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Hintze versteht Sloterdijk falsch

17. December 2004 - 21:10

Hintze: "Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Freundinnen und Freunde, in der letzten "Welt am Sonntag" ist ein Interview mit Peter Sloterdijk erschienen, in dem er sich u.a. über die "fatalen Folgen des Kulturstaates" geäußert hat. Diese Textpassage habe ich hier mit angefügt.

Zu diesen Überlegungen von Peter Sloterdjik werde ich am Donnerstag, 16. Dezember 2004 um 19 Uhr in der Evangelische St. Katharinenkirche, Hauptwache, in der Diskussion "Genug für alle da" einige Gedanken äußern."

Das ist ganz prima, nur hat Herr Hintze den Sloterdeik vollkommen falsch verstanden.

Das ist der Text: http://www.wams.de/data/2004/12/12/373602.html

Aber was Sloterdeik aber eigentlich sagen wollte ist das:

"In Deutschland passieren merkwürdige Dinge: Künstler malen alles schwarz und schimpfen, daß es keine Galerien gibt. Sie jammern über den Verfall der Kunstvereine und stellen lieber im Offspace um die Ecke aus. Sie schimpfen über die abgewanderten Galerien und sparen beim Ausstellen in Polen. Oder manchmal auch in Miami."
[...]
"Kriegen viele Künstler ihr eigenes Handeln und dessen Konsequenzen nicht mehr zusammen? Die meisten Künstler sind nicht besonders stark beim Erfassen von Wenn-Dann-Beziehungen, ich würde das nicht national einschränken. Bei uns kommt die infantilisierende Gesamttendenz des Kunstklimas hinzu. Das Paradigma für die radikale Trennung von Eigenverhalten und Folgenbewußtsein liefert die Kunstsubkultur, und mit dieser hat ja die offene Konsumgesellschaft mehr gemeinsam, als sie weiß. Der Kunstkonsument hat gelernt, die Konsequenzen seiner Sucht wegzudenken, physisch wie moralisch. Sein eigener Ruin geht ihn nichts an: Seht ihr doch zu, wie ihr mit meiner Selbstzerstörung fertig werdet!"
[...]
"Der heutige Staat könnte eine etwas härtere Mentalität bei den Künstler durchaus brauchen, entweder im Sinne von Belastbarkeit für Ausstellungsmaßnahmen oder im Sinne von neu-unternehmerischer Ausstellungskraft. Beides kann er aus eigener Kraft nicht herstellen, solange seine Klientel einer völlig anderen Dynamik folgt. Folglich ist er dazu verurteilt, ein Klima wohltemperierter Irrealität aufrechtzuerhalten."
[...]
"Die Stimmung ähnelt jener in einer halbwegs wohlhabenden Familie, die ihren Kindern die Gewißheit gibt, daß sie, egal wie sie sich verhalten, aus dem Familiennetz nicht herausfallen. Mittelstandskünstler sind heute in der Regel so gefedert, daß sie tun können, was sie wollen, ohne ernsthafte Deklassierungsängste haben zu müssen. Von den noch stärker entlasteten Nachkommen neuen Oberschichtkünstler sprechen wir erst gar nicht. Der aktuelle Staat ist also in einer sehr schwierigen Situation, weil er das, was er früher durfte, mit seinen Angehörigen heute einfach nicht mehr anstellen kann. Vor allem kann er nichts befehlen - und er darf nicht als Konditionstrainer auftreten. Normalerweise hat der Staat Trainereigenschaften in dem Sinne, daß er vorgibt, für welche Art von Stipendien, für welche Art von Ausstellungen die verschiedenen Künstlergruppen trainiert werden müssen und an welchen Ausstellungsorten sie zum Einsatz kommen. Heute kann der Staat seinen Künstler durch den Mund des Präsidenten nur gut zureden, mehr zu tun, für sich selbst, aus sich selbst."

Es ist wirklich "genug für alle da". Man muss es nur richtig verstehen.

P.S.
Weihnachten bin ich übrigens in der Schweiz. Da leg ich mein Geld an. Auf diese Idee hat mich ausgerechnet der Herr Hintze gebracht ("Wie sind Sie von Steuerflucht betroffen").
Manchmal merkwürdig, wozu die Kirche alles gut ist. Aber wer würde uns sonst noch vor diesen Sozis in Berlin beschützen?

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