Thing Frankfurt Blog / Kalender

ritter&staiff ::: Maria M. Loboda „Moderne Ehe“

14. October 2006

Ausstellungseröffung

Maria M. Loboda „Moderne Ehe“
15. Oktober 2006 bis 11. November 2006

Die moderne Ehe, wie Tania Blixen sie in ihrem gleichnamigen Roman beschreibt, ist längst nicht mehr modern. Maria M. Loboda interessiert sich denn auch mehr für das versteckte Böse, das Mysteriöse, die Prophezeiungen und die Alchemie, die ihrerseits ehe-ähnliche Vereinigungen eingehen. In der „alchemistischen Hochzeit“ treffen verschiedenen Substanzen aufeinander und bilden eine perfekte Symbiose. Die „Chymische Hochzeit“ von Johann Valentin Andreae, auf die die Legende der Rosenkreuzter zurückgeht, zelebriert wiederum die Verschmelzung von König und König zu einer Person.

In der von Maria M. Loboda gestalteten Rauminstallation fügen sich verschiedene, mehrfach codierte Objekte zu einem homogenen Ganzen, das erst unter der Oberfläche seinen wahren, meist bösartigen Charakter offenbart. Der Galerieraum wird so zu einer Allegorie, einer chymischen Hochzeit und Metamorphose der den Betrachter umgebenden Dinge, in der nichts ist wie es scheint. Die in der Ästhetik des Art Deco gehaltene Wandzeichnung beispielsweise zeigt ein Harlekinmuster in sanften pudrigen Farben, die jedoch hoch giftig sind und jemanden, der sich dauerhaft in dem Raum aufhält, langsam vergiften würden: sie enthalten Arsen, Quecksilber und Blei. Der Holzboden nimmt das Harlekinmuster auf, zeigt es jedoch konkav verzerrt wie ein negatives Spiegelbild.

Die Uhr an der Wand richtet sich nach dem I-ching, der chinesischen Prophezeiung, in der Stäbchen geworfen und in 64 verschiedenen Konstellationen gelesen werden. Loboda hat die 23. Formation gewählt, bei der das Böse die Strukturen übernimmt, die das Gute errichtet hat, und alles auf seine negative Seite zieht. Jeder Uhrzeiger hält ein Teil dieses i-ching-Hexagramms. Für sich sind sie harmlos, aber wenn sie zu bestimmten Stunden aufeinander treffen, beginnt die Prophezeiung ihr Werk.

Ein geheimnisvoller Kubus, angelehnt an Albrecht Dürers Radierung „Melancholia“, versinnbildlicht die den Raum bestimmende Gemütslage und verbindet eine hoch abstrakte Form mit einem überaus emotionalen Zustand. Ein Paravent schließlich, der den Titel der Ausstellung als Schriftzug trägt, vermittelt häusliche Atmosphäre, doch wie in mancher Ehe ist auch diese nachhaltig vergiftet.

Ort

ritter&staiff, Oppenheimerstrasse 34, D-60594 Frankfurt Main

»

(---- PDO OK)


[07/2015] Wegen Serverwechsel können wir die Seite Thing Frankfurt Blog in der bisherigen Form leider nicht mehr weiterführen.

Zur Zeit sind nur ausgewählte Artikel verfügbar.

Wir wollen zu Wordpress wechseln. Wer kennt sich aus mit Datenmigration, MySQL, eXtended RSS und könnte uns helfen? Freundliche Hinweise über Kontakt

Alles andere, Impressum etc auf Thing Frankfurt

Unterstütze uns mit:

© Thing Frankfurt Blog, seit 2002.