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Spielverderber

08. September 2010 - 16:27

Ich bin wahrscheinlich der Einzige, der Playing the City der Schirn Kunsthalle nicht gut findet. Dabei ist das Konzept durchaus richtig und nachvollziehbar. Mein Problem besteht darin, daß ich die Umsetzung ungenügend finde.

Es ist wirklich höchste Zeit, daß die Institutionen ihren angestammten Platz verlassen und vor Ort in den Stadtraum gehen. Aber bitte nicht nur für vier Wochen.

Alle Offspaces in Frankfurt arbeiten seit Jahren im öffentlichen Kontext und erschliessen einen "kollektiven, freien und gestaltbaren Raum", wie ihn die Schirn verspricht. Ihre Leistung wird nur nicht gewürdigt.

Polemisch betrachtet liesse sich feststellen, daß wieder einmal eine Institution ein Thema jahrelang ingnoriert hat, und sich dann mit einem Mal draufsetzt und zu ihrem eigenen macht.

Diejenigen, die sich über einen großen Zeitraum mit der Thematik einer Kunst im öffentlichen Raum in ihrer Stadt auseinandergesetzt haben, werden einfach ausgelassen. Noch nicht einmal ein Dankeschön bleibt für sie übrig.

Der Großteil, der an dem Projekt beteiligten Künstler, hat gar nichts mit Frankfurt zu tun, sondern wird nur eingeflogen für einen Moment. Es ist nicht zu verstehen, wie sie eine ernsthaft Auseinandersetzung mit dem Stadtraum bewerkstelligen können. Die Gefahr besteht, daß Kunst nur von anderswo hier appliziert wird und sowieso später wieder verschwindet.

Was not tut, ist ein langfristiges, dauerhaftes Engagement im städtischen Raum. Das damit aus der genauen Kenntnis der Situation vor Ort schöpfen und auf sie reagieren kann. Leider ist das von der Schirn nicht zu erwarten.

* * *

Link zum Projekt: http://www.playingthecity.de

Aus anderer Perspektive zum Umbausalon #4: http://thing-frankfurt.de/content/2010/nachschrift-zum-umbausalon-4

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4 Kommentare

Re: Spielverderber

12. September 2010 - 23:29

"Ich bin wahrscheinlich der Einzige, der Playing the City der Schirn Kunsthalle nicht gut findet." - das stimmt nicht, meine therapeutin tut es auch...

Re: Spielverderber

18. September 2010 - 14:43

Da haben sich ja dann die Richtigen getroffen, Patient und Therapeutin. Und damit könnte die Geschichte ein happy end gefunden haben, wenn die Anamnese nicht auf so wackeligen Beinen stünde. Zunächst die Fakten: Playing the City 2 hat deswegen die 2 im Namen, weil es bereits eine erste Ausgabe gab, nämlich im April 2009. Eine weniger wichtige Korrektur an der Oberfläche betrifft die Ausstellungsdauer, die nämlich keine vier Wochen, sondern noch weniger, nämlich exakte 19 Tage umfasst.

Mehr als die persönliche Betroffenheit, erscheint mir aber ein anderer Aspekt von Interesse. Die Geschichte über die Kunst im öffentlichen Raum, die wir mit diesem Ausstellungsprojekt fortschreiben, basiert auf Ideen wie der von der sozialen Skulptur/Plastik oder neueren wie der von der Partizipation. Diese Ideen beschreiben eine Situation, die die Menschen als aktive Teilnehmer verstehen und sie in das, was Öffentlichkeit ist genauso wie in das, was Kunst ist, inkludieren. In dieser Konzeption ist die Kunst das, was durch die Beteiligung an ihr entsteht, ein zeitlich begrenztes Gefühl von Gemeinschaft, eine Reflektion von dem, was Öffentlichkeit ist und sein kann, eine Manifestation von Kommunikation, die das Lokale ebenso berücksichtigt wie sie dieses ignoriert. Mehr als um die Stadt Frankfurt im Besonderen geht es also um etwas allgemein Städtisches, das das Leben der Menschen, das Miteinander, die Möglichkeiten der Veränderung betrifft.

Der Unterschied von Offspace und Institution schmeckt irgendwie nach alter Kamelle. Dass die jeweilig zur Verfügung stehenden Mittel immer auch das Programm beeinflussen, sollte nicht als Argument für mehr oder weniger Beachtung missbraucht werden.

Matthias Ulrich

Re: Spielverderber

21. September 2010 - 16:56

Lieber Matthias,

vielen Dank für Deinen Beitrag. Was Du schreibst finde ich durchaus richtig.

Ich bemängele nur die fehlenden geschichtlichen Bezüge. Gerade in Bezug auf Frankfurt.

Das Projekt wäre eine gute Gelegenheit gewesen, auf die manigfaltigen Aktivitäten Frankfurter Künstler und insbesondere der Offspaces hinzuweisen und an sie anzuschliessen.

Den allgemeinen Hinweis auf DADA und den Situationismus (wie im Pressetext) empfinde ich als zu dürftig und zu allgemein.

Wenn Dir der Unterschied von Offspace und Institution "irgendwie nach alter Kamelle schmeckt", dann wäre es vielleicht gut, wenn die Schirn ihren Etat wenigstens zur Hälfte an die Offspaces abgäbe. Könntest Du diesbezüglich bei Max Hollein anfragen?

Stefan

Re: Spielverderber

29. July 2011 - 22:41

"Das Projekt wäre eine gute Gelegenheit gewesen, auf die manigfaltigen Aktivitäten Frankfurter Künstler und insbesondere der Offspaces hinzuweisen und an sie anzuschliessen.“ Bezug zu Frankfurt und Frankfurter Künstler/innen sollte schon mit von der Partie sein, 100% agree. (skFFM)


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