Forum für Experimentalelektronik

 Posted by: braan on Friday, June 11, 2004 - 09:54

Im Juli 2004 beginnt eine neue Veranstaltungsreihe im Tanzhaus West, Gutleutstraße 294, 60327 Frankfurt am Main. Jeden 3. Mittwoch im Monat, beginnend mit dem 21. Juli 2004, findet dort ab 21 Uhr die Konzertreihe

"Forum für Experimentalelektronik"

statt, die sowohl dem Machen von elektronischer Musik als auch dem reinen Hören und der theoretischen Diskussion vor Ort verpflichtet ist.

Die beiden Initiatoren Guido Braun und Tobias Schmitt versprechen sich einen regen Austausch zwischen den in der Region ansässigen Gestalter experimenteller bzw. elektronischer Musik untereinander, als auch die Ansprache eines breiteren Publikums, das bislang nicht oder nur wenig Zugang zum zeitgenössischen Musikschaffen hatte.

Die Abende bestehen jeweils zum einen Teil aus unterschiedlichen DJ-Sets sowie einer oder mehrerer Live-Performances, wobei ein improvisatorischer Ansatz als Basis für experimentelles, schöpferisches Arbeiten vor Ort in unterschiedlichen Permutationen vorgestellt wird.

Die Notwenigkeit für eine neue, periodische Veranstaltung zeigte sich im Rahmen der Abteilung für Musikerziehung, einer öffentlichen Musikhör-Reihe, bei der einerseits immer mehr Live-Elemente wie Synthesizer und Effekte in die Sets integriert wurden, andererseits sich im Publikum vermehrt Diskussionskreise bildeten, die zum Hören und zum Sprechen über die Musik gekommen waren. Dieser neuen Entwicklung möchten wir mit dem "Forum für Experimentalelektronik" nun Rechnung tragen.

Aktive Mitspieler können sich zwischen 20 und 21 Uhr vor Ort einfinden, um Ihre Instrumente aufzubauen und sich mit der Situation vor Ort vertraut zu machen. Eine Beschallungsanlage und zwei Plattenspieler stehen zur Verfügung, ebenso ein Mischpult, ein iBook und was sich sonst noch finden lässt.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit und freundliche Grüße

Guido Braun, Tobias Schmitt und der ominöse K.B.

Forum für Experimentalelektronik
Tanzhaus West
Jeden 3. Mittwoch im Monat ab 21 Uhr
Gutleutstraße 294
60327 Frankfurt am Main
Telefon: 0172-6737416
E-Mail: guido@objekt-a.com

tanzhaus-west.de/ 
musikerziehung.de/

 

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Forum für Experimentalelektronik | 11 Comments

Comments 11

Re: Forum für Experimentalelektronik
by stbeck on Jun 12, 2004 - 07:49 http://www.stefanbeck.de

Mich würd ja schon noch genauer interessieren, was da anders sein soll gegenüber der Musikerziehung und dem e-lab, was der Tobias schon im Theaterhaus macht? (Und nebenher gibts ja auch die Reihe Frankfurter Frequenzen in dem Dresdner Bank)

Und wie siehts mit der bezahlung der musikanten aus?



Re: Forum für Experimentalelektronik
by Guest on Jun 13, 2004 - 12:41

der grundlegende unterschied ist, dass wir dort die möglichkeit haben, größere lautstärken zu fahren, als es im goto möglich ist. die differenzierung zu anderen veranstalungen wie dem e-lab oder den frankfurter frequenzen soll aus dem offenen charakter, den die abende haben sollen, kommen. wie der name sagt, soll es zu einem forum werden, bei dem unterschiedliche leute am gleichen abend vortragen, sei es von schallplatte, aus dem laptop oder mit instrumenten, um so eine auseinandersetzung und diskussion der musik zu initiieren. es soll eine möglichkeit der begegnung mit musikern, komponisten und interessierten hörern geschaffen werden, bei der nicht die vorbereitete, eingeübte konzertanten aufforderung programmatisch sei, sondern das spiel, das gemeinsame experimentieren, sprich: die beschäftigung mit den musik an sich. es gibt keine gage oder aufwandsentschädigung, die entscheidung, sich die mühe zu machen, muss jeder für sich selbst tragen. ich denke auch, es ist nicht angemessen, diesbezüglich forderungen zu stellen, da der veranstalter, auch wenn er ein paar getränke verkauft, damit gerade mal das barpersonal bezahlen kann; immerhin stellt er ja raum und anlage zur verfügung. sollte sich das zu einem publikumsmagneten entwickeln, kann man sicher über eine gage sprechen, aber ich gehen zunächst nicht davon aus, dass mehr leute kommen werden als zur musikerziehung. das ganze ist ein experiment und wir müssen schauen, wie es angenommen wird, sowohl seitens der musiker als auch seitens des publikums. sollte sich das positiv entwickeln, könnte man sich überlegen, ob man dazu irgendwelche fördermittel beantragen kann.

