Christoph Korn
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posted on 17.6. 1998 at 11:58 |
Posted by Christoph Korn on June 17, 1998 at 10:58:09:
urKult-ko 6
Kreissegelnd um Klarheit
Grenzen sind Konflikte sind Illusionen(Ken Wilber)
Red Art,1984
Landungen
I
Herbert Achternbusch antwortete einmal auf die Frage,ob er ein
Außerirdischer sei,mit:"Ja natürlich,"er wisse nur noch nicht
genau,wie er landen solle/könne.
Das Vermessen im Leben kann zu einer möglichen Ansicht führen,daß die
Grenze zwischen festem Grund(Erde)und dem
All(Himmel)an der Oberfläche des Bodens verläuft.D.h. man will sagen,daß
das All sozusagen 1 Ameisenmillimeter über
der Erdoberfläche beginnt:wir sind dazu verdammt,auf Lebenszeit
"außer"-irdisch zu sein.Erst die von selbst kommende
Grenzüberwindung durch den Tod führt in das Irdische ,in die Erde.Die
Erde
unserer Lebensperspektive ist als Planet ein
Teil des Weltraums,völlig unbestimmt,pures Dasein,freies & gebanntes
Pixel.Das Leben an sich ist also emsiges
Weiterreichen (tradire) von Landungslotsungen.Ein Gedanke ist bei mir
"gelandet",wenn er nicht nur oberflächlich
aufsetzt,sondern,wenn er mich durchdringt.Das Leben als
Schwebezustand,als
Dauerorientierungsvorgang,vom
Orient(Morgenland) zum Okzident(Abendland).
Die Chassidim begreifen - in einer Art sinnvollem reverse reading - das
Leben als Schlaf und erst den Tod als
Erweckung.Final gesehen erwachst Du,wenn Dein Leichnam in der Erde
gelandet
ist.Somit ist alles Leben,wie wir es kennen
zu glauben,teleologisch in der Hülle dieses Planeten - in dieser
gekrümmten
Ebene,der Noospäre - vom "Morgen" bis
"Abend" verlaufend.
Der Mensch,aus der Senkrechten kommend,reckt seinen Kopf vom Morgen her
in
den Himmel,seine Sohlen ver-stehen die
Erde/den Abend.Die fortlaufende Bewegung dieser Matrix,der sich im
Arrangement mit der Gravitationskraft
koordinierenden,scheinbarer Fliehkraft des Hirns weg vom Mittelpunkt der
Erde bezogenen,begreift sich als Ge-schichte
selbst,als von Generation zu Generation weitergereichte
Schichtenzone,die
sich im - bei vergrößerter Dosierung wie im
20.Jhdt. tödlicherem - Stoffwechsel mit der Erde,i.e. der Grenze zum
Tode,selbst kreislaufend nährt.
Wenn ich nur aufrecht stehe,ohne weiteren Halt,und einen Moment lang
Augen
& Ohren verschließe & keine starken Gerüche
um mich sind,spüre ich haptisch den Druck meiner Sohlen auf dem festen
Untergrund,den ich bekanntermaßen sofort
denke.Den ich denke,auch als Raum,als festen Boden mit einer
Oberflächengrenze & dahinter den vertrauengebenden Kubus
Planet.Und zugleich weiß ich, daß diese Illusion in meinem Hirn sich
produziert,wobei ich bei meiner eigenen Introspektion
gelandet wäre.Dort innen spiegelt sich der Kosmos der Gedanken,geschürft
&
mitgebracht aus den Stollen der Kulturzone &
dann,wenn es glückt,erscheint das Verschwinden des Empfindens der Grenze
an
der Sohle(Soul's)Druckstelle & zugleich all
der kursierenden Gedanken:"meine" Auflösung:Nicht Gedanke,nicht
Musik,nicht
Kunst,nicht Tod,nicht Leben,nicht Zeit - die
kostbare Leere.Und dann,nach kurzer a posteriori zu prüfender Dauer
der(Energie-)Druck wieder
//:auf-zu-schauen,auf-zu-denken,auf-zu-hören://
II
Zwei Abende hintereinander in der Alten Oper,beides ernste
Musikdarbietungen.Beide ganz unterschiedlich,gut,die eigenen
Vorlieben tiefer zu spüren.Am 11. die Stimme Tibets:Yungchen Lhamo,am
12.
das Ensemble Modern mit Kompositionen von
Gordon,Feldman,Frith.
