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'das netz' von Lutz Dammbeck, gesehen von Dietmar neulich im mal sehn kino

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Universities and Airlines attackiert der `freedom club', von der amerikanischen presse personalisiert zum UNA bomber. die zeitzeugen, die Lutz Dammbeck in seinem film `das netz: Unabomber, LSD und Internet' interviewt, sagen zumeist dass Ted Kaczinsky - der angebliche Unabomber - sich disqualifiziert habe indem er Menschen leid zugefuegt hat. man wolle ihn nicht ehren indem man ueber ihn spreche oder gar sein manifest lese. die veroeffentlichung in den grossen zeitungen brachte die anschlaege anscheinend zu einem ende und fuehrte zu Kaczinskys festnahme.

Kaczinsky sei ein kranker irrer sagt John Brockman, publizist, der irgendwie Andy Warhol kannte und viel geld mit dem herausgeben populaerer buecher von populaeren wissenschaftlern verdient hat; sein gesicht hat seltsame gelbe flecken. einem der autoren, David Gelernter, computerwissenschaftler in Yale und guru der virtualitaet, riss eine briefbombe eine hand und ein auge weg. Gelernter wirkt angekommen aber verbittert und bohrt sich den finger in die oberlippe wenn er nachzudenken scheint.
Dann ist da Robert Taylor, der an seinem PC fantasykriegsspiele spielt und von zwei frischfrisierten riesenpudeln und einer asiatischen haushaelterin umgeben ist. in reaktion auf den russischen sputnik war Taylor beauftragt, menschen mit grossen ideen zu finden, die die USA vor einer vergleichbaren ueberraschung durch den kommunistischen feind bewahren koennen. er kreierte mit das ARPA-net, ein netzwerk von radaraufzeichnern, die den luftraum ueberwachten. an den stationen sassen menschen, die mit einer pistole radarsignale registrierten, die gebuendelt und verrechnet wurden nach Wienerschen modellen. die maschinen waren mit aschenbechern und zigarettenanzuendern ausgestattet, kuehl. der naechste (?), Stewart Brant, ist der angebliche erfinder des begriffs `personal computer', er sitzt fuesse auf dem tisch hinter einem bildschirm auf seinem hausboot in einem ehemaligen hippiekaff in Californien, gab den `whole earth catalogue' heraus und hat in seiner jugend viel mit drogen experimentiert. technologie ist gut, wenn wir nur unvoreingenommen damit umgehen und sie allen zur verfuegung steht. die US regierung fuehrt ende der 50er an universitaeten versuche mit hochbegabten im LSD-Rausch durch. auch mit Ted Kaczinsky, IQ 170, spaeter matheprofessor in Berkeley.
Ted Kaczinsky kuendigt jedoch seine lebenszeit (`tenure track', halteschiene) stelle und baut sich in Lincoln/Montana eine huette im wald, in der er ein manifest gegen die postindustrielle technologiegesellschaft schreibt. er schreibt auch minutioes und wissenschaftlich codiert die erfahrungen auf, die er auf seinen trails durch die umgebung macht (seine nachbarn, s.u., haben kopien von einigen aufzeichnungen). als lasse ihn die einsicht, dass die logik immer dasselbe sagt, naemlich nichts, nach den kategorien der erfahrung und der erkenntnis suchen. Heinz von Foerster, ein geifernder 90jaehriger, der Wittgenstein irgendwie aus Wien kannte, lernte nach eigenem bekunden den Tractatus auswendig. satz 5.2.1 (oder 5.1.2?) kann er dann doch nicht zitieren. und sonst? die ableitung geht immer weiter und hat kein ende. aus science wird systemics. Foerster organisierte die Macy-tagungen, an denen fuehrende computerwissenschaftler, physiologen, biogenetiker, mathematiker und soziologen vor allem aus den USA teilnahmen. erklaertes ziel war, den menschen neu zu programmieren zu einem friedlichen weltwesen ohne agressionen. die USA voran, mit Henry A. Murray (direktor der harvard psychological clinic) und statistisch-soziologisch/psychologischen methoden (Theodor (Wiesengrund) Adorno, Else Frenkel-Brunswick, Daniel J. Levinson und R. Newitt Sanfford, 1950: die autoritaere persoenlichkeit. sehr empfehlenswerte lektuere).
auch Foerster hat eine asiatische haushaelterin. politiker und das kapital und ihre berater sind die spitze eines autoritaeren systems, das der grossen mehrheit der menschen grosses leid zufuegt, von gottes gnaden. Orwells problem: wie kann es sein dass wir so wenig wissen, wo es doch so viel information gibt [Chomsky's problem: wie kann es sein, dass wir so viel wissen, wo es doch so wenig information gibt?] die mehrheit der menschen, die einfluss ueben koennte, ergoetzt sich an berichten ueber die galas des kapitals (Michael Jackson) und der Politiker (Wagner: Das Gesamtkunstwerk).
Kaczinsky sitzt bis heute in Florence, Ca im Knast, arbeitet an einer gueltigen version seines manifests und beantwortet briefe, z.B. von Lutz Dammbeck. mathematiker seien in wahrheit kuenstler, sagt er, die eher von blumenwiesen traeumen als von formeln. seine nachbarn aus montana (es sind 2, jagdgewehre lehnen an der wand) sind von seiner schuld voellig ueberzeugt, koennen aber nichts daran aendern dass sie ihn als einen arglosen, vielleicht etwas versponnenen menschen schildern, der gerne seine ruhe hat. es habe eine zweite huette gegeben, in der er seine bomben gebaut haben muss. ein urteil nach regulaerem prozess gegen Kaczinsky gibt es nicht. Er lehnt die strategie seines verteidigers (unzurechnungsfaehigkeit) ab und will einen politischen prozess. Kaczinsky bestreitet, der UNA bomber zu sein, es kommt zu einem `pleas deal'. vielleicht bekiffte studenten? die aufzeichnungen von den experimenten, die an ihm durchgefuehrt wurden, sind verschwunden. anscheinend auch die huette, die auf bestreben von Kaczinskys verteidiger mit grossem aufwand zum prozessort transportiert wurde. bei Kaczinskys verhaftung sind natuerlich jede menge medienleute, wochenlang haben FBI und CIA seine gewohnheiten studiert (fallenstellen, wandern, moehren- und kartoffelanbau, schreiben). der eine nachbar ruft ihn aus seiner huette heraus: `hey Ted!', damit man ihn bequem festnehmen kann. auf den bildern von der festnahme wirkt Theodore John Kaczinsky gelassen. schoenheit der opfer (kleist? hoelderlin?). sein bruder hat ihn in den veroeffentlichten erpresserbriefen erkannt. Kaczinsky klingt in seinen an Dammbeck gerichteten antworten ruhig und ziemlich besserwisserisch - womoeglich gefaellt es ihm irgendwie in Florence.

