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Geteilte Finanzierung = doppelte Freude?

21. January 2003 - 19:18

"Unser" kulturdezernet hat eine homepage auf der folgendes zu lesen ist:

> Stadtrat Dr. Hans-Bernhard Nordhoff (SPD)
>
> “Kultur für alle" in der Europastadt Frankfurt und im Wirtschaftsstandort Rhein-Main bedeutet, Schwerpunkte für Qualität zu setzen, die kreative Potentiale im Gemeinwesen Stadt kontinuierlich zu entwickeln und internationale Kooperationen aufzubauen, die neue Standards in der Republik definieren. Geteilte Finanzierung ist doppelte Freude. Es gibt keine Alternative zur öffentlich-privaten Partnerschaft.

Ich dachte, dieses "kultur für alle" wäre mal aus der einsicht entstanden, dass frankfurt eine kulturelle wüste ist, und dass man was tun müsste, um firmen anzusiedeln oder zu halten.

Jetzt heisst es auf einmal, es gäbe "keine Alternative zur öffentlich-privaten Partnerschaft", was ich so lese, wie: "es gibt keine kultur, wenn du firma nicht etwas beisteuerst". Also, wenn ich eine firma wäre, käme ich mir verarscht vor. Warum soll ich denn hier hinkommen oder bleiben, wenn ich für den wert (oder erhalt) des standortes auch noch bezahlen soll.

Es wird ja viel von kultur als "weichem" standortfaktor geredet, aber irgendwie scheint die stadt, die ja den höchsten gewerbesteuersatz der republik hat, nichts dafür ausgeben zu wollen. War das nicht mal DAS argument, dass man sagte, wir müssen euch soviel steuern abknöpfen, weil wir ja theater, oper, ballett, museen etc hinstellen?

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1 Kommentar

Meinungen der User der Thing Mailingliste

stbeck - 22. January 2003 - 15:43

Florian Malzacher:

im journal sagte neulich herr pohl was davon, dass es für eine bank etc. nicht so gut sei, ins schauspiel zu investieren, weil man da so wenig einfluss nehmen könnte... vielleicht könnten ja sponsoren dann ihre verwandten in bestimmten künstlerischen positionen unterbringen, der sohn vom chef als kurator, hauptrollenspieler, oder als live act im goldfinger... oder als beschäftigungstherapie für die geliebte... (wie in woody allens "bulletts over broadway) aber: gewerbesteuer zahlt doch keine von den großen banken mehr, wenn ich das recht verstanden habe...


Egidius Braan:

> vielleicht könnten ja sponsoren dann ihre verwandten in bestimmten
> künstlerischen positionen unterbringen, der sohn vom chef als kurator,
> hauptrollenspieler, oder als live act im goldfinger...


In Frankfurt ist das kuratieren doch längst Chefsache -> MMK


Egidius Braan (als "signifikant"):

> Es wird ja viel von kultur als "weichem" standortfaktor geredet, aber
> irgendwie scheint die stadt, die ja den höchsten gewerbesteuersatz der
> republik hat, nichts dafür ausgeben zu wollen.


Fragt sich halt auch, wo das Geld hinwandert. Im übrigen ist ein "weicher Standortfaktor" für Unternehmen aus den Branchen, die sich aus ganz bestimmten Gründen in Frankfurt ansiedeln, vollkommen irrelevant. Da reden sich einige Herren (und Damen) ihre eigenen Köpfe und Kragen schön.

Die Aufgabe der Stadt und ihrer Kulturpolitik ist es auch nicht, einen schönen Lebensraum für zugezogene Betriebswirte und Juristen zu bieten. Die, die (zum Teil auch aus dem Ausland) kommen, kommen um der Karriere willen und gehen sowieso nach ein, zwei Jahren wieder. Die, die bleiben, sind inzwischen SO wichtig geworden, dass sie eh keine Zeit haben, in die Oper zu gehen.

KKultur ist ein Imagefaktor für eine Stadt. Aber keine Verkaufsförderung für Immobilien, Arbeitsplätze oder sonstwas. NICHT in einer Bankenmetropole. Vielleicht in einer HAUPTSTADT.


Matze Schmidt:

hi

Monday, January 20, 2003, 6:56:45 PM, you wrote:

>> Es wird ja viel von kultur als "weichem" standortfaktor geredet

ssd> KKultur ist ein Imagefaktor für eine Stadt. Aber keine Verkaufsförderung
für
ssd> Immobilien, Arbeitsplätze oder sonstwas. NICHT in einer Bankenmetropole.
ssd> Vielleicht in einer HAUPTSTADT.

(schoener vertipper: "KKultur"). kultur als faktor ... vielleicht auch in ffm nicht mehr lang; wie momentan im Handelsblatt (postille der klugen besserverlesenden) zu lesen, sollen zur zeit mehrere banken ihre filialen aus frankfurt/main abziehen. welche hippe stadt bleibt dann noch? wie waers also mit der kategorie: stadt als kulturfaktor.

m


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