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Retrofuture. Über das Buch

01. October 2006 - 20:39

Während die Buchmesse ihre Schatten vorauswirft, mache ich mir einige Gedanken über das Buch.

Welche Gründe gibt es noch Bücher herzustellen?

Ich meine - ganz kurz -, daß es kaum noch einen Inhalt gibt, der nicht besser und schneller über das Internet zu verbreiten wäre.

Das Buch als alleiniger Träger von Inhalten (Content) hat ausgedient.

Es bleiben drei Gründe zweiter Ordnung übrig:

1) Längere Texte lesen sich auf Papier immer noch besser als auf dem Bildschirm. Und wie meinte Walter Benjamin: "Bücher und Dirnen kann man mit ins Bett nehmen."

2) Das Buch ist die Warenform seines Inhaltes. Es ist die historisch tradierte Form Texte zu verkaufen.

3) Zuletzt stellt die spezifische Schwierigkeit Bücher herzustellen und zu verbreiten einen gewissen Unterpfand für die Güte ihrer Inhalte dar.

Ein Buch in größerer Auflage zu drucken und auf den Markt zu bringen, bedeutet immer noch ein bestimmten Risiko. Folglich kann nicht alles gedruckt werden. Eine Auswahl ist nötig.

Das Lektorat ist der Ausdruck der gesellschaftlichen Kontrolle über die Inhalte der Bücher. Hierin spiegelt sich die konventionelle Aufassung, daß nur das gut sein kann, was von einer gewissen Anzahl von Menschen geschätzt wird.

Nehmen wir die Kunst als Beispiel. Gut ist, wenn ein Künstler Ausstellungen macht. Besser ist, wenn es auch einen Katalog der Ausstellungen gibt. Zwar ist es von Vorteil, wenn auch ein namhafter Kritiker im Katalog schreibt, aber letztlich entscheidend ist die Tatsache, daß eine Institution überhaupt einen Katalog herausgegeben hat. Der Künstler wird also nicht durch den Katalog, sondern durch die Institution legitimiert. Der Katalog ist nur das Medium.

Daher hilft es wenig, wenn Künstler Kataloge auf eigene Faust herstellen. Das ist wie Falschgeld machen. Denn auch das Geld ist nur Geld durch die Unterschrift der Bundesbank (o. EZB).

Demnach ist das Buch weniger Ausdruck eines Autors als eines Verlagswesen.

Das diesjährige Gastland der Buchmesse ist Indien. Indien wird hierzulande gerne mit der IT Industrie von Bangalore assoziiert. Vom Buchland Indien weiss man wenig. Wir könnten also etwas nachholen. Aber vielleicht wolllen auch die Inder etwas nachholen, was sie längst hinter sich gelassen haben?

Wäre es nicht daher besser, die Inder liessen das Stadium Buch einfach aus, und gingen ganz zur IT Technik über? Retrofuture.

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P.S.
Kunst im Internet ist folglich illegetim, und wird es möglich auf immer bleiben. Denn es gibt im Internet keine Herausgeberinstanz, die das Internet als solches hintergehen könnte. Denn das Internet selbst ist die letztendliche Instanz. Noch nichteinmal Nationalstaaten können sie hintergehen.

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2 Kommentare

Re: Retrofuture. Über das Buch

jonas - 06. October 2006 - 20:00

- bücher entweder auf papier oder monitor? das ist mir zu plakativ. für viele bücher ist es wirklich besser den weg über das internet zu gehen, da das publikumsinteresse zu gering, der inhalt vielleicht aber zu wichtig ist, um in der versenkung zu verschwinden. es gibt allerdings auch viele lesetechniken, die mit einem e-buch angewandt zu raschen augenschmerzen führen und so besser mit gedruckten büchern angewandt werden. auch ist das gedruckte werk oft viel praktischer, da leichter und kleiner als ein laptop, und somit wie ein arbeitsplatz des 21. jhdts. - flexibel.
und dann gibt es den nicht zu verachtenden sinnlichen effekt. wenn immer mehr dinge mit dem rechner gemacht werden, hat man doch auch einen sehr einseitigen kontakt (mit plastiktasten z.b.)
- zu deiner aussage über das lektorat: es stimmt in teilberreichen was du sagst, gestern sprach ich auf der buchmesse jedoch mit zwei amerikanischen verlegern, die bücher wegen des kommerziellen erfolgs veröffentlichen um geld zu haben, bücher die ihnen wichtig sind zu veröffentlichen, selbst wenn diese sich kaum verkaufen.

Re: Welche Gründe gibt es noch Bücher herzustellen?

Wolfgang - 31. January 2007 - 11:41

Es gibt zuviele Bäume die Schatten werfen?


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