Thread: +o+ GUNSTkalender : ... oder wem gehoert die welt +o+

stbeck - 21.8. 2002 at 19:13

Von: miss.gunst@g...
Datum: Di 20, Aug 2002 18:56
Betreff: +o+ GUNSTkalender : ... oder wem gehoert die welt +o+


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von wegen sommerloch. nicht in frankfurt.
und zwar weder noch. naemlich weder in uebertragenem sinne
- dahingehend etwa, dass sich die mainanrainer in den letzten
wochen mit gravierendere witterungseinbruechen und deren
moeglicherweise noch gravierenderen folgen haetten herumschlagen
muessen [* ein wort zu europa nach dem regen im ps].
noch auch im ueblichen sinne. ruhig ist es auch nicht eben gerade.
eher schon empfiehlt es sich angesichts der belebenden fuelle
des lokalen veranstaltungsangebots, mindestens an den wochenenden
gezielt die stadt zu verlassen.
nach der disneyparade in der ersten augustwoche war es zuletzt
der sog. ironman, der weniger staehlungsfreudige
menschen in angst und schrecken oder mindestens einen zustand
nervlicher zerruettung versetzen konnte (ausgang ausgesetzt fuer
alle diejenigen, die fuer konditionstraining der sorte kraulen in
kreischenden massen nicht so viel uebrig haben).
und jetzt droht uns also schon wieder das beruechtigte
museumsuferfest.

doch halt: diesmal soll ja alles ganz anders werden.
nicht, dass es keine fressbudenparade geben wuerde.
aber einige der einzig wahren spitzenvertreter der
frankfurter hoch- u. leitkultur (namentlich die
tourismus- u. congress gmbh, sowie eine reihe der
ortsansaessigen grossbanken)
haben ein neues konzept entwickelt und zeigen
den staedtischen museen und kulturinstitutionen,
dass eine feier von kunst und kultur mehr bieten
kann als disko unter dinosaurierknochen
und kirmeskulisse zu sein.

so werden mehrere banken im rahmen oeffentlicher
fuehrungen ihre kunstsammlungen
- stueck fuer stueck in selbstlosen engagement
dem schnoeden fiskus abgetrotzt - dem gemeinen volke oeffnen
und diesem damit nicht zuletzt demonstrieren,
wie gut es kunstwerke haben koennen,
wenn man diese, anstatt sie dem maroden charme
dahinsiechender staedtischer musentempel zu ueberantworten,
im wesentlich wuerdevolleren und repraesentativeren
ambiente eines hauses praesentiert, das
sich auf wertgeschaefte versteht.

aber auch die tourismus- u. kongress gmbh hat nicht
muehen noch kosten gescheut, um den
museumsuferfestbesuchern zeitgenoessische kunst
auf hoechstem niveau vermitteln zu koennen:
vier leiter lokaler kulturinstitutionen wurden als kuratoren
engagiert, um schliesslich ein frankfurter kuenstlerpaar
zu finden, dass mit seiner arbeit diesem anspruch
gerecht zu werden verspricht.
die videoprojektion "kenneth lay says: i trust in god and the
free market" von alexandra duwe und holger wuest, die
auf der fassade der schweizer-national versicherung
zu sehen sein wird, setzt sich souveraen ueber die
kleinkarierte kritik an schliesslich nur scheinbar
kommerziell motivierten kulturveranstaltungen
wie dem museumsuferfest hinweg
("Die Arbeit richtet sich in keinem einzigen Punkt gegen
das Museumsuferfest als Veranstaltung an sich, da
jegliche inhaltliche Kritik daran uns mitnichten interessiert",
so duwe/wuest auf the thing cms)
und nimmt stattdessen die eigentlichen beweger
der gleichung kunst=kapital in den blick, um sie
gewissermassen am ort ihres wirkens selbst
in ganzer groesse zur geltung zu bringen.

die beiden kuenstler nehmen damit "nicht nur eine grosse
Herausforderung [an], sondern auch ein Feld kuenstlerischer
Moeglichkeiten, die sie eindrucksvoll zu nutzen wissen",
lobt dr. daniel birnbaum, direktor der staedelschule,
in den presse-statements der kuratoren.

hervorzuheben ist neben dem ortsbezug nicht zuletzt
die kontextgerechte bearbeitung des stoffes:
konzentriert und ungefiltert werden die claims der konzernchefs
wiedergegeben, anstatt in bemuehter kritik altlinker art
von ihnen abzulenken - worunter bekanntlich zahllose andere
videoarbeiten der vergangenen jahre so arg gelitten haben,
die zwar haeufig dasselbe ausgangsmaterial benutzten,
es jedoch allzu oft allzu leichtfertig
in montage- und theorie-mix dem auge des unvoreingenommenen
betrachters zu entruecken riskierten.

dieses hat nun vielmehr die chance, die poetische substanz
in der rhetorik des kapitals zu entdecken -
auch hier wird also die scheinbar blossstellende kritik
in eine subtile kritik der kritik gewendet und zur
"lyrischen Intervention" (wie sie max hollein, direktor der
schirn kunsthalle, wiederum im presse-statement der kuratoren, erkennt).