ich hoffe, damit die ersten fragen halbwegs beantwortet zu haben.

schöne grüße, guido



Re: Forum für Experimentalelektronik
by Guest on Jun 13, 2004 - 08:56

Dann müsste es also eher heissen "forum für laute experimentalmusik"?

es gibt keine gage oder aufwandsentschädigung, die entscheidung, sich die mühe zu machen, muss jeder für sich selbst tragen. ich denke auch, es ist nicht angemessen, diesbezüglich forderungen zu stellen, da der veranstalter, auch wenn er ein paar getränke verkauft, damit gerade mal das barpersonal bezahlen kann; immerhin stellt er ja raum und anlage zur verfügung.

Das ist zwar einsichtig, aber irgendwo auch perspektivlos. Denn, wenns dem veranstalter nichts abverlangt, dann wird er sich auch kaum die mühe machen, eine grundlage zu schaffen, auf der die mitwirkenden (also nicht nur die musiker) bezahlt werden können.

Es ist leider das alte spiel, die, die eine differenzierung schaffen, hier, die musiker, werden nicht bezahlt, während, die, die auch anderswo sein könnten, das barpersonal, ohne umstände bezahlt werden. (wenn auch schlecht)

Im grunde fände ich da ein modell besser, das allen aufwand auf alle umlegt. Das ist ehrlicher. Stattdessen finden so verdeckte rechnungen statt, wie, wir zahlen raum und anlage, deshalb kannst du nichts erwarten. Und auch nicht mitreden, was doch letztens die konsequenz ist.

Beim letztjährigen space place sommerfest hat der Morgenstern meine perfprmance mit der begründung abgebrochen: "Ich trag hier die verantwortung, und ich kann das nicht dulden."



Re: Forum für Experimentalelektronik
by braan on Jun 14, 2004 - 10:49 http://subjektivation.de

lieber herr beck,

ihr hinweis auf das letztjähige sommerfest in ehren, aber das hatte meiner beobachtung nach etwas mit der uhrzeit und der draussen-feier-genehmigung zu tun und nicht mit ihrem vortrag unter qualitativen oder gar strukturellen gesichtspunkten, der ja auch noch gar nicht angefangen hatte.

auch ihre rechnung bzw. argumentation kann ich nachvollziehen, doch haben sie sie nicht bis zum ende gedacht. die finale konsequenz wäre nach ihrer lesart nämlich, dass gar kein event zustande käme. der musiker würde sich verweigern, weil ihm die tauschhandlung raum gegen klang nicht genügte und der veranstalter würde sich anders orientieren, weil er rein betriebswirtschaftlich auf die gesamtbelastung im monat umgerechnet weniger reinbuttert, wenn er den laden einfach zu lässt. eine veranstaltung in einem club von tanzhaus-größe rechnet sich nämlic eigentlich nur, wenn das din rappelvoll ist. und das werden wir mit unserer geplanten musikalischen konsequenz wohl kaum im regelfall ewreeichen können.

wenn ich als musiker sprechen soll, und das muss ich hier, weil ich das machen will, dann ist es mir egal, ob ich bezahlt werde oder nicht. zugegebenermaßen lebe ich nicht von musik, aber ist mein vortrag bzw. mein ansinnen denhalb weniger wert als das eines musikers/künstlers, der ausschließlich von, durch und in seiner kunst lebt?

meine meinung ist eben auch, dass es nicht nur betriebswirtschaftlich, sondern auch distinktiv eine mischkalkulation auf kulturell-systemischer ebene existiert, und meine diesbezügliche these ist: dass das system dieser mixtur auch ursächlich bedarf. auch wenn wir die kultur (sic!) jetzt exemplarisch auf die kleine frankfurter off-szene herunterbrechen, dann existiert diese szene doch auch nur, weil sich viele leute eben im rahmen ihrer persönlichen möglichkeiten und im einklang mit ihren eigenen vorstellungen einbringen; sprich: ihr ding machen.

