Ist mit dem neuen und dauerhaften Heim auch eine Neuorientierung der Institution Portikus verbunden?
Nun war in der Rundschau vom 27.4. zu lesen, es ginge ums "ausprobieren" und "experimentieren".
Doch was bedeutet das in einem Haus, das selbst kein Experiment darstellt? Daß der Architekt Mäckler irgendwie an vergangene Zeiten und ihre Formensprache anknüpfen will, haben wir nun verstanden.
Ich frage mich, hätte man im Jahre 2006 nicht einen Ausdruck finden können, der deutlicher unserer Zeit entspräche, als die Rückbezüglichkeit Mäcklers? Während die Schirn von James Sterling noch offensiv der Postmoderne huldigt, stellt sich das neue Portikus Gebäude schlichter, gereinigter, zurückhaltender gegenüber der Geschichte als Steinbruch des Architekten dar. Vielleicht wird man jetzt schon bei seinem Anblick den Eindruck nicht los, als hätte es immer schon dort gestanden. Ist das gut so?
Auch die jetzige Ausstellung (Marjetica Potrc/Tomas Saraceno) zeigt sich keinesfalls als Neubeginn, gibt keinen Hinweis programmatischer Art, wie Künstler fortan diesen Raum nutzen werden. Der Bruch wird vermieden, man übt sich in Kontinuität. Das ist Ausstellung 354, vorher war 353, und 355 kommt demnächst.
Auf der Alten Brücke ist ein großer Schriftzug angebracht: "There are no demonstrations in Disneyland" - eine Allegorie der Kunst? Der Portikus als Restauration des bürgerlichen Kunstbegriffes als Vergnügungspark. Die an die Eröffnung anschliessende Party könnte das vermuten machen. Aber soweit wollten die Künstler wohl nicht gehen.
Mit noch größerer Berechtigung könnte man schreiben: "There are no demonstrations in the artworld". Billig ist die Kritik, die jedem Globalisierungsgegener gut gestanden hätte. Wenn es irgendwo mit Sicherheit keine Demonstrationen gibt, dann in der Kunst, jener unterdrückten Fraktion der herschenden Klassen, - wie Bourdieu sie beschrieb. Die Kuratoren sitzen recht fest im Sattel, noch.

