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Hotel Frankfurt

24. July 2008 - 21:13

Unter den positiven Eigenschaften von Frankfurt zählte der Agenturchef Martin Wider beim Kongress "Rebuild this City", daß die Stadt Neuankömmlinge dazu zwinge möglichst schnell Kontakte zu knüpfen. Diese seien oft nur zeitweilig abgeordnet und müssten sich so in kurzer Zeit einordnen.

Das klingt plausibel. Aber könnte es nicht auch umgekehrt gelten?

Wer nur auf absehbarer Dauer an einem Ort tätig ist, verspürt vielleicht auch wenig Anreiz in soziale Netzwerke zu investieren. Klar, das nötigste wird geregelt. Wenn es Kinder gibt, dann die Schule. Und noch Sport und Kultur, aber überschaubar und in Maassen.

Wo ich wohne, leben etliche dieser Zugvögel. Bislang konnte ich nicht beobachten, dass ihr Interesse der Hausgemeinschaft gegolten hätte. Warum auch?

Zwei Aspekte halte ich für beachtenswert:

1) Angebote in Kultur und Freizeit werden dazu neigen, kurzfristige Interessen zu bedienen. Kleine Häppchen produzieren, die sich schnell und problemlos verdauen lassen. Fast Food Mentalität.

2) So vorteilhaft das für die Saisongäste sein mag, es stellt sich die Frage, was mit denen geschieht, die länger am Ort bleiben. Bleiben müssen.

Früher hab ich gern über das "böse Kapital" geschimpft. Jetzt sehe ich differenzierter, dass es verschiedene Herangehensweisen gibt. In alter Zeit gab es unter den Hamburger Kaufleuten viele Reiche, vielleicht im Vergleich wohlhabendere als heute. Nur waren sie enger mit ihrer Stadt verknüpft, verbunden, wussten, dass sie langfristig in ihren Standort investieren mussten. Vielleicht hat sich diese Mentalität bis heute in Hamburg bewahrt.

Martin Wider, der aus Hamburg nach Franfurt kam, stellte die Unterschiede deutlich heraus. In Hamburg treffen inhabergeführte Agenturen auf inhabergeführte Unternehmen. In Frankfurt sitzt das mittlere Management einer "industriellen Kreativität" (Wider) ebensolchem börsennotierter Kapitalgesellschaften gegenüber.

Die Welt wird immer hotelhafter. Alles sieht wie Flughafen aus. Und Frankfurt ist seine Lounge.

Was wird mit denen, deren Hausen kein Hilton, oder Harheim kein Heathrow ist?

Möglicherweise liegt es auch nur an der geringen Grösse von Frankfurt, in der solche Effekte schneller auffallen. New York oder London sind einfach so gross, dass die Frequent Flyer Class nur eine Subgruppe bildet.

Welcher Seite von Frankfurt neigt Ihr zu?

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