http://www.t-h-e-n-e-t.com

Lutz Dammbeck, 2005: Das Netz - die Konstruktion des Unabombers. Mit einem Anhang: Die Industrielle Gesellschaft und ihre Zukunft' (Unabomber-Manifest).

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3 Kommentare

Re: 'das netz' von Lutz Dammbeck, gesehen von Dietmar neulich im mal sehn kino

'das netz' von Lutz Dammbeck, gesehen von Dietmar neulich im mal sehn kino - 17. January 2005 - 22:12

Die Hütte des Unabombers als Blechobjekt:

http://www.mossonline.com/product-exec/product_id/30441/category_id/257

notes:
Souvenirs are important cultural objects which can store and communicate memories, emotions and desires. Buildings of Disaster are miniature replicas of famous structures where some tragic or terrible events happened to take place.
Update 31-03-2006
Leider ist der obige Link nicht mehr erreichbar. Andere Objekte aus der Disaster Serie aber schon. Ob die Unabomber Hütte ausverkauft ist? Oder aus dem Sortiment genommen wurde?

http://www.mossonline.com/product-exec/product_id/30435

Re: 'das netz' von Lutz Dammbeck, gesehen von Dietmar neulich im mal sehn kino

'das netz' von Lutz Dammbeck, gesehen von Dietmar neulich im mal sehn kino - 15. January 2005 - 22:08

Alle Fakten über den Una-Bomber hier:

http://www.unabombertrial.com/

Re: 'das netz' von Lutz Dammbeck, gesehen von Dietmar neulich im mal sehn kino

'das netz' von Lutz Dammbeck, gesehen von Dietmar neulich im mal sehn kino - 31. March 2006 - 20:38

Hüttenmusik III

Versuch eines Hörspiels über den Unabomber. Für Plattenspieler und Live Elektronik

www.scratchbeck.net/huettenmusik.0.html

 

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Im Kontext von Thing Book 2004 auch: ›http://www.cms.thing-net.de/artikel201.html‹ (veraltet).


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