Thing Frankfurt Blog / Kalender

Gutleut15 | saga finissage | mille plateaux präsentiert: insomniac cities

09. March 2006

saga | länderspiel 1 | 2.03. - 12.03.2006

David Askevold (Halifax/Kanada) | Ingo Fröhlich (Berlin)
Hekla Dögg Jónsdóttir (Reykjavik/Island) | Sabina Simons (Hamburg)

Öffnungszeiten der Ausstellung: nach Vereinbarung


Einladung zur Finissage am Donnerstag, 9.03.2006, 20.00 Uhr
in Kooperation mit Spielplatz Frankfurt | open end | Eintritt frei


mille plateaux präsentiert: insomniac cities

Videos:
ran slavin (tel aviv) insomniac city | dvd 40 minutes
ido govrin (tel aviv) free fields | dvd 40 minutes

Konzerte:
eight frozen modules | los angeles
paradroid | mainz

Sound:
christian schröder | frankfurt/main


gutleut 15 ausstellungsraum | gutleut verlag
Gutleutstraße 15 | D-60329 Frankfurt/Main | tel 49(0)69.33088939
mobil 49(0)179.4923075 | fax 49(0)69.253269 | mail@gutleut15.com

www.gutleut15.com | www.mille-plateaux.com | www.spielplatz-frankfurt.org


saga

Die Ausstellung saga ist der erste Teil der Reihe länderspiele, die das
Jahresprogramm 2006 im ausstellungsraum gutleut 15 bestimmen wird. saga ist der Begegnung mit Island gewidmet und zu sehen sind Arbeiten der isländischen Performance- und Objektkünstlerin Hekla Dögg Jónsdóttir, die während eines längeren Aufenthalts entstandenden fotografischen und zeichnerischen Island-Tagebücher der beiden deutschen Künstler Sabina Simons und Ingo Fröhlich sowie ein auf Island entstandenes Video des kanadischen Künstlers David Askevold, der zu den Pionieren in dieser Kunstsparte gehört.


ran slavin

Ran Slavin is a cross media audio-visual artist from Tel Aviv. Working
with experimental cinema, digital and acoustic music, video art and live video and sound performances.

Working between the contemporary art world and the experimental music
scene, his visual work has been described as intense urban surrealism.

His audio work is a culmination of processed acoustic sources, error
music and sonic panoramas often guitar/piano based/derived.

His videos, music and live performances present audio-visual realms
unfolding between the urban and the abstract, super impositioning the
real and hyper real, real time streams of morphing dream worlds.

His diverse catalogue of videos blurs distinctions between present and
future, documentary digital and fiction and presents a hybrid of moving
images, stills in motion,at times on the threshold of digital painting, intense suspension and altered states.

Collaborating with the labels Sub Rosa [Brussels] Cronica [Portugal]
Mille Plateaux [Frankfurt] AK Duck [Jerusalem] among others, has produced solo and collaborative cd's,

soundtracks for various film and dance ensembles and performing/screening his work internationaly.

Insomniac City

Vers3.2004-6/ duration:40:00" minutes
language: english
subtitles: english

Insomniac City is a cinematic project in parts which morphs, changes
form, story and length as it develops. A time specific video.

The Mille Plateaux release features the latest episode: Insomniac City
[vers3].

www.ranslavin.com


ido govrin

Abstractly, a free field is a field which has a unique solution given an
initial data. Mathematically, it is described by linear partial differential equations. Acoustically, an anechoic space simulates a free field – a representation of a theoretical infinite space in which there is no sound waves reflections and therefore has the characteristic of being muted and silent.

B.1976 - Jerusalem, Israel

Ido Govrin is a sound artist and musician, constantly active in the Experimental and Free Jazz scenes.

He plays and programs acoustic (guitar/piano) and digital (dsp units) instruments to produce and investigate sound art.

He studied sound engineering in Tel-Aviv (Israel), sonology studies in the royal conservatorium of Den Haag (The Netherlands) and cinema in Jerusalem (Israel).

He is releasing music on several recording labels both in Israel and the EU and creating original music for films and inter-media installations.

He is half owner of the Israeli record label Interval Recordings (www.interval-recordings.com) and the new digital media company, Duprass.

www.duprass.com


eight frozen modules

Ein Mann, tausend Fraktale – eight frozen modules - [a]pendix shuffle
Kenneth Gibson tauscht öfter seinen Kopf aus, um Musik aus anderer Perspektive machen zu können. Das hat in zehn Jahren zu unzähligen Pseudonymen, Kollaborationen und Alben geführt.