mein ding ist jetzt, nach dem mit der musikerziehung ein nonkonformes spiel- und hörprogramm initiiert werden konnte, eine neue lücke in form einer spielwiese für diejenigen zu schaffen, die vielleich abseits ihrer eigenen pfade experimentieren mögen und dies aus lust am spiel tun werden, und nicht, um das system der club- und subkulturen in frage zu stellen oder sich ein distinktives stüchen vom bislang hälftig aufgeteilten kuchen der off-neue-musik abzugreifen. ich persönlich will wieder musik machen, und weil ich noch nicht weiss, was für welche und mit wem, muss ich das ausprobieren können. uns weil ich annehme, dass es dem einen oder anderen auch so gehen mag, schaffen tobias und ich nun diesen raum, innerhalb dessen natürlichen (...) grenzen wir experimentieren können.

viele grüße, ihr braan



Re: Forum für Experimentalelektronik
by stbeck on Jun 16, 2004 - 03:31 http://www.stefanbeck.de

lieber herr braan,

letztlich können sie es ja so machen, wie sie wollen, und sehn, ob sie dafür abnehmer finden, so, wie ich mich dafür entscheiden kann, ob ich da mitmachen will, oder nicht.

Ich glaube damit ist die pragmatische ebene weitgehend abgehandelt und bedarf keiner weiteren diskussion.

Ich meine allerdings, dass es hörbar ist, auf welcher strukturellen grundlage solche musik basiert. Wenn ich feststelle, dass doch ca. 90% aller DJ musik auf verhältnissen beruht, die jeder gerechten bezahlung hohn sprechen, so mein ich, die musik klingt auch so, gequält. Oder pseudo-heiter.

wenn ich als musiker sprechen soll, und das muss ich hier, weil ich das machen will, dann ist es mir egal, ob ich bezahlt werde oder nicht. zugegebenermaßen lebe ich nicht von musik, aber ist mein vortrag bzw. mein ansinnen denhalb weniger wert als das eines musikers/künstlers, der ausschließlich von, durch und in seiner kunst lebt?

Das ist bloss eine verschiebung. Wenn sie nicht fett geerbt haben, werden sie irgendwann irgendwem erklären müssen, warum sie geld für ihre arbeit wollen.

Ich meine a) man muss sicher nicht sofort geld für das verlangen, was man macht, aber man sollte sich das als ziel setzen, und wenigstens an einer idee arbeiten, wie man das erreichen kann.

b) mich interessiert halt theoretisch ob dieses projekt sowas wie einem gedanken von open source verpflichtet ist, oder ob es nur beliebige herumwurschtelei (die ja durchaus einem ernsten thema verpflichtet sein kann) ist.

Für den ersten fall würde ich halt verlangen, dass es eine für alle beteiligten offen "buchführung" gibt, die soll und haben mit einander verrechnet. Und nicht so ein implizites, unter vorgehaltener hand gesetztes: 'ich hab den raum und die anlage, also gibts kein geld für euch....' o- ä.
Ich denke, dass man sich schon verfahren ausdenken kann, produktiver mit der situation umzugehen. Nehmen wir als beispiel den eintritt. Mgl.weise ist es schwer für eine derartige veranstaltungen an einem mittwochabend überhaupt oder sogar einen hohen eintritt zu verlangen. Aber man könnte z.b. formulare im internet zum ausdruck anbieten, die jemand mitbringen muss, wenn er/sie keinen eintritt zahlen will. Auf diese weise bindet man das publikum ein. Und wenn das schon eine zu hohe hürde darstellen sollte, dann weiss man auch bescheid.

Was den zweiten fall angeht, erübrigt sich für mich jede diskussion.



Re: Forum für Experimentalelektronik
by Guest on Jun 16, 2004 - 11:29

vollkommen d'accord.

jedoch möchte ich sie bitten, zu berücksichtigen, dass die von ihnen bzw. zuvor von mir beschriebe setzung, was den initiationshandel raum gegen nichtbezahlung anbetrifft, meine ursächliche setzung war und nicht die des hausherren.

vielleicht bin ich auch dahingehend etwas zurückhaltend, weil dieser bereich an veranstaltungen für mich zunächst einmal neuland bedeutet, auf dem ich meine erfahrungen machen will. aber, wie gesagt, das sei zunächst die ausgangsposition.

was die betriebswirtschaftliche transparenz anbetrifft, mache ich mir erst einmal wenig sorgen, denn die sache wird zu beginn, denke ich, einfach recht überschaubar sein.

also lassen sie uns mal die ersten abende durchführen und das, was sich daraus ergibt bzw. was sie beobachten mögen sowie die daraus gewonnenen, neuen einschätzungen erneut diskutieren.

