Von: "hintze" <hintze@weser5.de>
Datum: Wed, 2 Mar 2005 17:29:08 +0100
Betreff: WESER5 in Form. Strandkörbe von Harald Kollwitz
WESER5 in Form
Strandkörbe von Harald Kollwitz
<<ole0.bmp>> <<Harald Kollwitz mit Strandkorb.jpg>>
Zuflucht im Strandkorb
Designer entwarf Unterkünfte für Obdachlose im Bahnhofsviertel
Von Martine Pfeifer
Industriedesigner Harald Kollwitz entwickelte einen Strandkorb für Menschen
ohne Wohnung. In den Körben können Menschen schlafen oder sich von den
Strapazen der Nacht erholen. Acht Körbe stehen jetzt im Tagestreff des
Diakoniezentrums Weser 5.
Bahnhof · 1. März · Gefertigt sind die Strandkörbe aus dunkelbraunem und
rotem Sperrholz, das normalerweise benutzt wird, um Beton seine Form zu
geben. Ihre Sitzfläche lässt sich aufklappen und bietet Platz und Sicherheit
für die Dinge des täglichen Lebens.
Sie haben Rollen und lassen sich leicht im Raum verschieben. Dazu gehören
drei mobile Bankelemente, die als Hocker oder Tisch dienen können. Werden
alle Teile zusammen geschoben, entsteht eine Liegefläche die 70 Zentimeter
breit und 1,90 Meter lang ist. Mit Isomatten und Decken entsteht ein Ort zum
Ruhen und Schlafen.
"Die Strandkörbe werden im Tagestreff sehr gut angenommen", erzählt Michael
Frase, der Leiter des Diakonischen Werks. Etwa 60 bis 80 Besucher zählt das
Zentrum Weser 5 täglich. Sie können dort essen, duschen, ihr Gepäck
aufbewahren und zur Ruhe kommen. Es gibt vier Tagesbetten. Mit den von
Harald
Kollwitz gestalteten acht Strandkörben konnte das Schlafplatzangebot
erweitert werden.
Die Körbe sind für Menschen gedacht, die sonst kaum noch institutionelle
Hilfe annehmen. Sie sollen für sie ein minimales Wohnobjekt zur temporären
Nutzung sein, das ein privates Territorium anbietet. "Die Menschen kommen
hierher um aufzutanken, zu schlafen und sich zu erholen", erklärt Frase.
Zwar
gebe es immer ausreichend Unterkünfte für Wohnungslose, doch entschieden
sich
manche - auch jetzt trotz eisiger Minustemperaturen - die Nacht im Freien zu
verbringen. Die Idee mit den Körben entwickelte der Berliner Designer
Kollwitz für seine Diplomarbeit an der Bauhaus Universität Weimar zum Thema
Reisen. "Ich habe sie für den Einsatz auf Flughäfen, Festivals oder für
Rucksackreisende entworfen", erklärt er.
Auf den Tagestreff Weser 5 wurde er durch einen Bericht in der FR
aufmerksam.
Er rief sofort bei Gerald Hintze vom Diakoniezentrum an und stellte seinen
Entwurf vor. Der war begeistert: "Wir dachten schon länger über
Veränderungen
der Aufenthalträume nach, suchten aber noch nach einer Form", erläutert
Hintze. "Das Konzept von Kollwitz überzeugte."
Privater Raum statt Nachtasyl
Für ihn haben die Strandkörbe auch etwas mit Respekt gegenüber den Besuchern
zu tun. "Die Benutzer können selbst entscheiden, wie sie ihren Strandkorb
aufstellen und ihre Umgebung gestalten", erklärt er. Sie bieten einen
privaten Bereich unter dem Dach einer Institution. Damit würde ein bewusster
Gegensatz zu den herkömmlichen Bettenfluchten der Nachtasyle geschaffen.
Die Möbel wurden nach dem Entwurf des Industriedesigners im der Ökumenischen
Schreinerwerkstatt in Griesheim gebaut. Ihre Produktion kostete 8000 Euro.
