Ich entscheide mich im Zweifel für die Freiheit. Der eine arbeitet Tag und Nacht und wird reich an Geld, der andere philosophiert Tag und Nacht und wird reich an Gedanken. Dieser Unterschied soll sein. Wer ihn nicht erträgt, erträgt die Freiheit nicht



Aber bitte nicht zu lange drüber philosophieren. Sonst bleibt heute abend womöglich die Küche kalt.


Ausgeworfene Anker:

[01] http://www.zeit.de (Ausgabe Nr. 37/2005)

[02] http://www.zeit.de/2005/37/Wahl_Interview?term=Kirchhof

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7 Kommentare

Re: Die Freiheit, die Herr K. meint

stbeck - 16. September 2005 - 15:10

Wie es der der Herr Kirchhof formuliert, mag es vielleicht theoretisch richtig und ansprechend sein.

In der praxis sind die gedanken/philosophie eine ware, wie umgekehrt arbeit/geld gedanken sind.

Wahrscheinlich hat der Herr Kirchhof nie Bourdieu gelesen (siehe "homo academicus").

Als ehemaliger Staatsrichter und Staatsprofessor hat er gut reden.

Wie wäre es mal den unten angesprochenen Beuys zu bedenken, der mit seiner Free International University Bildung aus der Obhut des Staates befreien wolle.

Re: Die Freiheit, die Herr K. meint

miss.gunst - 17. September 2005 - 12:05

theoretisch richtig und ansprechend? ansprechend finde ich diese sichtweise auf die dinge wirklich nur im sinne von: aeusserst kommentarbeduerftig.
theoretisch richtig ist sie allenfalls innerhalb eines denksystems, das 'arbeit' nur dann als solche wertet oder anerkennt, wenn sie mit monetaerem gewinn verknuepft ist.
wofuer ich persoenlich uebrigens nicht unbedingt den begriff 'neo-liberalismus' strapazieren wuerde. vorletztjahrhundrig ist das, bestenfalls. dass man die fabel von der grille und der ameise auch etwas anders erzaehlen kann als la fontaine http://www.kinderreimeseite.de/501852935014a8913/501852947a1330703/50442194e80cc2801.html - beispielsweise so: http://www.redlabour.de/forum/showthread.php?t=1434 oder auch einfach so: http://www.marmelock.de/die_Stuecke/Grille/grille.html scheint herr k. nicht mitbekommen zu haben.
[aber dafuer braeuchte es ja auch ein bisschen phantasie. vorsicht: zeit=geldverschwendung!]

Re: Die Freiheit, die Herr K. meint

stbeck - 17. September 2005 - 19:29

nun, ich habe es ja auch weiter kommentiert.

mit "theoretisch richtig" meinte ich es im rahmen des reinen gedankens, der eine welt "da draussen", mit all ihren implikationen nicht zu berücksichtigen braucht.

Ich glaube hingegen nicht, dass das zitat dafür taugt, zu unterlegen, es würde nur arbeit anerkennen, wenn sie mit "montärem gewinn verknüft" wäre.

Eher würde ich sagen, es regt (auch) dazu an, zu überlegen, wie eine arbeit belohnt werden könnte, wenn nicht mit "monetärem gewinn".

Denn es ist sicher nicht erst seit Herrn Kirchhof so, dass gedanken einen markt finden müssen, auf dem sie sich verkaufen lassen.

Re: Die Freiheit, die Herr K. meint

miss.gunst - 18. September 2005 - 11:54

<quote>Ich glaube hingegen nicht, dass das zitat dafür taugt, zu unterlegen, es würde nur arbeit anerkennen, wenn sie mit "montärem gewinn verknüft" wäre.</quote>
<br>
doch, das ist es ja gerade, was die schraeglage dieser haltung ausmacht.
soll ich nochmal uebersetzen? da steht: jeder ist frei, zu entscheiden, was er/sie will. entweder arbeiten und reich an geld werden (aber nicht an gedanken, zum ausgleich gibts dann das geld). oder philosophieren und reich an gedanken werden (aber nicht an geld. dann aber bitte auch nicht jammern, wenn die sozialen unterschiede klaffen, die gehoeren einfach zur freiheit dazu. kann sich ja jede/r aussuchen, wie er/sie es haben will).

sicher wird herr k. auch nicht meinen, es gaebe dann nur die extremen optionen (nur geld/keine gedanken oder eben umgekehrt).
aber der punkt ist doch gerad, wie du sehr zu recht schreibst:
natuerlich haben geanken schon immer einen markt finden muessen. und wenn sie das verabsaeumen, dann laesst sich eben in der tat auch nicht davon existieren.

herr k., fuerchte ich, sieht das aber nicht so. der scheint mir eher ganz ernsthaft an den spitzweg'schen armen poeten zu glauben. und an diogenes in seiner tonne. solche vorstellungen mag man als harmlos abtun, wenn es sich nicht um menschen mit entscheidungskompetenzen in feldern handelt, welche ggf. diejenigen betreffen, die gegenstand dieser projektionen sind. bzw., eigentlich sind sie auch dann noch uebel genug. wenn so jemand dann aber ueber die finanzen dieses landes waltet. das lappt ins gemeingefaehrliche, meine ich.

Re: Die Freiheit, die Herr K. meint

stbeck - 19. September 2005 - 16:02

Ich ergebe mich.

Der Herr Kirchhof hat sich arg weit aufs Eis gewagt. Und ich dachte, ich könnte ihn noch retten. Aber jetzt sehe ich, ich vermags nicht.

Ist wohl nach dem Wahlergebnis sowie so weg vom Fenster. Der Koch hat noch am Wahlabend wieder "Merz" gerufen.

Re: Die Freiheit, die Herr K. meint

jonas - 20. September 2005 - 15:23

k. ist ja nun weg vom fenster, was ich persönlich schade finde. anbei möchte ich noch anmerken das wenn in deutschland von "sozial" und "sozialstaat" die rede ist, i m m e r an einen staat gedacht wird, der das volk finanziell unterstützt. dabei soll dem volk aber möglichst kein aufwand wie z.b. wartezeiten auf dem arbeitsamt, zugemutet werden.
diese einstellung ist leider sowohl weltfremd als auch nicht finanzierbar.
"sozial" könnte aber auch bedeuten, dass sich die menschen und nachbarn untereinander helfen und miteinander wirken, anstatt sich auf das vaterland äh vater staat zu verlassen und immer nur zu fordern.

Re: Die Freiheit, die Herr K. meint

21. September 2005 - 19:47

ist mit "k." laiki gemeint?


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