Thing Frankfurt Blog / Archiv

Ein Stück Kritik

5. 3. 1997

Ich freue mich, daß die erste Antwort (und viele erwarte ich gar nicht) zumindestens aus dem Felde der "Kritik" kommt. Als Künstler bin ich ersteinmal gar nicht berufen, mich mit diesem Feld zu beschäftigen, wenn ich nicht unter den KollegInnen eine unglaubliche Naivität hinsichtlich der Rolle der Kritik (das schreibe ich so, damit ich nicht dauernd "KritikerInnen" schreiben muß; immer versuche ich auch hinter "der Kritik" einzelne Personen zu sehen) feststellen müßte. Da wird entweder mit religiöser Inbrunst an die Sehergabe des Kritikers ("der wird meinen Wert schon erkennen") geglaubt oder an die Bereinigung etwaiger Differenzen beim anschließendem Gespräch in der Kneipe, oder auf der Toilette, oder im Atelier, oder im Bett, oder an was noch für Orten, nur nicht an der teilnehmenden Öffentlichkeit. Wenn es nicht so ein offenes Geheimnis wäre, würde ich mich selbst dem aussetzen, was ich hier behaupte, daß der größte Teil aller Entscheidungen, die im Kunstbereich fallen, mehr mit Schamanismus und Hexerei zu tun haben, als mit wissentschaftlichen Standards. Wobei ich nichts gegen die Argumente der Kunstgeschichte sagen möchte. Die lassen sich auch drehen und wenden, je nach Bedarf. Paradoxerweise wurde auch die historische "Hexerei" mit wissenschaftlichen Instrumenten verfolgt, die nach genauerer Inaugennahme eigentlich von der Haltlosigkeit der eigenen Position überzeugt haben sollten.


Es geht mir auch nicht darum bloß auf Kritiker einzuhauen. Noch schlimmer wäre es, wenn es gar keine gäbe. Aber, daß ich das deutsche/Frankfurter Brett von The Thing mit diesem Text eröffnet habe, liegt eben in der Dürftigkeit des erwähnten Bereiches. Ich wollte ein Defizit an Kenntnis und Aufklärung beklagen, nicht vorgefertigte Statements abgeben. Wie sich an der internen vorwegnehmenden Selbstzensur unserer Wandzeitung hier in Frankfurt (darüber werde ich noch schreiben) zeigt, war mir selbst nicht klar, in welchem Maße Einfluß und Geltung höherstehender Personen - Kasper König z.B. - bis in die kleinsten Kappilaren des Betriebs, in unserem Fall eine simple Kaffeehausrunde - reichen.


Und ich möchte The Thing Frankfurt als eine Station betreiben, die diese Phänomene untersucht und integriert, statt sie andern überlassend auszugrenzen.


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