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rraum | Dirk Fleischmann

19. October 2005

Dirk Fleischmann "The Black Cat"

20. Oktober bis 20. November 2005

Eröffnung Mittwoch, 19. Oktober 2005, 19.00 Uhr

Geöffnet Donnerstags 18.00 bis 21.00 Uhr

oder nach telefonischer Vereinbarung bzw. per email



Dirk Fleischmann “The Black Cat³



Die künstlerischen Werke von Dirk Fleischmann charakterisieren zeitliche
Abläufe. Viele seiner Projekte erstrecken sich über lange Zeiträume oder
sind als work-in-progress angelegt. Der Umgang mit Zeit ist in der
westlichen, hochkapitalisierten Welt von ökonomischen Sachzwängen und
Medienkonsum geprägt. Die daraus resultierenden gesellschaftlichen
Konventionen und Verhältnisse stellen sich in Frage, so dass ein
wesentlicher Bereich der Arbeit von Dirk Fleischmann sich um signifikante
ökonomische Phänomene der heutigen Zustände bewegt. Von 1998 bis 2002
betrieb er in der Städelschule einen Kiosk wie ein wirtschaftlich
orientiertes Unternehmen, parallel dazu existiert seit 2002 die
Anhängervermietung. Gleich einem ökonomischen Betrieb wurden Gewinne
erwirtschaftet, die jedoch nie zur privaten Bereicherung von Fleischmann
selbst dienten, sondern sie wurden immer in neue Projekte investiert.

Seit 2004 betreibt Dirk Fleischmann auf dem Dach der Städelschule in
Frankfurt am Main eine Photovoltaikanlage. Die Anlage speist in etwa die
Menge an solarproduziertem Strom in das lokale Stromnetz der Mainova AG ein,
die in einem Haushalt mit zwei Personen verbraucht wird. Sie wurde aus dem
erwirtschafteten Profit zeitlich vorausgehender Kunstprojekte von Dirk
Fleischmann finanziert, unter anderem aus dem Kiosk und der
Anhängervermietung.

Als Energieverbraucher bildet der Ausstellungs- und Wohnraum rraum ein
Pendant zur Solarstromanlage und kann somit als miteinander verkoppelt
betrachtet werden. Die Ausstellung “The Black Cat³ thematisiert rraum als
räumliche und physikalische Einheit und stellt die eigentlichen Strukturen
des Haushalts von Meike Behm und Peter Lütje selbst in Relation zu den
umgebenden übergeordneten Strukturen des Konsums und ökonomischer
Mechanismen.

Der Titel “The Black Cat³ bezieht sich zum einen auf die gleichnamige
Kurzgeschichte von Edgar Allan Poe (1809 bis 1849) die er 1843 schrieb. Zum
anderen ist dieser Titel dem Gedankenexperiment der “Schrödinger Katze³
entlehnt, das der österreichische Physiker Erwin Schrödinger vorschlug, um
die Unvollständigkeit der Quantenmechanik zu demonstrieren, wenn man vom
Verhalten subatomarer Systeme auf dasjenige makroskopischer Systeme
schliessen will. In einem geschlossenen Raum befindet sich ein instabiler
Atomkern, der innerhalb einer bestimmten Zeitspanne mit einer gewissen
Wahrscheinlichkeit zerfällt. Der Zerfall des Atomkerns wird von einem
Geigerzähler detektiert. Im Falle einer Detektierung wird Giftgas
freigesetzt, das eine im Raum befindliche Katze tötet. Nach der
Quantentheorie befindet sich der Atomkern nach Ablauf der Zeitspanne im
Zustand der Überlagerung (noch nicht zerfallen und zerfallen). Wenn die
Quantenphysik auch auf makroskopische Systeme anwendbar ist, sollte sich
auch die Katze im paradoxen Zustand der Überlagerung befinden, also
gleichzeitig lebendig und tot. Sowohl in Poes Erzählung, in der eine Katze
eingemauert wird, als auch in Schrödingers Experiment sind die Katzen
verborgen. Symbolisch verraten sie etwas über Zustände, die verheimlicht
sind oder nur jenseits von gewohnten Denkmustern begreifbar werden.

Bei der Installation “The Black Cat³ verschwinden alle stromabhängigen
Geräte, die sich im Haushalt von Meike Behm und Peter Lütje befinden im
Ausstellungsraum, der verschlossen wird, während die weiteren Räume geöffnet
werden. Was das genau für Geräte sind, ist jedoch nur erahnbar, denn es
führen lediglich zahlreiche Kabel von den eigentlichen Standorten der Geräte
wie Küche, Schlaf- oder Badezimmer in den geschlossenen Raum. Hieraus
resultiert eine enorme und vor allem verdichtete Bündelung der Energie, so
dass im übrigen Teil der Wohnung Dunkelheit herrscht. Dadurch, dass der
dezidierte Einblick verwehrt wird, wird die eigentliche Ordnung, gegeben
durch den sonst festen Platz der Geräte irritiert. In der Installation
ergeben sich strukturelle und phänomenologische Analogien und die
Wahrnehmung des Wohnraums gleitet in einen Zustand der Überlagerung und
Mehrdeutigkeit.

Mit der Installation “The Black Cat³ sensibilisiert Dirk Fleischmann zum
einen das Bewusstsein für die existentielle Abhängigkeit jedes Einzelnen von
ökonomischen Systemen. Zum anderen stellt sie auf philosophische Weise
Fragen nach der Sicherheit von Aspekten wie Erkenntnis und Wahrheit, indem
sie den Grat zwischen Glauben und Wissen, Illusion und Realität schmal
erscheinen lässt.

Zur Ausstellung erscheint eine Edition.

Ort

rraum, Kiestr. 37, 60486 Frankfurt

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