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Lola Montez sein Leuchtturm

12. September 2008 - 21:53

Auf dem Dach von Lola Montez in der Breiten Gasse steht neuerdings ein kleiner Leuchturm. Der ist recht hübsch, und nett anzuschauen.

Aber was will er uns eigentlich sagen?

In der FAZ titelt Christoph Schütte gleich vereinnehmend "Neuer Leuchtturm für die Kunst" [1]. Was den Schluß nahelegen soll, bei Lola Montez handele es sich um ein Beispiel für einen kulturellen Leuchturm. Eine Metapher, die aus dem Stölz Gutachten vom Jahre 2005 stammt.

"Während Manfred Peckl mit „The Rise of the Underground“ schon zum Auftakt den Weg seiner Generation aus der Off-Kultur in die Galerien und den Kunstmarkt konstatiert hat, nimmt Familie Montez den kunst- und kulturpolitischen Diskurs rund um die Frankfurter Institutionen beim wohlfeilen Wort und macht Ernst mit den Floskeln, die ein internationales Publikum vom Ruf der Stadt als Metropole überzeugen sollen."

Nun glaube ich, dass Lola Montez weder ein Leuchtturm ist, noch einer sein sollte. Sofern sich dieses Projekt noch irgendwie als "Off-Space" versteht, sollte es allen Assoziationen mit Leuchttürmen aus dem Wege gehen.

Leuchttürme sind langeweilig. Institutionen sind überflüssig, wie überholt. Die Ausführungen von Richard Florida haben deutlich gemacht, dass die Bürger ihre Kultur selbst organisieren können. Wo man sie lässt, fördert und ermuntert, blüht das städtische Leben auf.

Das eigentliche Problem am Leuchtturm von Lola Montez ist dies. Keineswegs nimmt es "den kunst- und kulturpolitischen Diskurs [...] beim wohlfeilen Wort", sondern entzieht sich eben diesem Diskurs. Der Leuchturm steht da, aber Worte gibt es keine. Die Presse lässt sich was einfallen.

Der Leuchtturm ist ein Bild. Lola Montez sagt nichts.

Hier auf diesen Seiten habe ich direkt auf das Stölzl Gutachten und seine Leuchttürme reagiert [2]. Nach wie vor bin ich der Meinung, dass die Idee von kulturellen Leuchttürmen gefährlich und dumm ist.

Ich bin auch der Meinung, dass auf die kulturpolitischen Diskurse mit ebensolchen Diskursen, Gegendiskursen zu reagieren ist. Anders als das Bild kennt das Wort die Negation. Es ist eben das "Nein", das den Diskurs so gefährlich macht. Das Bild kennt vielleicht den subtilen, aber nur das Wort den entschiedenen Widerspruch.

Die Aufgabe einer politischen Kunst besteht darin, diesen Widerspruch zu suchen und zu entwickeln.



***
[1] FAZ Artikel --> http://tinyurl.com/lola-faz

[2] Artikel "Brauchen wir Leuchttürme in Frankfurt" vom 23.5. 2005
--> http://www.thing-net.de/cms/artikel216.html

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