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Unser Dorf soll schön bleiben, mit Love and Respect!

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Love and Respect sollen wir unseren schönen U-Bahnen und unseren gepflegten Fassaden entgegenbringen. Dies fordern zumindest verschiedene Organisationen wie die Stadtwerke Ffm, die Deutsche Bahn, der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) u. a.
Auf modern gestylten Plakaten (siehe Thing-CMS-Foto) werden wir jungen Leute in dem von uns benutzten "Szene-Slang" angesprochen: "Love and Respect - sollte auch für andere gelten". Die versteh'n uns, krass Alder! Warum sich allerdings beim zweiten Satz ein virtueller, erhobener Zeigefinger in meine Gehirnströme schraubt kann ich voll nicht versteh'n (ey). Aber geil (ey) da kann man ja Patte machen. Einfach anrufen und Vandalismus und / oder Grafitti melden, bis zu EUR 500,- einsacken und das ohne 0190 Nummer! Fette Aktion, muss ich gleich mal zur Wählscheibe greifen...

Doch leider hatte der Stadtwerke-Typ am anderen Ende der Hotline, gar keine Ahnung von der Kampagne, kannte noch nicht mal diese ultra-konkreten Plakate (O-Ton: "Love and Respect, das soll wohl Liebe und Respekt heißen").

Trotzdem war der gute Mann volkommen überzeugt von der Richtigkeit der Aktion, es würden schließlich, vor allem durch Vandalismus, enorme Sach- und sogar Personenschäden entstehen. Also würden sich entweder die RMV-Tickets verteuern oder man ließe alles so und würde in naher Zukunft unweigerlich in demolierten U-Bahn Wagen mit herausgeschlagenen Fenstern fahren müssen. Auf die Frage ob ich dies, gerade bei den derzeitigen Witterungsverhältnissen wolle, konnte ich so keine Antwort geben. Schließlich fahre ich schon lange keine U-Bahn mehr, da ständig die Preise steigen.

Nun gut, entgegnete beflissen der Herr am heißen Draht, wenn ich ein rotes Auto hätte und jemand würde es heimlich grün sprühen, dann würde ich mich doch sicherlich auch ärgern. Vielleicht müsste ich sogar Strafe zahlen, da in meinen KFZ-Papieren ja ausdrücklich "rot" als PKW Farbe vermerkt wäre. Daraufhin hoffte ich, dass der RMV keine Strafe zahlen muß wenn jemand seine Wagen besprüht.

Nun wunderte ich mich aber doch noch über die Prämie, die man bei Meldung eines Vandalen oder Sprayers erhält. Ist das nicht ein bischen Stasi-mäßig? Schlimmer noch, soll ich mir etwa mein Geld damit verdienen Graffiti-Künstler zu denunzieren?

Der treue Staatsdiener konnte alle meine Zweifel zerstreuen: Wie solle man denn sonst gegen Vandalismus und Graffiti vorgehen? Ob ich denn eine bessere Idee hätte?
Es werde aber auf keinen Fall zur Denunziation von Künstlern aufgerufen, beruhgte er mich. Kunst sei Graffiti im übrigen nur, wenn es sich um Sprühereien auf legal ausgewiesenen Flächen handele, nicht aber auf Bahnen des RMV. Diese würden schließlich einfach besprüht ohne vorher um Erlaubnis zu bitten. Doch auf eine mögliche Anfrage ob man denn beispielsweise die Wagen der Linie U5 mit Graffiti verzieren dürfte, könnte mein Gesprächspartner leider keine genaue Antwort geben da dies nicht in seinen Zuständigkeitsbereich fiele.

Eine Prämie sei im übrigen auch nötig, da die Fahrgäste bei Graffiti-Sprayern und Vandalismus oft wegschauten. Auf den Einwand das es sie vielleicht nicht störe, wurde mir wieder lebhaft von vollkommen verunstalteten Bahnen, wie man sie vielleicht aus Filmen über die Bronx kennt, erzählt.

Ich glaubte allmählich zu verstehen und stellte zum Abschluß noch mal die Frage nach dem Motto der Kampagne: "Also habe ich das richtig verstanden, Love and Respect ja, aber nicht für Vandalen und Sprayer?" - "Ganz genau!", kam es erfreut aus der Leitung.

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