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DasTat: organisierte Unfähigkeit

14. September 2003 - 22:42

Derzeit sind folgende Zeilen auf mit „das tat“ gekennzeichneten Plakaten zu lesen: „Haben Sie eine Idee für ein Projekt, das uns dabei helfen könnte, mehr über unsere Stadt zu erfahren? Wenn Ja reichen Sie Ihren Vorschlag ein und realisieren Sie Ihn im Tat mit unserer professioneller Erfahrung und unseren Mitteln.“
Hier kommt mir der richtige Gedanke:

Sehr geehrte Damen und Herrn,
mit größter Verwunderung lese ich den von Ihnen plakatierten Aufruf, Projekte einzureichen, die Ihnen(?) dabei helfen könnten, mehr über Ihre(?!) Stadt zu erfahren.

Nachdem seit Beginn der 90er, also seit über zehn(!) Jahren, die diversesten Initiativen, Projekte und Künstlergruppen wie Verein 707, Selektion, Rogue, Muttertag, Phantombüro, Galerie Fruchtig, Fahrradhalle, Gutleut15 , The Thing Frankfurt, Liga6000 und zuletzt auch Finger mit ihrem „Wie gestalten Sie Ihre Gesellschaft?“ dazu beigetragen haben diese Stadt sichbarer, lesbarer und deutlicher zu machen, kommen Sie damit reichlich spät.

Schlimmer noch, Sie besitzen die Anmassung auf Ihrer Webseite von „Neuland“ zu sprechen, das Sie beträten. Das mag für Sie vielleicht zutreffen, aber das ist allenfalls ein Grund sich zu schämen, statt die Stadt mit Plakaten zu bekleben, die die Bürger für dumm verkaufen. Denn während Sie uns noch Heiner Goebbels fingerdick gereicht haben, gabs all diese Inititiven schon. Nur Sie haben anscheinend nichts davon gemerkt.

Wie können Sie so tun, als hätten Sie es mit einem Brachland zu tun, während das Feld von sovielen Gruppen längst bestellt wurden, denen Sie keinerlei Referenz erweisen? Die Position aus der Sie die oben genannte Frage stellen, ist nichts als Arroganz und Zeugnis organisierter Unfähigkeit. Wenn der einzelne Künstler, die Initiative, die auf eigene Rechnnung, eigenes Risiko und mit geringen oder gar keinen Fördermitteln ihr Anliegen dennoch fortbringen, zuweilen ein „Ich weiss allein nicht weiter“ in die Öffentlichkeit ausstossen, so mag das noch angehen (wenngleich das Kurd Alsleben bereits 1986 programmatisch vollzogen hatte), aber Ihnen, als eine immer noch städtische, von Steuergeldern bezuschusste Institution, steht das nicht zu. Wie der Kritiker als gesellschaftliche Schiedsinstanz, haben Sie uns zu sagen, was Sache ist, selbst wenn Sie dabei im Irrtum sein sollten.

Ich sage hier: Sie bereichern sich an dem, was andere längst vor Ihnen erarbeitet haben, ohne diese zu erwähnen oder einzubeziehen.

Wenn Ihnen ehrlich danach ist „mehr über Ihre Stadt zu erfahren“ dann schauen Sie sich dochmal (nur als Beispiel) meine Seite http://www.thing-frankfurt.de an, die ich seit acht Jahren mit einem Budget betreibe, das unter dem liegen dürfte, was Sie für Ihre Plakate ausgegeben haben.
Professionelle Hilfe und Mittel? Nehm ich gerne. Schicke Sie doch mal ein paar Webdesigner und Programmierer mit einem dicken Scheck vorbei. Ich nehms dankbar auf. Auf Ihre „sorgfältige Prüfung“ kann ich gern verzichten. Schreiben Sie doch wenigstens, wer überhaupt in der Jury sitzt.

Ihr
Stefan Beck

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