über ihre ganz persönliche teilnahme würde ich mich auf jeden fall sehr freuen, sei sie aktiv oder von der warte des interessierten beobachters.

viele grüße, ihr braan



Protokoll der ersten öffentlichen Besprechung
by Guest on Jul 01, 2004 - 04:33

Am 30.06.2004 fand im Rahmen der "Letzten Drei Stunden" bei mir zu Hause die erste offizielle, konstituierende Besprechung zum "Forum für Experimentalelektronik" statt.

Anwesend waren:

* Norbert Keil
* Pino Grzybowsky
* Tobias Schmitt
* Gernot
* T. Bucalic
* ich selbst

sowie, nach dem Fuszball:

* Thomas Orban
* Ines Streu

Folgende Anliegen und Standpunkte wurden diskutiert und festgehalten:

* Wir müssen noch einmal unseren programmatischen Anspruch formulieren. Dazu zäht:
* Ein Beitrag muss von seinem Verfasser als klare Absichtserklärung formuliert werden können
* Die Beiträge müssen sich mit Musik auseinandersetzen
* Die Länge der Beiträge sollte eine Länge von 45 Minuten nicht überschreiten; als Ausnahme gelten die DJ-Sets zum Ausklang des Abends
* Die Beiträge können auf die Licht- und Raumsituation eingehen, auch Videobeams sind möglich
* Das bestehende Konzeptpapier aus The Thing wird auf Englisch übersetzt (ich)
* Wir machen Flyer zu jedem einzelnen Veranstaltungsabend, ebenso die übrlichen Maßnahmen wie E-Mail, Newsgroups etc.
* Wir haben noch einen Faxverteiler zu den Sendeanstalten und Tageszeitungen / Journal etc
* Die Location Tanzhaus West steht fest
* Der Kleine Club wird als Rückzugsraum offen gehalten, ohne Musik
* Wir müssen uns um ein Aufnahmegerät kümmern, um die Abende zu dokumentieren (Tobias?)
* Zu Lichtsituation und Technik machen wir einen Ortstermin
* idealerweise am Freitag, den 02.07.2004 spätnachmittags oder am frühen Abend
* Ein Grundriss vom Tanzhaus wird hier veröffentlicht und ggf um die technisch / Anschlusssituation erweitert
* Eine Wegbeschreibung sowie der Busfahrplan werden noch hier veröffentlicht
* Wir wollen Fortschritte und Ergebnisse unserer Arbeit in regelmäßigen Abständen einem Review unterziehen, um das Konzept, falls notwendig, zu überdenken, anzupassen oder zu verbessern.

Gastronomie und die technische Betreuung / Auf- und Zuschließen regelt der ominöse KB.


Das Wiki dazu, als Arbeit- und Ankündigungsinstrument findet sich hier:
wiki-institute.com/cgi-bin/twiki/bin/view/Experimentalelektronik/



gestern forum f experimental elektronik
by stbeck on Jul 22, 2004 - 05:54 http://www.stefanbeck.de

Gab der abend anlass zur hoffnung, etwas abseitigere musik fände ein
dauerhaftes heim in frankfurt? Dass es ganz selbstverständlich und beiläufig
wird, solche musik zu hören?

Davon konte ich nichts spüren.

Gut, ich hatte kopfschmerzen, weshalb meine empfindlichkeit einige abstriche
an den kommentar erlaubt.

Ich hatte im vorfeld schon angemerkt, dass ich eine schwierigkeit darin
sähe, dass solche abende an geliehenen orten immer ausserhalb des normalem
programms stattfänden. Besser wäre es, wenn sie innerhalb der üblichen
abende etabliert werden könnten. Ansonsten gibts immer nur ein
spezial-publikum, das solche events zu goutieren vermag.
Leider konnte ich bis jetzt nicht bemerken, dass die veranstalter etwas tun,
um dies abzuändern. Dann bleibts wohl dabei.

