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Leichenschmaus im Kunstverein

12. June 2002 - 16:23

Im zweiten stock des kunstvereins befindet sich das sogenannte manifesta archiv, in der ausgestaltung des franz. künstlers Mathieu Mercier; eine art von urnenhain, in dem die files von sämtlichen künstlern aufbewahrt werden, die von den kuratorinnen vor der manifesta besucht wurden.

Das ist immerhin mal eine nette geste, auch wenn die aussagekraft dieser dokumentation arg beschränkt ist. Einmal fehlen hinweise, was die kuratorinnen bewogen hat, genau diese künstlerInnen zu besuchen, ebenso die kriterien nach denen die letztendliche auswahl vollzogen wurde.

Für Frankfurt können wir folgendes entnehmen. Besucht wurden:
Florian Adolph, Anselm Baumann, Christoph Blum, Peter Lütje, Anja Conrad, Finger, Kathrin Höhne, Anja Czioska, Natalija Miodragovic, Phantombüro, Claus Richter, Tomas Saraceno, Frank Schubert, Vroni Schwegler, Haegue Yang, Dirk Fleischmann, Revolver Archiv.

Tücken der empirie; wie diese daten deuten? Mir scheint, dass, soweit ich die künstlerInnen kenne, die generation von künstlern, die die letzen 10 jahre hier in frankfurt präsent waren wie Manfred Stumpf, Udo Koch, Heiner Blum, Tobias Rehberger, Marko Lehanka, Max Mohr, Urs Breitenstein, Jochem Hendricks (Achim Wollscheid müsste hier auch noch genannt werden, auch wenn ihn gerade seine nicht-präsenz auszeichnet) etc pp komplett übergangen wurden. Ich könnte fast meinen die ganze MMK/Ammann-connection. Zufall oder absicht?

Für den europäischen rahmen fehlt mir der überblick; daher bloss ein kleiner vergleich einiger städte und zahl der besuchten künstler:

Frankfurt 17
Berlin 37
Hamburg 9
Amsterdam 15
London 15
Lissabon 13
Moskau 20
New York 9 (Spesen?????)
Minsk 10
Oslo 19
Prag 5
Sofia 16
Stockholm 4
Wien 44
Paris 14
Madrid 5

Hier lässt sich erst recht trefflich spekulieren, wie das zu verstehen ist. Berlin 37 und Wien 44 gegen London 15 und Paris 14? Und Oslo 19? Verglichen mit der einwohnerzahl erscheint das schon etwas schief. Hier zeigt sich wie dünn das dargebotene material ist. Was hat die kuratorinnen bewogen 44 künstlerInnen in Wien zu besuchen? Wer waren ihre lotsen, oder wars eher die liebe zum grossen braunen? Frei nach einer bekannten von mir aus der werbung:"Ich lass doch nicht in Frankfurt produzieren, wenn ich in Wien dann ins kaffeehaus gehen kann."

Ist halt ein netter gag, dieses archiv; aber wenns den manifestas mit der transparenz ernster wäre, müssten sie schon etwas mehr daten rausrücken.

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2 Kommentare

Re: Leichenschmaus

Martin Fritz - 13. June 2002 - 14:53

Von: "Martin Fritz" <martinfritz@manifesta.de>
Datum: Do 13, Juni 2002 11:23
Betreff: AW: [thing-frankfurt] leichenschmaus



Lieber Stefan,

Danke für deine aufmerksame Analyse des Manifesta Archivs. Eine kleine
Ergänzung:

Künstlerfiles:

Das öffentliche und Webarchiv beinhaltet nur diejenigen, die auch separat und
ausdrücklich zugestimmt haben, dass ihre Materialien und Namen öffentlich
gemacht werden. Das waren ungefähr 65 % von allen, deren Materialien wir
hatten. Wir erachteten eine ausdrückliche Zustimmung als Grundvoraussetzung.

Deine Sorge um die Spesen wegen New York kann ich entkräften, da im Archiv auch
Materialien von KünstlerInnen sind, die zwar in New York leben und arbeiten,
die jedoch entweder in Europa getroffen wurden, oder deren Material uns direkt
zugekommen ist.

Am 25.6. gebe ich im Archivraum eine kleine Präsentation "Ein Blick hinter die
Kulissen". Einige der von Dir aufgeworfenen Fragen könnten dort ja
weiterverfolgt werden.

Beste Gruesse

Martin Fritz

Re: Leichenschmaus

10. August 2007 - 08:40

artlout hat in der juniausgabe davon berichtet, ich war nicht so angetan, aber dennoch für viele bestimmt interessant


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