Feldman's "For Frank O'Hara" läßt mich unruhig werden,mein Herz tut
weh,ob
solch starrer Geometreh.Feldman's Absicht ist
es erklärtermaßen " eine 'glatte Oberfläche' bei einem Minimum an
Kontrasten erhalten zu können."Autolacke sind so,tun aber
meiner Seele nicht soviel Schmerz an.
Frith nimmt mich am meisten mit,allerdings auf Reisen durch die urbanen
(TV-Film-)Welten dieser Tage,bewegt mich
also,aber wozu?
Gordon's Kompositionen stimulieren ebenfalls meine äußeren Reize auf
Durchschau nach Nahrung.Bleibt der Geschmack wie
nach Blättern in einer Illustrierten:ich war immer kurz vor Der
sensationellen Erfahrung,um dann sogleich abzusacken,durch
Umblättern mich wieder hochziehen usw.,um einfach dran zu bleiben.Etwas
wie
Sucht der unlohnenden Ablenkungssorte
also.
Der Abend lief vorüber wie Verkehr in der Großstadt.
Yungchen Lhamo singt tibetanische Lieder,die sie von ihrer Großmutter
&
Mutter gelernt hat,wie es heißt.Alleine &
unbegleitet.
Ich glaube nicht,daß,wenn mein Intellekt noch richtig arbeitet,ich große
Unterschiede der Tonarten,Modulationen,Formen &
all der anderen Parameter zwischen den einzelenen Liedern ausmachen
konnte.Auch war nichts äußerlich virtuos oder von
großem Könner-Tempo an ihrem Vortrag.
Ich bekenne,daß Yungchen Lhamo's Gesang meine Seele wahrhaft
ernährte.Meine
Ganzheit wurde von ihm erreicht & einfach
hinweggetragen.Ich fühlte mich wohl,entspannt,gesund & für eine ganze
Weile
danach noch wie auf einem "andern Stern".Sie
hat mich erfüllt,spirituell genährt,beflügelt und mich transzendiert.
Wegen der sog.Klassischen Musik hätte ich nie begonnen,ein Instrument in
Schwingung versetzen zu wollen.
Nennt mich lieber New-Age-Flocke,wenn ihr wollt,aber ich mag nun mal
Vollwertkost & nicht den Gebrauch von Bohrern in
Bürgerhirne,um im Lexikon zu landen.
III
Lexikon-Hall,die Kulturvertikale:Ruhm & Geld.
Gurdjieff schrieb in Beelzebubs Erzählungen:"Hier mag auch noch bemerkt
werden,daß durch die dort waltenden anormalen
Verhältnisse der gewöhnlichen Existenz gerade jene Wesen unter deinen
Lieblingen,den dreihirnigen Wesen des sonderbaren
Planeten Erde,besonders in ihren letzten Jahrhunderten,bemerkt und
folglich
von den übrigen geehrt zu werden,die sich nicht
wie die meisten von ihnen manifestierten,sondern irgendwie absurder;je
absurder und unsinniger ihre Manifestationen sind
und je dümmer und niederträchtiger die von ihnen ausgeführten
Streiche,um
so mehr werden solche Wesen bemerkt und
berühmt und um so größer ist die Anzahl der Wesen auf dem betreffenden
Kontinent oder sogar auf anderen Kontinenten,die
sie persönlich oder wenigstens dem Namen nach kennen.Umgekehrt wird ein
ehrliches Wesen,das sich durch keine unsinnigen
Manifestationen hervortut,auch wenn es an und für sich gut und
vernünftig
ist,unter den übrigen Wesen weder berühmt noch
auch nur bemerkt."
Ich spreche von der Möglichkeit,sich zu entscheiden.Penetriere ich die
(Kultur-)Hülle/Fülle des Planeten,um langlebig
weitergereicht zu werden in Erinnerung der Taten & Gedanken und so
gleichsam "ewig" in der Landeschwebe unter den
Nichttoten zu weilen(ich spreche nicht von Un-toten)?Ist dies meine
Triebfeder?Kann man nicht meckern.
Und/oder wähle ich die "senkrechte" Geisteshaltung (-bewegung)der
"Astralreise" einer Yungchen Lhamo:"vom Stern
kommend",senkrecht durch die Hülle des Planeten (des eigenen Fleisches
&
seiner Grenze,der Haut)in den Grenzraum "Erde"
& zurück etc.Ist es still.
Meine Koordinate liegt in der Verschneidung von Horizontal &
Vertikal:ein
Kreuz aus Welt & Nichtwelt,aus Ich und
Nicht-ich.11 12 = 23
(Alferd Harth)
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