Nachdem der Powerbook-Sound in der Repräsentation der elektronischen Tanzmusik stark zurückgetreten ist, nachdem sich erstaunlich weite Teile der Elektronik-Szene in eine marodierende Bande verwandelt haben, die entweder alte Chicago- und NuGroove-Platten nach Hit-Tauglichem abgrast oder auf den großen Pop-Crossover-Erfolg wartet, ist man schon fast erstaunt, dass es die Deleuzianer der elektronischen Musik immer noch gibt. Kenneth James Gibson etwa ist seit zehn Jahren als Produzent aktiv und hat als Eight Frozen Modules, [a]pendics.shuffle und Electronic Music Composer sieben Alben veröffentlicht. Gibson: "Ich lebe in der City of Angels. Um das gesamte Potential dieses Ortes auszunutzen, muss ich mehr als eine Person sein und dazu dient die Musik. Indem ich mehrere Aliase verwende, werde ich produktiver: Manche musikalischen Perspektiven machen erst von einem bestimmten Pseudonym her Sinn. Wenn mir der gebrochene Computerfunk als [a]pendics.shuffle langweilig wird, tausche ich meinen Kopf aus und mache als Eight Frozen Modules ein wenig `crazy music`. In dubbigen Stimmungen wechsel ich zu dubLoner. `Electronic Music Composer` sind ich und Ian Read, `Hiss and Buzz` sind ich und Jack Dangers von Meat Beat Manifesto, Whoa Buck bin ich mit Konstantin Gabbro von Orac. Für mich als Person sorgt die Musik wiederum dafür, dass ich nicht verrückt werde. Dabei wünschte ich mir, es gäbe noch ein romantischeres Motiv zum Musikmachen."

Gibsons Tracks können von jedem rhythmischen Grundgerüst zwischen Techno und Breakbeat her aufgezogen sein, wobei die Breakbeats der Normalfall sind und die gerade Bassdrum bloß das ist, auf das manche [a]pendics.shuffle–Tracks hinarbeiten. Seine gesamte aktuelle Musik ist aus abstrakten, kurzen, digitalen Sounds gebaut. Allgemein geht es in Gibsons Musik darum, möglichst viel passieren zu lassen. Was bei anderer Musik ein einzelner Sound macht, entsteht hier durch eine Gruppe, einen ganzen Schauer von Sounds. Teile der Tracks treten als eine Art Schwarm auf, sie sind Fraktale, kein Ornament. Trotzdem entsteht kein Moment des Disparaten in Gibsons Musik, alles arbeitet einer kaum fassbaren, gemeinsamen Aktion zu. Besonders bei den Tracks als Eight Frozen Modules fragt man sich, was das Interface dieser Musik ist. Gibsons Musik scheint in einem bestimmten, irgendwie isolierten Raum stattzufinden, einziger spürbarer Bezugspunkt sind die schnellen experimentellen Breakbeat-Musiken der Neunziger und bei den [a]pendics.shuffle-Nummern manche postminimale Tracks. Die Wildheit der Musik entsteht aus absolut glatten Sounds, deren Räume abstrakt und still sind - wild macht sie erst das Verhältnis, in dem sie zueinander stehen, und das, was sie miteinander machen.

Aktion und Rohheit sind entscheidend, erklärt er. Aktion impliziert "Ereignis, Bewegung, das Kollidieren der Sounds, Wahnsinn herzustellen, letztlich Liebe. Rohheit ist alles. Alles, was mich umgibt, ist roh, meine Nachbarschaft etwa. Meine Musik soll roh sein. Roh sind die Soundquellen, die mich ins Herz treffen. Wenn Sounds roh sind, sprießen aus ihnen Haare heraus und diese Haare machen mich neugierig."

Weil Gibson die umherstehende Crowd bei seinen früheren Live-Acts als unbefriedigend empfand, produziert er neuerdings dezidiert Tanzmusik. Mit Konstantin Gabbro hat Gibson das Kompakt-Label Adjunct gegründet, der erste Release wird eine Splitmaxi mit John Tejada, Bruno Pronsato, Pheek and [a]pendics.shuffle sein. Durch einen neuen europäischen Booking-Kontakt wird er auch hierzulande öfter zu hören sein. Und sonst? "Neben dem neuen Label werde ich mich weiterhin im Studio abrackern und dafür sorgen, dass ich beschäftigt bin. Ich habe das Gefühl, noch nicht mal die Oberfläche dessen erreicht zu haben, was ich in der Musik machen will."