das kenneth lay (enron) zitat im titel der arbeit,
"i trust in god and the free market" ist dabei programm.
als wuerdige vertreterInnen des zeitgenoessischen kunstschaffens
in einer finanzkulturmetropole wie frankfurt
praesentieren duwe/wuest ein statement zur rhetorik der oekonomie,
das deren gueltigkeit ueber die grenzen der kapitalwirtschaft hinaus
belegt und zeigt, wie wahr, schoen und gut
die in der vergangenheit oft bemuehte formeln von der
'oekonomie als avantgarde der kunst' und der
'kunst als avantgarde der oekonomie' tatsaechlich sind:
eine rheorik, "die sich als labile"
- und ich moechte ergaenzen: letztlich jedoch tragfaehige
und hoechst erfolgreiche - "selbstvergewisserung
des eigenen oekonomischen erfolges erweist" (pressetext).

ansonsten in den naechsten tagen, gegenueber dem
zu erwartenden glanz des museumsuferfests
natuerlich nur am rande bemerkenswert:

+o+ mittwoch, 21.08.2002 +o+

TRANSmute project
praesentation von nomeda & gediminas urbonas
http://www.nugu.lt
im rahmen der manifesta4
http://www.manifesta.de
trespassing space, frankensteiner hof,
grosse rittergasse 103, ffm
um 15 uhr

+o+ donnertstag, 22.08.2002 +o+

the bad examples in concert
(eine duesseldorfer tiki-truppe,
die schon ihr label adelt:
http://www.atatak.com )
allerdings im rahmen der von
den malerwerkstaetten heinrich schmid gmbh
kuratierten ausstellung von
katja brinkmann: bilder und montagen
in der galerie detterer
hanauer landstr. 20-22, ffm
19 uhr
(ja, wem gehoert...)

+o+ freitag, 23.08.2002 +o+

eroeffnet die sommerakademie
http://www.internationale-sommerakademie.de/
"the truth about the nearly real"
des mousonturms
http://www.mousonturm.de
zunaechst einmal mit einer film/performance/lecture
von jan "kulis&kaefers" fabre.
das ist vielleicht geschmackssache, aber
im disejaehrigen programm sind auch fuer diejenigen,
die nicht bei martha rosler, diedrich diedrichsen, harun farocki, meg
stuart, hu obrist uswusf studieren wollen so einige perlen enthalten.
programm unter o.a. netzadresse.

am freitagabend sollte man sich vielleicht auch
souveraen ueber das auf diversen frankfurter listen
kursierende genoele ueber szeneprominenz und deren
veranstaltungspolitik hinwegsetzen und am abend die von
http://www.unfriendly-takeover.de betreute gleichnamige
lounge aufsuchen, da neben
dat politics & zipo auch der geniale bernie schreiner
fuer die musikalische gestaltung der veranstaltung
verantwortlich zeichnet:
honsell-bruecke, ffm
ab 22 uhr

+o+ samstag, 24.08.2002 +o+

geht es natuerlich gleich weiter mit der
sommerakademie - u.a. um 19 uhr mit einem gespraech
ueber "performing politics"
(rebecca schneider & andré lepecki & meg stuart)
mousonturm, 19 uhr
(am sonntag dann am selben ort zur selben zeit
martha rosler & molly nesbitt & hu obrist ueber
"familiar unknown". achtung: in beiden faellen
rechtzeitig unter 50489520 anrufen und nachfragen,
ob, wer wann wirklich zu was spricht - ich habe
hier naemlich unterschiedliche infos mit unterschiedlichen
daten, was die besetzung der gespraechsrunden betrifft!)

zuvor heisst es ich jedoch um 13.30 (puenktlich)
am portikus
http://www.portikus.de
einfinden, weil dann naemlich anya sheades
systemisches spektakel
http://www.systemisches-spektakel.de
beginnen wird. es sei denn, es regnet.

unabhaengig von der wetterlage sollte sich jede/r
der/die noch mal will, vor allem aber alle diejenigen,
die noch nicht haben, bis freitag (!) 18 uhr**
zu einer vollen stunde ihrer wahl in der
galerie michael neff
hanauer landstrasse 52, ffm
einfinden, um
oliver huseins wunderbarer neuer
produktion "Q"
ein auge zu schenken.
(** di-fr 10-18 uhr und im prinzip sa 10-14 -
seltsamerweise sehe ich aber keine zeiten
fuer sa auf dieser einladung, daher
an dieser stelle vorsichtshalber die parole bis fr).

soweit bis sonntag, naechste woche dann mehr
(u.a. zu fluxus in wiesbaden und frankfurt am meer)

miss.gunst
mailto:miss.gunst@g...

*) btw, a propos loecher im himmel:
nein, nein, das waren natuerlich alles
ganz natuerliche naturerscheinungen.
hat garantiert nichts mit
menschlicher umweltmisswirtschaft zu tun. da glauben wir doch
gerne den juengsten expertensellern. nun: wollen wir wetten,
dass in ein, zwei jahren, wenn die naechsten siedlungen
wegschwimmen, sogar ein buch erscheint, das uns anhand
aktueller statistiken glaubhaft vermittelt, wie
klimafoerderlich eigentlich sog. schadstoffausstoss ist
und wir unbedingt die filter und katalysatoren wieder abschaffen
muessen?)
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