Die Videoinstallation mit dem Titel „kenneth lay says: i trust in god and the free market“ greift ein Zitat von Kenneth Lay auf, der Ende letzten Jahres als Firmenchef des in Konkurs gegangenen amerikanischen Energiekonzerns Enron bekannt wurde. Im Zuge dieser bis dahin größten Finanzpleite in der Geschichte der USA kamen skandalöse Machenschaften ans Tageslicht.
Ausgehend von dieser Aussage stellt das Künstlerpaar Duwe / Wüst die meist kreativ klingenden Slogans von 120 Unternehmen mit dem zugehörigen Firmennamen zu einem Satz in direkter Rede zusammen. Diese Sätze werden mit einem Videobeamer nacheinander im Old-School-Computer-Schrifttyp und grünen Lettern auf die Gebäudefassade „getippt“. Dazu vernimmt man (zumindest während der Pressevorführung) Tippgeräusche, die die Idee der unmittelbaren manuellen Eingabe verstärken sollen. Die Eigenbewerbungen von Firmen wie „Microsoft says: where do you want to go today“ oder „IBM says: solutions for a small planet“ erhalten durch diese Präsentationsform den Status einer aktuellen Nachricht, wie man sie vom Börsenticker kennt, oder eines geltenden Statements und verlieren ohne zugehörige Bilder und Logos ihre sonst verständliche Botschaft.
Im Pressegespräch erklären die Künstler, daß sie ihre Arbeit als Kritik am Kapitalismus verstehen und am Kultursponsoring von Unternehmen, die das Sponsoring ausschließlich betreiben, um ihr Image aufzupolieren. Sie sehen ihre Videoarbeit zudem als Kritik an der Massenveranstaltung Museumsuferfest, an den Machenschaften der Banken und an der Börsenhauptstadt Frankfurt.
Obwohl die Videoprojektion „kenneth lay says: i trust in god and the free market“ von Duwe / Wüst formale und ästhetische Qualitäten besitzt, kann sie inhaltlich nicht ganz überzeugen. Zu verallgemeinernd und plakativ wirkt es, sich nur die börsennotierten Konzerne herauszupicken, welche dann als Krebsgeschwür des Kapitalismus herhalten müssen. Die kritische Auseinandersetzung mit dem (kapitalistischen) Staat, mit der sich beispielsweise Andreas Siekmann in seiner Kunst auseinandersetzt, ist da überzeugender und ausgereifter.
Unverständlich bleibt, was ein Massenspektakel wie das Museumsuferfest mit zeitgenössischer Kunst zu tun hat. Wird diese überhaupt in dem Neonlicht-Terror als solche wahrgenommen? Duwe / Wüst sagen dazu, daß ihre Arbeit nicht unbedingt auffallen muß, und daß die meisten Menschen zeitgenössische Kunst sowieso nicht wahrnehmen oder einzuordnen wissen. Ob sie Recht haben, oder nicht, zeigt uns demnächst das Licht!
Die Vernissage findet am 22. August um 22 Uhr vor dem Gebäude des Filmmuseums statt.
Informationen und Bildmaterial gibt es unter 069-706206 (Meike Behm) oder meikebehm@yahoo.de.
Führungen werden angeboten.
Note: Siehe auch unter "forum" --> Was ist politische Kunst?

