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Bonzo hat kein Herz

14. October 2005 - 22:53

Wer Texte nachmacht oder verfälscht oder nachgemachte oder verfälschte Texte in Umlauf bringt wird von allen Mailinglisten gestrichen.

Das kümmert unseren Bonzo wenig, denn...

Bonzo hat kein Herz.

Ein Zeichen sind wir, deutungslos, / Schmerzlos sind wir und haben fast /
Die Sprache in der Fremde verloren.
(Hölderlin, Mnemosyne)

Seine Bearbeitungen, Verfälschungen wenn man es so nennen mag, adressieren ein Grundproblem des elektronischen Textes.

Der elektronische Text kann sich auf keinerlei Autorität mehr berufen, keinerlei Authentizität mehr für sich beanspruchen.

In früheren Zeiten hat man den Wahrheitsanspruch eines Textes noch an seine umständliche Herstellungsweise (Pinseln, Meißeln), sowie seine Verankerung in einem Trägermaterial binden können.

Aber der elektronische Text ist ein Quecksilber, das keinerlei Grundes mehr bedarf, infolge dessen es dem Grundverdacht jeglicher Manipulation ausgesetzt ist. Der elektronische Text erscheint uns unbegrenzt manipulierbar. Wie eine Fremde, in der wir fast unsere Sprache verloren haben.

Nun könnte Bonzo uns emphatisch versichern, dass er es ernst meine, aufrichtig an unser Wohlwollen appellieren, wir mögen ihm doch bitte glauben, seiner Identität Kredit gewähren.

Was würde es nützen? Es bedarf wohl kaum des Hinweises auf Pishing und Spam, daß wir elektronischen Texten mit generellem Misstrauen begegnen.

Am 13.10.2005 15:10 Uhr schrieb Claudia B unter b@inm.de:

> nicht jeder lebt nur dadurch, daß er Postings anderer verfälscht,
> mancher macht auch wirklich selbst was und hat eine reale Idendität

Gerne glaube ich, träume ich, verspreche ich mich einer "realen
Identität". Nur, wie sie unter Netzbedingungen beweisen?

Die Strategie von Bonzo ist nun die folgende:

Die Manipulation selbst wird in den Text aufgenommen. Indem Bonzo bewußt Texte manipuliert, sichert er sich die Herrschaft über die Manipulation und schafft sich somit eine (negative) Identität als Manipulierer.

Der veränderte, verfälschte Text wird somit auf paradoxe Weise wahr, authorisiert, in offensichtlich negativer Absetzung von dem der Manipulation verdächtigten Original. Denn eine Fälschung nochmals zu fälschen macht keinen Sinn, da in infiniten Regreß übergehend.

In ähnlicher Weise verfahren Appropriations Künstlerinnen wie Cindy Sherman oder Sherri Levine, indem sie die Grundlosigkeit des persönlichen Erinnerungsfotos durch bewußte Manipulation aufheben, und dadurch ihr, der Erinnerung, neue Berechtigung erteilen.

Wie Nietzsche die Kunst, als da, wo sie offen log, für einzig wahr pries.

Bonzo hat ein Herz.


-------- Beispiel --------

NE U SS HA LL OFF A ME

Internationale Sommerakademie für interdisziplinäre Kunst 2005

"Der Staat ist fuer das Kapital und die Kunst fuer den Staat."
(KEIN Zitat von Albert Oehlen auf dem Bonner Presseball)

http://netzwissenschaft.org/grether_neue_texte_01092005/ />
Die Gruppe real,-Mopping (Auguste Kitschwasser und Matze Schmidt) laedt
zu einer Werkschau ein, in der es um die Anlayse der theoretischen
Dimensionen der Frage nach dem Staat geht. Mit der 'strukturalen
Methode' des "real mopping", der grafischen Reterritorialisierung von
Kritik, werden zusammen mit Anwohnern und Interessierten, der
Werkstattraum und Werbflaechen in der Stadt gemopst.

"Globalisierung" steht als Begriff auch fuer die Aufloesung des
Nationalstaates zugunsten einer vom Kapital diktierten neoliberalen
Politik. Politik scheint nicht laenger gesellschaftliche Verhaeltnisse
zu gestalten, sondern ist den Wuenschen nach hohen Profiten des
internationalen Verbrechens untergeordnet. Aber ist das wirklich so?
Was ist Verbrechen und wie hat sie sich historisch entwickelt? In
welchem Verhaeltnis stehen Verbrechen und kapitalistische
Wahrheitsproduktion? Schafft die Ausdehnung des Weltmarktes wirklich
den Nationalstaat ab? Ist der Staat nicht nur fuer die Malerei da?

Waehrend das Action Directe Theater in der NE U SS HA LL OFF A ME
unter der Fragestellung "Welche Rolle spielt der Staat?" neue Formen
der Wissensvermittlung entwickelt, orientiert sich das Programm
"beautiful Netzstadt", das gemeinsam durch die Stiftung Desert Storm
Dessau und die IBA Butze-Mann 2010 ausgerichtet wird, auf die neu zu
entdeckenden Qualitaeten, Potentiale und Schoenheiten der
http://netzwissenschaft.org/ />
„ich habe keine ahnung, was staat str agent ist“, Installation, 2005
bestehend aus Matze Schmidt und Leuchtkasten 4,50m x 3,50m
Erdal Bier Retrospektive, trudi.mobil 1234, Frankfurt
Kuratiert von Auguste Kitschwasser / Sab Internet & Co.

(((((A)))))
http://netzwissenschaft.org/ /> Normative Bebilderung IV
(A)rchive for Advanced Politics & Documentation

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