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Subject: AW: Dienstleistung: Fluchthilfe


Junior Member



 

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Registered: 5.6. 2002
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posted on 3.5. 2001 at 13:31
Von: "borderline" <borderline@octopusweb.org
An: "Stefan Beck" <@thing-frankfurt.de, <betacity@yahoogroups.com
Betreff: AW: [betacity] more fluchthilfe
Datum: Mit, 3. Mai 2001 12:26 Uhr

Lieber Stefan Beck,

Moral, auch a-moral, ist immer eine schlechte Begleiterin.

Betrachtet man die Künste als ästhetische Bereicherung des Lebens, was
durchaus akzeptabel ist, sollte man sich die Fragen nach künstlerischen
Posititonen, die das Projekt Fluchthilfe zum Beispiel aufwirft, ersparen.
Die Kriterien ästhetischer Kunstauffassung erfassen diese Form der Kunst
nicht, es sei denn man erlaubt sich selber die Frage nach dem, was Kunst
auch bewirken kann bzw. sollte. Schreibt man, wie Du es machst, der Kuns
alleinig die Funktion des Erheitern (Spaßfaktor 10?) zu, muß zwangsläufig
jede kritische Stellungnahme, jedes gesellschaftlich kritische Kunstprojekt,
zu einer zynisch-sarkastischen Mischpoke verkommen.
Was Du vergessen hast, ist, daß Kunst per se politisch ist. Unpolitische
Kunst, Kunst, die sich nicht "berechtigter Anliegen" annimmt, gibt es nicht
und hat es noch nie gegeben.
Ob ich (bzw. Du) diese Kunst verstehe, hängt davon ab, welche Kriterien zur
Anwendung kommen. Anders gesagt: Die Brechstange ist ein feines Werkzeug,
allein zum Zähne zu ziehen eher untauglich. Andere würden sagen, "zu
archaisch".

Beste Grüße,

Sascha

P.S.: Mehr zum Thema --- http://www.octopusweb.de/forum

 
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Administrator


 

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Registered: 8.8. 2002
Status: Offline

  posted on 3.5. 2001 at 16:12
Von: Stefan Beck <@t...>
Datum: Do 3, Mai 2001 15:05
Betreff: Re: AW: [betacity] Dienstleistung: Fluchthilfe



Lieber Sascha,
geht es denn wirklich bei dem Projekt Fluchthilfe darum "Fragen nach
künstlerischen Positionen" auszuloten?
Wenn ja, worin bestünden die, und in welcher beziehung stehen sie zum thema
der fluchthilfe? Besteht da nicht die gefahr eine künstlerische
fragestellung auf dem rücken unbeteiligter, den flüchtlingen eben,
auszutragen?
Dass kunst "per se politisch" sei, nehme ich erst einmal als allgemeinplatz
hin. Die frage, die mich beschäftigt, ist die, wie kunst politisch sein
kann, ohne ein ihr externes material einfach sich einzuverleiben, zu
kolonialisieren. Das ist wie, als teilte mir ein maler mit, dass sein bild
nur mit MUSSINI ölfarben von schmincke gemalt sei.
Daniel Buren hat einmal in bezug auf Czesanne folgende probleme
herausgearbeitet:
a) wie kann ein bild mit seinen mitteln das darstellen,
was es ist, also nichts externes repräsentieren?
b) wie und durch was trennt sich das bild von seiner umgebung ab; das problem des rahmens.

Bezogen auf die fluchthilfe liesse sich analog fragen:
a) wie und wodurch kann das projekt in sich und durch sich selbst kunst sein?,
b) wie und wodurch trennt sich das projekt von der nicht-kunst ab?

Ich habe übrigens an keiner stelle die auffassung vertreten, dass kunst
alleinig auf ihren spassfaktor zu reduzieren sei. Wenn ich geschrieben habe,
dass der kuenstler - als kuenstler, nicht als mensch - auch die ermordung
der eigenen eltern als "wunderbares happening" auffassen sollte, dann in der
hinsicht, dass er den ernst besitzen sollte, sich heiter ueber die
wirklichkeit, die ja bekanntlich von CNN, MTV, Disney etc gemacht wird, zu
stellen.

 

Junior Member


 

Posts: 2
Registered: 5.6. 2002
Status: Offline

  posted on 3.5. 2001 at 18:51
Von: "borderline" <borderline@octopusweb.org>
Datum: Thu, 3 May 2001 17:43:58 0200
An: "Stefan Beck" <@thing-frankfurt.de>
Betreff: AW: AW: [betacity] Dienstleistung: Fluchthilfe

Lieber Stefan,

nein, es geht bei dem Projekt Fluchthilfe in der tat nicht um künstlerische
Positonen, es sei denn man wirft die Frage nach dieser auf.
Ich begreife nicht, wie man gesellschaftliche Zustände als "externes
Material" bezeichnen kann. Wenn es ein allgemeinplatz ist, daß Kunst per se
politisch ist, dann sollte es auch allgemein bekannt sein, daß der Künstler
nich im Elfenbeinturm lebt, sondern, man höre und staune, Mitglied der
Gesellschaft ist, in der er lebt.
Ich denke, damit dieser kleine Meinungsaustausch seinen Sinn nicht verliert,
solltest du Deinen Kunstbegriff präzisieren.
Das der Flüchling bzw. der Fluchthelfer bei Dir zu "externem Material"
mutiert, halte ich für bedenklich. Beide Stigmatisierungen sind BRD-Alltag
und es ist nur gut, wenn auch Künstler gegen diese Stigmatisierungen
angehen.

Abschließend noch der Hinweis, daß Wirklichkeit nicht von CNN etc. gemacht
wird, sondern von Dir und mir, und unbekannten Fluchthelfern und Banken und
Polizisten und Militärs und Regierungen und....

Zuallerletzt möchte ich noch darauf hinweisen, daß ich Dein Buren-Zitat für
einen dezenten Fehlgriff hale, da sich der Gute Gedanken über das
Betriebssystem Kunst gemacht hat und nicht über die Gesellschaft als solche.
Wie ich schon sagte: Die Brechstange...