Die Umsetzung des Projekts wurde durch eine Spende der Otto-Georg-Dinges
Stiftung ermöglicht.
Designer Kollwitz plant bisher nicht, sein Projekt auch auf andere
Einrichtungen auszudehnen. Die Mitarbeiter bei Weser 5 wollen aber bei
Bedarf
weitere Körbe produzieren lassen.
© Copyright Frankfurter Rundschau
Ausgabe: Stadtausgabe (Nr. 51)
Datum: Mittwoch, den 02. März 2005
Seite: 37
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Jetzt fehlt nur noch die Sonne im Leben
Ohne die Strandkörbe würde auf Sylt das gewisse Flair fehlen. Sie
symbolisieren neben Sommer, Sonne und Urlaub auch einen Fleck, um sich etwas
zurückziehen zu können. Letzteren Gedanken hat Harald Kollwitz aufgegriffen,
als er für den Tagestreff «Weser 5» an der Ecke Gutleut-/Weserstraße seine
speziellen Strandkörbe entwickelt hat. Acht Exemplare stehen jetzt den
heimatlosen Besuchern in einem Extra-Raum zur Verfügung. Für den Bau der
Körbe in der ökumenischen Schreinerwerkstatt Griesheim stellte die
Otto-Georg-Dinges Stiftung 8000 Euro bereit. Das Konzept wurde gestern in
der
Einrichtung vorgestellt.
Die Idee zu dem Möbel entstand während eines Besuches von Kollwitz im
Tagestreff, von dem er aus der Zeitung erfahren hatte. Der Strandkorb ist
seine Abschlussarbeit zum Industriedesigner. Während seiner Stippvisite
hatte
er müde Menschen getroffen, die sogar auf Stühlen schliefen.
«Die Leute, die hierher kommen, sind sehr erschöpft. Sie waren teilweise die
ganze Nacht auf den Beinen, weil sie keine Übernachtungsmöglichkeit haben
und
erholen sich bei uns von diesen Strapazen», erklärt Michael Frase, Leiter
des
Diakonischen Werkes für Frankfurt am Main. Allerdings fehlten entsprechende
Ruhestätten. Deshalb sollte ein minimales Wohnobjekt zum Rückzug kreiert
werden, das sozusagen ein Stück Privatsphäre im nicht privaten Raum bietet.
Die Strandkörbe bestehen aus drei mobilen Bankelementen, die als
Liegefläche,
Hocker oder Tisch genutzt werden können. Während Besucher auf der Liege
ausruhen, können sie im Gepäckfach persönliche Dinge verwahren. Anspruch auf
einen der Strandkörbe besitz allerdings niemand. Wer zuerst kommt, kann sie
nutzen. Die Körbe sind mobil, können mittels Rollen von den Benutzern
verschoben und frei angeordnet werden, wie Gerald Hintze vom Diakoniezentrum
Weser 5 erklärt. Nachbarschaften könnten gebildet oder vermieden werden. So
werden den Hilfeempfängern ein Instrument überlassen, Raum zu strukturieren
und zu gestalten.
Kollwitz hat die Entwicklung der Strandkörbe losgelöst von der späteren
Zielgruppe umgesetzt. «Ich habe die Menschen nicht als Obdachlose, sondern
als reisende wahrgenommen», erklärt er. Deshalb kann er sich auch eine
Nutzung beispielsweise auf Musikfestivals oder dem Kirchentag vorstellen.
Offensiv Vermarkten will der Industriedesigner seine Idee aber nicht.
«Wir werden die Handhabung beobachten und dann entscheiden, ob wir weitere
Körbe anschaffen. Dazu bräuchten wir aber einen Sponsor», sagt
Einrichtungsleiterin Renate Lutz. Bedarf wäre gegeben, denn die acht neuen
Plätze zum Ausruhen sind meist schnell belegt. (bit)
Frankfurter Neue Presse, 2.03.2005