Und was interessiert dich jenseits der Musik? "Ich suche alte Bilder von Sonnenuntergängen am Meer, diese Art Photos, auf denen ein Mann und eine Frau Hand in Hand in den Sonnenuntergang spazieren. Das fasziniert mich."

Alexis Waltz 94 August 2005

www.eight-frozen-modules.com


paradroid

Der Loop im Funk. Trotz der gegenwärtigen Digitalitäts-Abstinenz schreckt Max Wendling nicht davor zurück, mit seinem Album eine Liebeserklärung auf alte Computerspielsounds abzuliefern. Ein Techno-Spät--Bekehrter, der, wenn die Musik rockt, lieber mal ein Bier trinken geht.

Ursprünglich als Album für Mille Plateaux geplant, startet Paradroids "Romanticism in Robotic Systems" nun das Anfang des Jahres aktivierte Nachfolge-Label "Plateaux Resistance" und legt die Messlatte für weitere Releases auch schon einmal richtig hoch. Grund genug, sich mit Paradroids alter Ego Max Wendling über digitale Soundwelten und Computer-Funk zu unterhalten.

Wer oder was steckt hinter Paradroid?

Der Name Paradroid ist an ein altes C64-Computerspiel angelehnt. Man steuert einen Roboter über verschiedene Plattformen und versucht, die gegnerischen Schurkenroboter entweder abzuschießen oder in einem “Tic Tac Toe”-ähnlichen Spielchen zu bezwingen, um den Feind danach selbst zu steuern. Als ich angefangen habe Musik zu produzieren, habe ich mich wie wild durch die Welt der Computerspielsounds gesampelt. Ich mag diese Naivität und den ganzen knisternden digitalen Dreck niedriger Bitraten.

Welche Art von Musik hat dich denn am meisten in deiner Arbeit beeinflußt?

Es sind eigentlich weniger bestimmte Releases oder einzelne Platten, die mich da beeinflusst hätten. In letzter Zeit habe ich viel elektroakustische Musik und musique concrète gehört, z.B. Bernard Parmegiani, Francis Dhomont oder Tod Dockstader. Diese Musik strotzt nur so von futuristischem Sounddesign! Oft geht es nur um den Klang einzelner freigestellter Geräusche oder Sounds, aber diese Musik erzeugt eine unglaubliche Spannung und hat stellenweise Hörspielcharakter. In meine Musik fließt hoffentlich so ziemlich alles mit ein, was ich an Musik in mich aufgesogen und lieb gewonnen habe. Bevor ich angefangen habe selbst Musik zu produzieren, habe ich schon einige Jahre Techno und Elektro aufgelegt. Das kam erst über Umwege, denn anfangs habe ich Techno verachtet. Das euphorische Gedudele von Trance, was hier im Rhein-Main Gebiet Anfang der 90er ganz groß war, habe ich nicht gemocht und in meiner kategorischen Ablehnung Techno gegenüber erst später gemerkt, dass es da ganz tolle Musik zu entdecken gibt. Nach den frühen Warp-Platten von LFO, Polygon Window oder Black Dog Productions bin ich erst Mitte der 90er von Detroit oder Chicago erfasst worden. Soundästhetisch am nachhaltigsten geprägt und geschädigt bin ich von meiner Jugendliebe zu Spielautomaten und dem guten alten C 64, die früher meiner Vorstellung von Außerirdischen, der Unendlichkeit des Weltraums und all diesen unerklärbaren Dingen auch akustisch Nahrung gegeben haben. In dieser unbeholfen knisternden Digitalität des MOS6581 oder anderen 8-Bit-Maschinen steckt für mich heute noch jede Menge nostalgische Sehnsucht danach, mehr über Dinge zu erfahren, die man nie begreifen oder sehen wird !

Paradroid – ein digitaler Nostalgiker?

