Ziel der Veranstaltung war interessierten BürgerInnen die Gelegenheit zu geben ihre Vorstellungen einer zukünftigen Rhein-Main Region zu formulieren und in eine Datenbank zu übergeben.
Mich hat als Betreiber einer Plattform, die der Verbesserung des Kulturlebens dient, interessiert, was da geschehen würde...
Ganz medizinisch wurde schon im Vorfeld eine Diagnose erstellt und dem „Patienten“ eine Therapie verordnet:
Die Regionalwerkstatt wird Visionen für das Rhein-Main-Gebiet entwickeln, die das Profil der Region in der internationalen Standortkonkurrenz schärfen und die Selbstwahrnehmung und Selbstdarstellung verbessern können. Dazu sollen in fünf Themenfeldern Leitideen gefunden werden. Sie sollen Basis sein für konkrete Projektarbeit. Ihre über die Region hinaus wirkende Strahlkraft soll die Attraktivität des Standorts für Bürgerinnen, Bürger und Investitionen verbessern. Die gemeinsame Umsetzung der Projekte soll das Identitätsgefühl der Bewohner stärken.
An die 600 Therapeuten überfüllten den Plenarsaal der IHK, um die sehr förmliche Einleitung über sich ergehen zu lassen. Darin übertrumpften sich einige Referenten in ihren Bekenntnissen zur Region (...aufgewachsen in Hanau, zur Schule in Fulda....) und versprühten Visionswolken, die von geistig kulturellem Fusionsfieber geprägt waren: alle Universitäten zusammenlegen, alle Fußballvereine und Fußballstadien, alle Forschungseinrichtung und alle Regionalparlamente. Am Ende, 2020, wäre das Schönste an Frankfurt Heidelberg, und „Frankfurt RheinMain“, wie sie es nannten, würde Zentrum des Frauenfußballs und Ausrichter einer Ruderregatta, - in Frankfurt Hanau.
Schließlich gings dann in die Arbeitsgruppen, die Vorschläge für Verbesserungen sammeln sollten. Diese hiessen: Wirtschaft und Ansiedlung, Markenbildung und Kommunikation,Kultur und Tourismus, Sport und Freizeit, Verkehr und Infrastruktur.
Mich zog es natürlich Kultur und Tourismus, wobei das „und“ schon die Richtung vorgab. Das Mittel zur Sammlung von Vorschlägen nannte sich „Visionsspiel“, das so funktionierte. Auf die Fragen „Wie sieht die Region 2020 aus?“ und „Wie ist es dazu gekommen?“ sollten je zwei Personen sich wechselseitig ihre Gedanken notieren. Einer spricht, der andere schreibt, und umgekehrt. Anschliessend wurden die Ergebnisse gesammelt, in Auszügen vorgetragen, und schliesslich nochmals im Plenum referiert. Danach konnte, wer wollte, noch zu einem Bier bleiben.
Gemeinhin unspektakulär. Hier wäre vielleicht der Anlaß einige der Vorschläge zu kommentieren, aber die hielten sich so ziemlich im Ungefähren, wozu sicherlich schon die Größe der Sektion mit vielleicht 100 Teilnehmern beitrug. Das Verfahren wurde frontal abgehandelt und blieb recht unkommunikativ.
Mehr Kunstpreise für junge Künstler, Kultur und Tourismus fördern, Öffentlichen Nahverkehr ausbauen, Landkreise abschaffen, - das ist sattsam bekannt und wenig neu. Symptomatisch für die generelle Herangehensweise schien mir die Idee ein riesiges Land-Art Kunstwerk zu schaffen, das aus der Luft sichtbar sein sollte. Das korreliert mit der allgemeinen Tendenz im Zuge der Globalisierung alles aus der Vogelperspektive zu betrachten. Nur, „da oben“ wohnt niemand. Von Mainz nach Aschaffenburg fliegt man nicht mit dem Space Shuttle, sondern nimmt eine siffige S-Bahn. Zen, heisst es in Japan, sei der Geist des Tales. Jeder Vision ihre Niederung.
Vielleicht ist es zuviel verlangt von einer Auftaktveranstaltung gleich den großen Wurf zu erwarten. Wie mitgeteilt wurde, sollen alle Vorschläge zuerst auf einer Webseite veröffentlich werden. Man wird sehen, was dann passiert.
Fraglich an der ganzen Angelegenheit schien mir jedoch das stipulierte Deffizit auf den Begriff der Region hin zu konzentrieren. Mag ja sein, daß das eintritt, was sich die Veranstalter erhoffen und am Ende eine Art Groß-Chicago mit etwas Landwirtschaft (Ernst Bloch) herauskommt, - aber was machen die anderen, die nicht den Vorzug einer Region i.G. (in Gründung) besitzen? Kassel, Marburg, Pforzheim, Osnabrück? Wäre es nicht spannender dahin zu sehen, was wirklich regional (als Gegensatz zur Region) ist und bleibt?
Als Anreiz der Werbespruch der kleinen fränkischen Biermarke Faust:
International unbedeutend.
National zweitrangig.
Regional der Hammer!
Link:
www.medienmittwoch.de/regionalwerkstatt/