Was ich noch vermerkte, war der geringe aufwand, den die veranstalter
machten, dem ort der veranstaltung eine besondere note zu geben. Das war der
spaceplace/tanzhauswest, wie immer, nur mit einem anderen inhalt. Das
entspricht im kunstbetrieb der verbreiteten white-cube einstellung, einen
neutralen background für die kunstwerke zu schaffen. Wurde schon unendlich
kritisiert.

Nun heisst das ganze auch noch forum. Sehr gemeinschaftlich wirkte es dort
nicht. Vielleicht wurde ja noch später diskutiert, obwohl schon der ort
nicht sonderlich anregend dafür wirkt.
Ich würde es begrüssen, wenn die veranstaltungen wenigstens einen
thematischen bogen hätten, der auch im voraus verkündet würde.
So war mir nicht klar, was die drei acts miteinander verband.

Und zuletzt, laptop frontal präsentationen wie von Marc Behrens find ich dem
medium nicht mehr angemessen. Das ist nur sakral.



Re: gestern forum f experimental elektronik
by Guest on Aug 08, 2004 - 01:43

hallo stefan,
"Und zuletzt, laptop frontal präsentationen wie von Marc Behrens find ich dem
medium nicht mehr angemessen. Das ist nur sakral."
:
a) was ist genau 'sakral' in diesem zusammenhang?
b) bin gespannt über die voschläge, die du mir machen wirst, wie man in einem solchen forum anders präsentieren könnte. da suche ich schon lange nach...


gruß, marc



Re: gestern forum f experimental elektronik
by stbeck on Aug 15, 2004 - 09:35 http://www.stefanbeck.de

1) mit sakral meine ich, dass die frontalpräsentation doch wohl aus dem kirchlichen kontext stammt, der ort des chores, der um den altar gruppiert ist.

Wenn sich das bis in den bürgerlichen konzertsaal hinübergerettet hat, dann aus gründen der autorität, die diese präsentation auf das publikum ausübt, im gegenzug den musiker auch den (kontroll)blicken des auditoriums ausliefert, zum anderen aber auch als akustische notwendigkeit, die unverstärkte instrumente entsprechend zur geltung bringt.

2) beides ist für laptop musik nicht mehr notwendig. Der laptop ist kein instrument im klassischen sinne mehr, denn es gibt hinsichtlich seiner bedienung kaum noch eine verbindliche regel oder fertigkeit, wie wir sie noch von klassischen instrumenten her kennen. Es ist daher sinnlos, den laptop musiker der kennerschaft des publikums vor-zustellen, denn die existiert nicht mehr.

Der laptop ist universalmaschine und meta-instrument. Seine klänge sind bar jeden ortes und kontextes. Es kann daher auch keinen ausgezeichneten ort mehr für die präsentation von laptop musik geben.

Ein erster ansatz wäre mitten heraus aus dem publikum zu spielen.

Vielleicht braucht der laptop musiker auch gar nicht mehr sichtbar zu sein. Denn das publikum kann eh' nicht mehr nachvollziehen, was er/sie da macht.



Re: gestern forum f experimental elektronik
by Guest on Aug 17, 2004 - 03:42

danke für deinen comment, stefan.

von mir nur eine nachbemerkung zu 2), weil ich mir ja nicht nachsagen lassen will, ich wüsste nicht, was ich tue...

in der vergangenheit und in der gegenwart war und bin ich einer derer, die aus ähnlichen gründen wie den von dir genannten auf internationalen festivals für probleme und ratlosigkeit bei veranstaltern und pa-technikern sorgten, weil ich inmitten des publikums – und außerdem noch auf derselben sitz-/stehhöhe – spielen wollte, bzw. spielte.
eine anforderung meinerseits ist, zwischen den boxen zu stehen oder zu sitzen, damit ich mir die monitore sparen kann (wobei ich auch dem publikum gerne mitteile, dass das die beste position sei). selbige anforderung und mangelnde kabellängen vor ort erzwangen den altar im tanzhaus west. die improvisierte situation ohne zeit zum testen wg. gestresstem dj ließen mich nicht mehr gebührend über die aufführungs- bzw. rezeptionssituation reflektieren, sondern mich einzig und allein auf den richtigen klang konzentrieren, die essenz der "laptop musik"; auch deiner meinung nach, vermute ich (?).

und: war die frage nach ort- und kontextlosigkeit nicht schon in den zeiten der "tape musik" schon thema?

gruß,
marc