Digitalität ist ja heute in Musik oft unerwünscht oder gilt als Makel. Für mich ist diese 8-Bit-Melancholie ein Stück gelebte Vergangenheit, die viele Erinnerungen zurückbringt und Emotionen auslöst. In gewisser Weise ist das für mich fast schon ein Stück Romantik innerhalb einer komplett artifiziellen Welt aus Einsen und Nullen. Der Titel des Albums erklärt sich aus diesem Zusammenhang, auch wenn mein Enthusiasmus diesbezüglich genauso viel Selbstironie und Lächerlichkeit beinhaltet. Denn mir ist klar, dass diese Art verklärender Liebeserklärung an die Technik auch gleichzeitig absurd und widersprüchlich ist. Dieser Widerspruch taucht ebenfalls in meiner Musik auf. Ich denke schon, dass meine Musik neben kühler Digitalität und Futurismus auch viel Wärme beinhaltet. Auf der einen Seite ist alles komplett durchprogrammiert und basiert teilweise auf Loopstrukturen, allerdings entsteht trotzdem der Eindruck, dass nichts bleibt wie es vorher war und sich alles kaleidoskopartig verschiebt, ähnlich wie z.B. beim Jazz, wenn Musiker improvisieren und ein Thema variieren. Improvisation zu programmieren ist eigentlich komplett widersinnig und unmöglich. Trotzdem gefällt mir der Gedanke etwas so zu programmieren und durchzuplanen, dass es spontan und lebendig klingt.

Beim ersten Hören habe ich sofort an Akufen gedacht, diese Art von Micro-Sampling und die verrrückte Art des Cut-and-Paste-Prozesses.

Parallelen sehe ich in erster Linie im Micro-Sampling selbst. Ich benutze auch eine Unmenge an kleinen Soundschnipseln, allerdings greife ich auf andere Samplequellen zurück. Bei mir sind es weniger Radiosamples oder Zitate aus der Popmusik, sondern eher künstliche und fast ausschließlich computergenerierte Soundquellen. Deswegen klingt die Musik trotz einiger technischer Parallelen auch ganz anders.

Eine andere Assoziation bei manchen Soundmustern führte mich in Richtung der Brighton-Schule, frühe Platten von Berkovi, Landstrumm, Vogel, die auch immer so eine Tendenz hatten, mit ihren Effekten und Tönen komplett aus dem Ruder zu laufen, und dabei trotzdem immer schön den Groove hielten. Liege ich da falsch?

Nein, da liegst du überhaupt nicht falsch. Neben Detroit, alten Warp-Platten und Rephlex waren Cristian Vogel, Neil Landstrumm oder Subhead meine absoluten Lieblinge! Dieser Funk, gepaart mit bleepiger Soundästhetik haben mich früher total begeistert. Auch die Unberechenbarkeit der Arrangements fand ich immer faszinierend. Das war damals auch beim Auflegen immer sehr lustig, teilweise habe ich fast nur Brighton, rohe Chicagotracks und alte "Like a Tim"-Platten aufgelegt. Das war schon ziemlicher Irrsinn, hat aber unglaublichen Spaß gemacht.

Deine Musik klingt durch und durch digital, robotisch und futuristisch. Und dennoch behält sie eine ganz eigene Art von Wärme und Funk. Versuchst du bewusst, diese Balance zu halten?

Wärme und Funk sind für mich sehr wichtig. Ich habe eine melancholische Grundstimmung, die auch in meine Musik einfließt. Ohne diese Melancholie würde meine Musik wahrscheinlich sehr kühl und emotionslos klingen und hätte mit mir als Mensch sehr wenig zu tun. Ohne Funk habe ich keine Lust zu tanzen. Ich war eigentlich nie der Rocktyp. Wenn Musik rockt, dann trinke ich lieber ein Bier! Funk fand ich schon immer gut und hat in mir seit ich denken kann starken Bewegungsdrang ausgelöst! Irgendwie hat mich Funkyness seit der Breakdance-Zeit Mitte der 80er begleitet. Später habe ich dann P-Funk entdeckt. Ich liebe diesen Humor und die unglaublich coolen Basslines! Manche Funk- oder Jazzplatten haben mich regelrecht weggeblasen, z.B. "On the Corner" von Miles Davis. Wie man einen derartig geilen Funk erzeugen kann, ist mir ein Rätsel!

Pat Kalt 92 Juli 2005

www.paradroid.org

Ort

Gutleutstraße 15 | D-60329 Frankfurt/Main

»

(---- PDO OK)


[07/2015] Wegen Serverwechsel können wir die Seite Thing Frankfurt Blog in der bisherigen Form leider nicht mehr weiterführen.

Zur Zeit sind nur ausgewählte Artikel verfügbar.

Wir wollen zu Wordpress wechseln. Wer kennt sich aus mit Datenmigration, MySQL, eXtended RSS und könnte uns helfen? Freundliche Hinweise über Kontakt

Alles andere, Impressum etc auf Thing Frankfurt

Unterstütze uns mit:

© Thing Frankfurt Blog, seit 2002.